Dummheit und Klugheit
Albert Einstein (1879 - 1955): Wenn die Menschen nur über das sprächen, was sie begreifen, dann würde es sehr still auf der Welt sein. Konrad Adenauer (1876 - 1967): Wir leben alle unter demselben Himmel, aber wir haben nicht alle denselben Horizont. Francois La Rochefoucauld (1613 - 1680): Mittelmäßige Menschen verurteilen meist alles, was über ihren Horizont geht. Die Leichtsinnigen und die Dummen sehen die Welt durch ihr Gefühl. Jedermann klagt über sein Gedächtnis, niemand über seinen Verstand. Es gibt naive Menschen, die sich erkennen und ihre Naivität geschickt zu benützen verstehen. Große Geister sagen in wenigen Worten viel, kleine in vielen nichts. Blaise Pascal (1623 - 1662): Das rastlose Leben ist den großen Geistern willkommen, aber die Mittelmäßigen haben keine Freude daran; sie sind ganz Maschine. Albert Einstein (1879 - 1955): Große Geister haben stets heftige Gegnerschaft in den Mittelmäßigen gefunden. Diese letzteren können es nicht verstehen, wenn ein Mensch sich nicht gedankenlos ererbten Vorurteilen unterwirft, sondern ehrlich und mutig seine Intelligenz gebraucht und die Pflicht erfüllt, die Ergebnisse seines Denkens in klarer Form auszusprechen. Erich Fromm (1900 - 1980): Intelligenz ist - abgesehen von der angeborenen Fähigkeit - weitgehend eine Funktion der Unabhängigkeit, des Mutes und der Lebendigkeit; Dummheit ist ihrerseits ein Resultat der Unterwürfigkeit, der Angst und des inneren Abgestorbenseins. Wenn ein wesentlicher Teil der Intelligenz in der Fähigkeit besteht, Zusammenhänge zwischen Faktoren festzustellen, bei denen man bisher nicht bemerkt hatte, dass sie miteinander in Beziehung stehen, dann wird jemand, der sich an Klischees und Konventionen klammert, es nicht wagen, solche Zusammenhänge zu erkennen. Wer Angst davor hat, sich von den anderen zu unterscheiden, wird nicht wagen, Fiktionen als das zu erkennen, was sie sind, und wird daher auf starke Hindernisse stoßen, wenn es gilt, die Realität aufzudecken. (aus: Jenseits der Illusionen, 11 Verwandte Ideen) Japanisch: Hebt man den Blick, so sieht man keine Grenzen. Laotse (vor 300 v. Chr.): Dinge wahrzunehmen ist der Keim der Intelligenz. Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 - 1900): Denken ist ein Interpretieren nach einem Schema, welches wir nicht abwerfen können. Arthur Schopenhauer (1788 - 1860): Zum Denken sind wenig Menschen geneigt, obwohl alle zum Rechthaben. Bettina von Arnim (1785 - 1859): Selbstdenken ist der höchste Mut. ... Wer wagt selbst zu denken, der wird auch selbst handeln. [aus: Die Günderode] Sokrates (468 - 399 v. Chr): Der Kluge lernt aus allem und von jedem, der Normale aus seinen Erfahrungen und der Dumme weiß alles besser. Epictetus (55 - 135): Es ist unmöglich für einen Menschen, etwas zu lernen, von dem er meint, dass er es schon weiß. Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.): Jeder Mensch kann irren, der Dumme nur verharrt im Irrtum. Sprichwort: Dummheit und Stolz wohnen auf einem Holz. Immanuel Kant (1724 - 1804): Der Mangel an Urteilskraft ist eigentlich das, was man Dummheit nennt, und einem solchen Gebrechen ist gar nicht abzuhelfen. Wer Urteilskraft in Geschäften zeigt, ist gescheit. Hat er dabei zugleich Witz, so ist er klug. Wir leben in einer Welt, worin ein Narr viele Narren, aber ein weiser Mann nur wenige Weise macht. Wilhelm Busch (1832 - 1908): Dummheit, die man bei den anderen sieht, Dumme Gedanken hat jeder, aber der Weise verschweigt sie. Heinrich Heine (1797 - 1856): Ein Kluger bemerkt alles, - ein Dummer macht über alles eine Bemerkung. Voltaire (eigtl. Francois-Marie Arouet, 1694 - 1778): Je öfter eine Dummheit wiederholt wird, desto mehr bekommt sie den Anschein der Klugheit. Theodor Fontane (1819 - 1863): Gegen eine Dummheit, die gerade in Mode ist, kommt keine Klugheit auf. Albert Einstein (1879 - 1955): Wenige sind imstande, von den Vorurteilen der Umgebung abweichende Meinungen gelassen auszusprechen; die meisten sind sogar unfähig, überhaupt zu solchen Meinungen zu gelangen. Die höchste Stufe des Geizes ist es, wenn einer niemals seinen Verstand gebraucht. Es ist kaum zu glauben, wie wenig die Menschen selbst aus den härtesten Erfahrungen lernen. George Bernard Shaw (1856 - 1950): Wir lernen aus Erfahrung, dass die Menschen nichts aus Erfahrung lernen. Es ist gefährlich aufrichtig zu sein, außer, wenn man auch dumm ist. Konfuzius (551 - 479 v. Chr.): Der Mensch hat dreierlei Wege, klug zu handeln:
Thomas Hobbes (1588 - 1679): Wie reiche Erfahrung Klugheit ist, so ist Reichtum an Wissenschaft Weisheit. Bertrand Russell (1872 - 1970): Es ist ein Jammer, dass die Dummköpfe so selbstsicher sind und die Klugen so voller Zweifel. Franz Grillparzer (1791 - 1872): Der Ungebildete sieht überall nur Einzelnes, der Halbgebildete die Regel, der Gebildete die Ausnahme. Kurt Tucholsky (1890 - 1935): Der Vorteil der Klugheit liegt darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger. André Maurois (1885 - 1965): Das Schwierige am Diskutieren ist nicht, den eigenen Standpunkt zu verteidigen, sondern ihn zu kennen. Curt Goetz (1888 - 1960): Einen Gescheiten kann man überzeugen, einen Dummen überreden. Hugo Dionizy Steinhaus (1887 - 1972): Eine der Eigenschaften der Dummheit ist die Logik. Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832): Der Scharfsinn verlässt geistreiche Männer am wenigsten, wenn sie unrecht haben. Es irrt der Mensch, so lang' er strebt. Alles Große und Gescheite existiert in der Minorität. Es ist nie daran zu denken, dass die Vernunft populär werde. Leidenschaften und Gefühle mögen populär werden, aber die Vernunft wird immer nur im Besitz einzelner Vorzüglicher sein. Hoimar von Ditfurth (1921 - 1989): Zwar hat die menschliche Unvernunft nicht zugenommen. Ruinös angestiegen ist jedoch die Zahl der Unvernünftigen. Friedrich Wolf (1888 - 1953): Gegen Verleumdung und Dummheit kann man sich nicht schützen. Gotthold Ephraim Lessing (1729 - 1781): Was Gewalt heißt, ist nichts: Verführung ist die wahre Gewalt. Wer über gewisse Dinge den Verstand nicht verlieret, der hat keinen zu verlieren. (aus: Emilia Galotti, IV/V, 7) Egon Bahr (geb. 1922): Verstand ohne Gefühl ist unmenschlich, Gefühl ohne Verstand ist Dummheit. Jean de Lafontaine (1621 - 1695): Zu allen Zeiten haben die Kleinen für die Dummheiten der Großen büßen müssen. Konrad Lorenz (1903 - 1989): Hass macht nicht nur blind und taub, er macht auch unglaublich dumm. Albert Camus (1913 - 1960): Die Grausamkeit empört, aber die Dummheit entmutigt. Arthur Schopenhauer (1788 - 1860): Ein guter Vorrat an Resignation ist überaus wichtig als Wegzehrung für die Lebensreise. Gottfried Benn (1886 - 1956, Marginalien): Resignation ist kein Nihilismus; Resignation führt ihre Perspektiven bis an den Rand des Dunkels, aber sie bewahrt Haltung auch vor diesem Dunkel. Günter Blöcker (1913 - 2006): Solange der Mensch annimmt, dass die Übel dieser Erde ihren Grund im speziellen Versagen einzelner Personen und einzelner Einrichtungen haben - so lange befindet er sich noch im Stande der geistigen Kindheit. Carl Friedrich von Weizsäcker (1912 - 2007): Die Probleme der Gesellschaft, der Mitmenschenlichkeit, ja des Überlebens bleiben ungelöst, solange jeder Einzelne und noch mehr jede soziale Gruppe die ethischen Forderungen streng nur auf die Andern, auf sich aber lax anwendet. Das Resultat ist die Kette von Katastrophen, die man politische Geschichte nennt. Das Verhalten von uns Menschen in dieser Geschichte ist nicht primär böse, es ist vor allem unter unserem eigenen intellektuellen Niveau, es ist dumm. [aus: Der Garten des Menschlichen, 1977, S. 475] Menschliche Gemeinschaften könnten sich durch Vernunft und Nächstenliebe stabilisieren, also durch Wahrheit, durch Erkenntnis, Wahrhaftigkeit, Rücksicht und aktive Hilfe. Wo das geschieht, empfinden wir, dass Friede herrscht. [ebenda, S. 522] Albert Einstein (1879 - 1955): Die Majorität der Dummen ist unüberwindbar und für alle Zeiten gesichert. Der Schrecken ihrer Tyrannei ist indessen gemildert durch Mangel an Konsequenz. Es ist ein glückliches Schicksal, wenn man bis zum letzten Schnaufer durch die Arbeit fasziniert wird. Sonst würde man zu sehr leiden unter der Dummheit und Tollheit der Menschen, wie sie sich hauptsächlich in der Politik äußert. Hinweis: » Albert Einsteins Weisheiten und Ansichten - Eine Zitate-Anthologie Erich Kästner (1899 - 1974): Vergiss in keinem Falle, Marie von Ebner-Eschenbach (1830 - 1916): "Der Gescheitere gibt nach", - eine traurige Wahrheit, - Geistlose kann man nicht begeistern, aber fanatisieren kann man sie. Gabriel Laub (1928 - 1998): Immer vernünftig zu sein, ist unvernünftig. Aber das ist keine Rechtfertigung der Dummheit. Der vernünftige Mensch kann unmöglich an die Vernunft glauben. Schon die Mathematik lehrt uns, dass man Nullen nicht übersehen darf. Die Menschheit würde unbeschränkte Möglichkeiten haben, wenn sie die Möglichkeit hätte, die Macht der Beschränkten zu beschränken. Eberhard Liß (geb. 1941): Große Vielfalt gefällt den Einfältigen, obwohl ihnen das Auswählen schwer fällt. Dumme sind oft glücklicher als Kluge, weil sie nichts hinterfragen. Engstirnige glauben genügend zu wissen und vermeiden logisches Nachdenken. Ein denkfauler Mensch ist meist stur und muss sich langweilen, wenn er kein Hobby hat. Wer über Beobachtungen nachdenkt, stellt schwierige Fragen. - Wer schnellfertige Antworten findet, denkt oberflächlich. Befragte Unverständige, die sich provoziert fühlen, geben dummfreche Antworten. Mangelhaftes Wissen und geringes Denkvermögen sind Gründe für Unverstand und falsche Meinungen, auch für Aberglaube und Fanatismus. Der Sinn suchende Mensch versucht auch Sinnwidriges für sich verständlich zu machen. Schwachsinn ist unlogisch; Wahnsinn kann logische Methode werden. Mit kritischen Studien zur Wahrheitsfindung belasten sich nur die wenigen Denker, die sich ernsthaft um Einsicht bemühen. Verstand ist Erkenntnisvermögen für Deutungen und Urteile durch praktische Einsicht. Vernünftige Selbstkontrolle zur lerntypischen Verbesserung des Verstehens ist möglich mit kritikfähiger Selbstreflexion. Klugheit als rationale Urteilsfähigkeit basiert auf pragmatischem Wissen um zweckmäßige Mittel zum Glück beim Problemlösen. Weisheit als höchste Einsichtsfähigkeit ermöglicht theoretisches Wissen um Prinzipien der Seinserfahrung, das begründbar ist durch fundamentale Lebenserfahrung und rationale Einsicht in allgemeine Zusammenhänge. Zur Aufklärung einer Problemsituation müssen die richtigen Informationen beschafft und kritisch ausgewertet werden, wobei Einsicht erforderlich ist, um das Wesentliche zu verstehen und damit eine richtige Entscheidung zu erwägen. Eingeschränktes Interesse und unzureichendes Wissen erschweren eine kognitive Verbesserung des Verstehens und ein Lernen durch Einsicht. Je komplexer Schwerverständliches ist, desto mehr wird nach Leichtverständlichem gesucht, möglichst einfach übernehmbaren Regeln oder nachahmbaren Aktionen. Kritisches Denken über Probleme belastet den Verstand, erfordert "trockene" Logik und wirkt meist verunsichernd.
Allgemeine Resignation oder nur Desinteresse gegenüber wissenschaftlichen Fragen zeigen viele Menschen, die sich nicht mit für sie unlösbar erscheinenden Problemen belasten wollen. Desinteresse wegen Gleichgültigkeit resultiert oft aus Enttäuschungen wegen Unverstand mit falschen Vorstellungen. Die spürbare Ohnmacht unserer Vernunft gegenüber Unverstand und Überschätzung darf uns nicht entmutigen, immer wieder aus unseren Erfahrungen und auch Fehlern zu lernen. - Nur durch Selbstlernen können wir erforderliches Wissen in unserem unvollkommenen Steinzeitgehirn ausbilden. Unsere Orientierung müssen wir stets überprüfen und auch korrigieren zwecks vernünftiger Umorientierung durch Lernen aus Fehlern. Ein lernender "einsichtiger" Mensch kann wesentliche Zusammenhänge "klug" erfassen und damit "rationelle" Problemlösungen finden. Er muss einen lebensnotwendigen Kompromiss "gelassen" eingehen, wenn in seinem begrenzten Handlungsspielraum keine bessere Lösung für ihn ersichtlich ist. Ein verstandesmäßig "funktionierender" Mensch handelt vorwiegend nach bewährten Regeln, Stereotypen und festen Schemata seiner pragmatischen Denkgewohnheiten. Seine Persönlichkeit kann er durch bewusstes "intentionales" Lernen nur dann entfalten, wenn er dazu ausreichend motiviert ist und sich eigene Ziele setzen und verfolgen kann, die von seinen Privat-Interessen mitbestimmt werden. Ein sozial "angepasster" Mensch übernimmt modisch wechselnde Verhaltensmuster und akzeptiert auch traditionelle Bräuche, Riten und Zeremonien. Aufgrund seiner mangelnden Skepsis gegenüber neuen Angeboten ist seine Gesinnung von verführerischen Medien und Personen leicht manipulierbar, womit er sich fremd bestimmen, benutzen oder ausnutzen lässt. Von Mitläufern wird meist nicht verlangt, sich eigene Meinungen zu bilden. Der kritisch Denkende kommt in Konflikt mit schnellfertigen Meinungen von Schmalspurdenkern. Wir müssen lernen, unsere Enttäuschungen mit Würde und Toleranz zu ertragen. Dabei helfen uns Aufrichtigkeit, Humor und Tapferkeit. Siehe auch: »
Urteil und Wahrheit »
Erkenntnis und Erfahrung |