Genuss und Glück
Heinrich von Kleist (1777 - 1811): Die Begriffe von Glück sind so verschieden wie die Genüsse und Sinne, mit welchen sie genossen werden. Christa Wolf (geb. 1929): Indem wir die Gegenwart gewahr werden, ist sie schon vorüber, das Bewusstsein des Genusses liegt immer in der Erinnerung. Immanuel Kant (1724 - 1804): Alle Seelenvermögen oder Fähigkeiten können auf diese drei zurückgeführt werden: das Erkenntnisvermögen, das Gefühl der Lust und Unlust - und das Begehrungsvermögen. Arthur Schopenhauer (1788 - 1860): Es ist ein Unglück, dass der Begriff der Glückseligkeit ein so unbestimmter Begriff ist, dass , obgleich jeder Mensch zu ihr gelangen wünscht, er doch niemals bestimmt und mit sich selbst einstimmig sagen kann, was er eigentlich wünsche und wolle... Will er Reichtum, wie viele Sorgen, Neid und Nachstellung könnte er sich dadurch nicht auf den Hals ziehen! Will er viel Erkenntnis und Einsicht, vielleicht könnte das ein nur um desto schärferes Auge werden, um die Übel, die sich für ihn jetzt noch verbergen und doch nicht vermieden werden können, nur desto schrecklicher zu zeigen, oder seinen Begierden, die ihm schon genug zu schaffen machen, noch mehr Bedürfnisse aufzubürden. Will er ein langes Leben, wer steht ihm dafür, dass es nicht ein langes Elend sein würde? Will er wenigstens Gesundheit, wie oft hat noch Ungemächlichkeit des Körpers von Ausschweifung abgehalten! Kurz, er ist nicht imstande, nach irgendeinem Grundsatz mit völliger Gewissheit zu bestimmen, was ihn wahrhaft glücklich machen werde, darum, weil hierzu Allwissenheit erforderlich wäre. Man kann also nicht nach bestimmten Prinzipien handeln, um glücklich zu sein, sondern nur nach empirischen Ratschlägen, zum Beispiel der Diät, der Sparsamkeit, der Höflichkeit, der Zurückhaltung, von welchen die Erfahrung lehrt, dass sie das Wohlbefinden im Durchschnitt am meisten befördern. Dass für unser Glück und unsren Genuss das Subjektive ungleich wesentlicher, als das Objektive sei, bestätigt sich in allem: von dem an, dass Hunger der beste Koch ist und der Greis die Göttin des Jünglings gleichgültig ansieht, bis hinauf zum Leben des Genies und des Heiligen. Besonders überwiegt die Gesundheit alle äußeren Güter so sehr, dass wahrlich ein gesunder Bettler glücklicher ist, als ein kranker König. ... Denn die höchsten, die mannigfaltigsten und die anhaltendsten Genüsse sind die geistigen; wie sehr auch wir, in der Jugend, uns darüber täuschen mögen; diese aber hängen hauptsächlich von der angeborenen Kraft ab. - Hieraus also ist klar, wie sehr unser Glück abhängt von dem, was wir sind, von unserer Individualität; während man meistens nur unser Schicksal, nur das, was wir haben, oder was wir vorstellen, in Anschlag bringt. ... Für unser Lebensglück ist demnach das, was wir sind, die Persönlichkeit, durchaus das Erste und Wesentlichste; - schon weil sie beständig und unter allen Umständen wirksam ist: zudem aber ist sie nicht, wie die Güter der zwei anderen Rubriken, dem Schicksal unterworfen, und kann uns nicht entrissen werden. Ihr Wert kann insofern ein absoluter heißen, im Gegensatz des bloß relativen der beiden anderen. Das Einzige, was in dieser Hinsicht in unserer Macht steht, ist, dass wir die gegebene Persönlichkeit zum möglichsten Vorteil benutzen, demnach nur die ihr entsprechenden Bestrebungen verfolgen und uns um die Art von Ausbildung bemühen, die ihr gerade angemessen ist, jede andere aber meiden, folglich den Stand, die Beschäftigung, die Lebensweise wählen, welche zu ihr passen. ... Jedoch ist hier, zumal in der Jugend, die Klippe der Präsumtion (Anmaßung) zu vermeiden, dass man sich nicht ein Übermaß von Kräften zuschreibe, welches man nicht hat. Also was einer an sich selber hat ist zu seinem Lebensglücke das Wesentlichste. Bloß weil dieses, in der Regel, so gar wenig ist, fühlen die meisten von denen, welche über den Kampf mit der Not hinaus sind, sich im Grunde ebenso unglücklich, wie die, welche sich noch darin herumschlagen. Da unser größtes Vergnügen darin besteht, bewundert zu werden, die Bewunderer aber, selbst wo alle Ursache wäre, sich ungern dazu herablassen; so ist der Glücklichste der, welcher, gleich viel wie, es dahin gebracht hat, sich selbst aufrichtig zu bewundern. Nur müssen die anderen ihn nicht irre machen. Wer demnach nur den Ruhm verdient, auch ohne ihn zu erhalten, besitzt bei Weitem die Hauptsache, und was er entbehrt ist etwas, darüber er sich mit derselben trösten kann. Den echtesten Ruhm, den Nachruhm, vernimmt sein Gegenstand ja nie, und doch schätzt man ihn glücklich. Also bestand sein Glück in den großen Eigenschaften selbst, die ihm den Ruhm erwarben, und darin, dass er Gelegenheit fand, sie zu entwickeln, also dass ihm vergönnt wurde, zu handeln, wie es ihm angemessen war, oder zu treiben, was er mit Lust und Liebe trieb: denn nur die aus dieser entsprungenen Werke erlangen Nachruhm. Es ist eine große Torheit, um nach außen zu gewinnen, nach innen zu verlieren, d. h. für Glanz, Rang, Prunk, Titel und Ehre, seine Ruhe, Muße und Unabhängigkeit ganz oder großen Teils hinzugeben. Aristoteles sagt: Das Glück gehört denen, die sich selbst genügen. Oliver Goldsmith sagt: Nur auf uns selbst sind wir stets angewiesen, Vorzügliche und edle Menschen werden jener Erziehung des Schicksals bald inne und fügen sich bildsam und dankbar in dieselbe: sie sehen ein, dass in der Welt wohl Belehrung, aber nicht Glück zu finden sei, werden es sonach gewohnt und zufrieden, Hoffnungen gegen Einsichten zu vertauschen, und sagen endlich mit Petrarka: Kein anderes Glück empfind' ich als zu lernen. Der Tor läuft den Genüssen des Lebens nach und sieht sich betrogen: der Weise vermeidet die Übel. Wer seine Begierde zu befriedigen weiß, ist klug; wer sie zu beherrschen weiß, ist weise. Mahatma Gandhi (1869 - 1948): Unser Glück beruht darauf, dass wir tun, was wir für richtig und angemessen halten, und nicht, was andere sagen oder tun. Francois de La Rochefoucauld (1613 - 1680): Das Glück liegt in uns, nicht in den Dingen. Glücklich sind wir mit dem, was wir selbst, nicht was andere lieben. [Lucius Annaeus] Seneca (um 4 v. Chr. - 65): Niemals wird einer glücklich sein, wenn es ihn quält, dass ein anderer glücklicher ist. Ein Mensch, der nur an sich denkt und in allem seinen Vorteil sucht, kann nicht glücklich sein. Willst du für dich leben, lebe für andere. Ludwig [Andreas] Feuerbach (1804 - 1872): Je glücklicher wir einen anderen machen, umso glücklicher werden wir selbst. Dietrich Bonhoeffer (1906 - 1945): Es gibt kaum ein beglückenderes Gefühl als zu spüren, dass man für andere Menschen etwas sein kann. Georges Bernanos (1888 - 1948): Glück ist, seine Freude in der Freude des anderen finden. Charles de Montesquieu (1689 - 1755): Man will nicht nur glücklich sein, sondern glücklicher als die anderen. Und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten, als sie sind. Maurice Maeterlinck (1862 - 1949): Glücklichsein: das heisst die Ungeduld nach dem Glück hinter sich haben. Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.): Das Bewusstsein eines erfüllten Lebens und die Erinnerung an viele gute Stunden sind das größte Glück auf Erden. Hermann Hesse (1877 - 1962): Das Glück ist kein Wie, kein Was, ein Talent, kein Objekt. Arthur Schopenhauer (1788 - 1860): Im Reich der Wirklichkeit ist man nie so glücklich wie im Reich der Gedanken. Henrik Ibsen (1828 - 1906): Glück ist vor allem die ruhige, frohe Gewissheit der Unschuld. Immanuel Kant (1724 - 1804): Die Fröhlichkeit des Herzens entspringt daraus, dass man sich nichts vorzuwerfen hat. Voltaire sagte, der Himmel habe uns zum Gegengewicht gegen die vielen Mühseligkeiten des Lebens zwei Dinge gegeben: die Hoffnung Es muss in allem, was ein lebhaftes erschütterndes Lachen erregen soll, etwas Widersinniges sein. Das Lachen ist ein Affekt aus der plötzlichen Verwandlung einer gespannten Erwartung in nichts. Emile Zola (1840 - 1902): Das Lachen ist eine Macht, vor der die Größten dieser Welt sich beugen müssen. Mark Twain (1835 - 1910): Wie wenig genügt, uns glücklich zu machen, wenn wir fühlen, dass wir es verdient haben. Karl Spazier (1761 - 1805): Unsere Glückseligkeit hängt nicht vom Glauben an gewisse Lehren, sondern von zweckmäßiger Tätigkeit ab. Gottfried Benn (1886 - 1956): Dumm sein und Arbeit haben, das ist das Glück. Leo (Lew Nokolajewitsch) Tolstoi (1828 - 1910): Das Glück besteht nicht darin, dass du tun kannst, was du willst, sondern darin, dass du immer willst, was du tust. Einen ewigen Fehler machen alle jene Menschen, die sich unter Glückseligkeit die Erfüllung ihrer Wünsche vorstellen. Anton Tschechow (1860 - 1904): Das Leben stimmt nicht mit der Philosophie überein: August Strundberg (1849 - 1912): Denn das Glück ist wohl hauptsächlich Frieden, Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.): Ein glückliches Leben besteht in erster Linie aus Freiheit von Sorgen. Karl Kraus (1874 - 1936): Der Anspruch auf einen Platz an der Sonne ist bekannt. Johann Peter Hebel (1760 - 1826): Alle Gelegenheit, glücklich zu werden, hilft nichts, Ernst Ferstl (geb. 1955): Zum Glücklichsein gibt es nur einen Schlüssel: die Dankbarkeit. Stefan Zweig (1881 - 1942): Erst im Unglück weiß man wahrhaftig, wer man ist. Plutarch (etwa 46 - 120): Im Unglück ist die Erinnerung an das erlebte Gute der beste Trost. Honoré de Balzac (1799 - 1850): Die Erinnerungen verschönern das Leben, aber das Vergessen allein macht es erträglich. Sören Kierkegard (1813 - 1855): Wer nicht vergessen kann, aus dem wird nichts Gescheites. Immanuel Kant (1724 - 1804): Wenn man seinen Schmerz mit anderen möglichen vergleicht, wird er dadurch erträglicher. Marie von Ebner-Eschenbach (1830 - 1916): Sich glücklich fühlen, auch ohne Glück - das ist Glück. Jean Anouilh (1910 - 1987): Die wahren Lebenskünstler sind bereits glücklich, wenn sie nicht unglücklich sind. So lange Leben da ist, gibt es auch Glück. George Bernard Shaw (1856 - 1950): Es ist ein ungeheueres Glück, wenn man fähig ist sich freuen zu können. Theodor Fontane (1819 - 1898): So muss man leben, immer so die kleinen Freuden aufpicken, bis das große Glück kommt. - Ja, wenn es bloß kommt. Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832):
Das schönste Glück des denkenden Menschen ist, das Erforschliche erforscht zu haben und das Unerforschliche ruhig zu verehren. Erich Fromm (1900 - 1980): Glück ist kein Geschenk der Götter - es ist die Frucht einer inneren Einstellung. Maurice Barrés (1862 - 1923): Glück ist im Grunde nichts anderes als der mutige Wille zu leben, indem man die Bedingungen des Lebens annimmt. Carl Zuckmayer (1896 - 1977): Die Hälfte des Lebens ist Glück, die andere ist Disziplin - und die ist entscheidend, denn ohne Disziplin könnte man mit seinem Glück nichts anfangen. Victor Cherbuliez (1829 - 1899): Glück hat vor allem der, der gewohnt ist, auf Gelegenheiten zu achten, der über Geduld, aber auch über ruhelosen Geist verfügt, der sich klaglos über seine Bequemlichkeit oder seine Eitelkeit hinwegsetzt, wer Liebe zum Detail und Blick in die Zukunft miteinander vereinen kann und auch in schwierigen Zeiten tapfer und fröhlich bleibt. Eberhard Liß (geb. 1941): Ein glückliches Leben ist möglich durch sinnvolles Tun zwecks Selbsterhaltung und sozialer Anteilnahme. Optimistisches Denken fördert Gesundheit und Tatkraft zur Erreichung von realistischen Zielen der Glückssuche. Wer seine Bedürfnisse an Erreichbares anpassen kann, dem geht es gut. Verschonung vor Leid ist mehr Glück als ein unerwarteter Gewinn. Der Gewinn materieller Güter ermöglicht Glücksempfindungen nur kurzzeitig, weil verführerisch geweckte Wünsche zur Unzufriedenheit führen. Wer nicht dankbar für Erreichtes ist und seine Wünsche nicht unter Kontrolle hat, wird ein unzufriedener und getriebener Mensch bleiben. Das Leben glücklich meistern ohne Klagen, - das ist Lebenskunst. Wer Schönes am Leben mit Freude findet und wer Leid ohne Verzagen ertragen kann, der wird als ein 'Lebenskünstler' geachtet. Menschen müssen erst Böses erlitten oder kennen gelernt haben, um Gutes richtig erkennen und schätzen zu können. Schönes freudig erkennen und dankbar erleben, - das ist Glück. Glücklich ist, wer sich freuen kann. Wir erfahren ein beglückendes Selbstwertgefühl und neuen Lebensmut nach erfolgreicher Anstrengung oder tapferem Durchhalten, wobei eigener Humor erleichternd wirkt. Siehe auch: »
Leben und Schicksal »
Gefallen und Kunst »
Werk und Erfolg
|