Geltung und Besitz
Heinz Ehrhardt (1909 - 1979) Manche Menschen wollen immer nur glänzen, obwohl sie keinen Schimmer haben. Eugen Roth (1895 - 1976): Am ärgsten fällt der Größenwahn Gefallsucht hat, oft über Nacht, Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832): Ein großer Fehler: dass man sich mehr dünkt, als man ist, und sich weniger schätzt, als man wert ist. Gegen große Vorzüge eines anderen gibt es kein Rettungsmittel als die Liebe. In der Welt kommt's nicht drauf an, dass man die Menschen kenne, sondern, dass man im Augenblick klüger sei als der vor uns Stehende. Leider sind es öfter die Meinungen über die Dinge, als die Dinge selbst, wodurch die Menschen getrennt werden. Allgemeine Begriffe und großer Dünkel sind immer auf dem Wege, entsetzliches Unheil anzurichten. Josef von Sternberg (1894 - 1969): Wir verbringen einen großen Teil des Lebens damit, die Achtung anderer zu erwerben. Aber Selbstachtung zu gewinnen, darauf verwenden wir wenig Zeit. Arthur Schopenhauer (1788 - 1860): Viel zu viel Wert auf die Meinung anderer zu legen ist ein allgemein herrschender Irrwahn: mag er nun in unserer Natur selbst wurzeln, oder in Folge der Gesellschaft und Zivilisation entstanden sein; jedenfalls übt er auf unser gesammeltes Tun und Lassen einen ganz übermäßigen und unserem Glücke feindlichen Einfluss aus, den wir verfolgen können, von da an, wo er sich in der ängstlichen und sklavischen Rücksicht auf das qu'eu dira-t-ou (was wird man dazu sagen?) zeigt, bis dahin, wo er den Dolch des Virginius in das Herz seiner Tochter stößt, oder den Menschen verleitet, für den Nachruhm, Ruhe, Reichtum und Gesundheit, ja, das Leben zu opfern. Der Ruhm beruht eigentlich auf dem, was einer im Vergleich mit den Übrigen ist. Demnach ist er wesentlich ein Relatives, kann daher auch nur relativen Wert haben. Er fiele ganz weg, wenn die Übrigen würden was der Gerühmte ist. Absoluten Wert kann nur das haben, was ihn unter allen Umständen behält, also hier, was einer unmittelbar und für sich selbst ist: folglich muss hierin der Wert und das Glück des großen Herzens und des großen Kopfes liegen. Also nicht der Ruhm, sondern das, wodurch man ihn verdient, ist das Wertvolle. Lessing sagte: "Einige Leute sind berühmt, und andere verdienen es zu sein". Was einer ist, in welcher Art und Weise es auch sei, das ist er zuvörderst und hauptsächlich für sich selbst: und wenn es hier nicht viel Wert ist, so ist es überhaupt nicht viel. Hingegen ist das Abbild seines Wesens in den Köpfen anderer ein Sekundäres, Abgeleitetes und dem Zufall Unterworfenes, welches nur sehr mittelbar sich auf das Erstere zurückbezieht. Zudem sind die Köpfe der Menge ein zu elender Schauplatz, als dass auf ihm das wahre Glück seinen Ort haben könnte. Was für ein Neuling ist doch der, welcher wähnt, Geist und Verstand zu zeigen wäre ein Mittel, sich in Gesellschaft beliebt zu machen! J. W. Goethe schrieb Schopenhauer ins Stammbuch: Willst du dich deines Wertes erfreuen, nach dem Talmud (um 500 - 600): Wer seine Mitmenschen achtet, wird selbst geachtet. Japanisches Sprichwort: Statt nach Lob trachte lieber danach, nicht getadelt zu werden. Clarence E. Dutton, Geograph (1882): Große Neuheiten, ob in der Kunst oder der Literatur, in der Wissenschaft oder der Natur, erobern die Welt nur selten im Sturm. Ehe man sie bewerten kann, muss man sie begriffen haben, und ehe man sie begreifen kann, muss man sich ihnen gewidmet haben. Marie von Ebner-Eschenbach (1830 - 1916): Wer es versteht, den Leuten mit Anmut und Behagen Dinge auseinanderzusetzen, die sie ohnehin wissen, der verschafft sich am geschwindesten den Ruf eines gescheiten Menschen. David Hume (1711 - 1776): Verstand und Genie rufen Achtung und Hochschätzung hervor, Witz und Humor erweckt Liebe und Zuneigung. Paul Lindau (1839 - 1919): Anerkennung ist das Brot der Geister. Paul Heyse (1830 - 1914): Fordre kein lautes Anerkennen. Könne was, und man wird dich kennen. Jean de La Bruyère (1645 - 1696): Wenn man geschätzt sein will, muss man mit schätzenswerten Menschen leben. Es gibt auf der Welt nur zwei Arten vorwärtszukommen, entweder durch die eigene Tüchtigkeit oder durch die Dummheit der anderen. Francois de La Rochefoucauld (1613 - 1680): Es ist ebenso anständig, sich seines Werts bewusst zu sein, wie es lächerlich ist, sich seiner vor anderen zu rühmen. Einer der Gründe, weswegen man so selten Menschen begegnet, mit denen man vernünftig und angenehm Gespräche führen kann, ist, dass fast jederman nur an das denkt, was er selbst sagen will, statt genau auf das zu antworten, was man ihm sagt...
Stillschweigen ist das beste Verhalten für Leute, die ihrer selbst nicht sicher sind. Einsichtsvoll finden wir immer nur Menschen, die unsere Meinung teilen. Die Anerkennung ernster Menschen gewinnen wir durch die Leistung, die der Masse durch Glück. Die Welt belohnt öfter den Anschein des Verdienstes als das Verdienst selbst. Nur wenig ist an sich unmöglich. Wenn uns etwas nicht möglich ist, fehlt es uns eher an Tatkraft als an den Mitteln. Wirklich gewandt sein heißt, den Preis der Dinge kennen. Bescheidenheit ist eine Tugend, die man vor allem bei den anderen schätzt. Gleichgültigkeit verstößt mehr gegen unsere menschliche Pflicht als Eigennutz. Es ist weit wirtschaftlicher, freigebig als geizig zu sein. Arthur Schopenhauer (1788 - 1860): Der Reichtum gleicht dem Seewasser: je mehr man davon trinkt, desto durstiger wird man. - Dasselbe gilt vom Ruhm. - Dass nach verlorenem Reichtum, oder Wohlstand, sobald der erste Schmerz überstanden ist, unsere hibituelle (gewohnte) Stimmung nicht sehr verschieden von der früheren ausfällt, kommt daher, dass, nachdem das Schicksal den Faktor unseres Besitzes verkleinert hat, wir selbst um den Faktor unserer Ansprüche gleich sehr vermindern. Diese Operation aber ist das eigentlich Schmerzhafte, bei einem Unglücksfall: nachdem sie vollzogen ist, wird der Schmerz immer weniger, zuletzt gar nicht mehr gefühlt: die Wunde vernarbt. Umgekehrt wird, bei einem Glücksfall, der Kompressor unserer Ansprüche hinaufgeschoben, und sie dehnen sich aus: hierin liegt die Freude. Aber sie dauert nicht länger, als bis diese Operation gänzlich vollzogen ist: wir gewöhnen uns an das erweiterte Maß der Ansprüche und werden gegen den demselben entsprechenden Besitz gleichgültig. Vorhandenes Vermögen soll man betrachten als eine Schutzmauer gegen die vielen möglichen Übel und Unfälle; nicht als eine Erlaubnis oder gar Verpflichtung, die Plaisir der Welt heranzuschaffen. Zudem, was einer hat, habe ich Frau und Kinder nicht gerechnet; da er von diesen vielmehr gehabt wird. Eher ließen sich Freunde dazu zählen: doch muss auch hier der Besitzende im gleichen Maße der Besitz des andern sein. Albert Schweitzer (1875 - 1965): Auf das eine allein kommt es an: dass jeder das, was er besitzt, als etwas bewertet, mit dem er wirken will. Theodor Fontane (1819 - 1898): Es gibt nur ein Mittel, sich wohl zu fühlen: man muss lernen, mit dem Gegebenen zufrieden zu sein und nicht immer das verlangen, was gerade fehlt. Mark Twain (1835 - 1910): Der Mensch hat den natürlichen Drang, von einer guten Sache mehr zu besitzen, als er braucht. [Lucius Annaeus] Seneca (um 4 v. Chr. - 65): Nicht, wer wenig hat, sondern wer viel wünscht, ist arm. Chinesische Weisheit: Unsere Wünsche sind wie kleine Kinder: je mehr man ihnen nachgibt, um so anspruchsvoller werden sie. Peter Bamm (1897 - 1975): Ein Wunsch kann durch nichts mehr verlieren, als dadurch, dass er in Erfüllung geht. Konrad Lorenz (1903 - 1989): Der hastende Mensch ist sicher nicht nur von Gier gelockt, die stärksten Lockungen würden ihn nicht zu so energischer Selbstbeschädigung veranlassen können, er ist getrieben, und was ihn treibt, kann nur Angst sein. Gabriel Laub (geb. 1928): Bescheiden können nur die Menschen sein, die genug Selbstbewusstsein haben. Unser Leben ist viel schwerer als das unserer Vorfahren, weil wir uns so viele Dinge anschaffen müssen, die uns das Leben erleichtern. Alles im Leben, was man mit Geld bezahlen kann, ist billig. Peter Bamm (Curt Emmrich, 1897 - 1975): Was der liebe Gott vom Gelde hält, kann man an den Leuten sehen, denen er es gibt. Jean-Jacques Rousseau (1712 - 1778): Das Geld, das man besitzt, ist das Instrument der Freiheit; George Bernard Shaw (1856 - 1950): Geld: ein Mittel, um alles zu haben bis auf einen aufrichtigen Freund, eine uneigennützige Geliebte und eine gute Gesundheit. Curt Goetz (1888 - 1960): Um Geld verachten zu können, muss man es haben. Friedrich Wolf (1888 - 1953): ... zur Verachtung des Geldes kann man nur gelangen, indem man eines besitzt: Geld. Thomas Paine (1737 - 1809): Wenn die Reichen die Armen ihrer Rechte berauben, so wird das ein Beispiel für die Armen, die Reichen ihres Eigentums zu berauben. Albert Schweitzer (1875 - 1965): Am ärmsten ist der Mensch, der keine Aufgabe hat. Wilhelm von Humboldt (1767 - 1835): Nie ist das menschliche Gemüt heiterer gestimmt, Voltaire (eigtl. Francois-Marie Arouet, 1694 - 1778): Die Arbeit hält drei große Übel fern: die Langeweile, das Laster und die Not. Mahatma Gandhi (1869 - 1948): Reich wird man erst durch Dinge, die man nicht begehrt. Eberhard Liß (geb. 1941): Ein natürliches Gewinnstreben zwecks optimaler Selbsterhaltung ist existenziell erforderlich für selbstbestimmte Autonomie. Karrieristen streben nach Rang, Besitz und Macht, wobei sie durch ihre Erfolge nicht auf Dauer glücklich werden können. Gut auszusehen ist Menschen wichtiger als Notwendiges einzusehen. Siehe auch: »
Werk und Erfolg »
Erkenntnis und Erfahrung
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