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Dr.-Ing. Eberhard Liß - www.liss-kompendium.de/fraas.htm - eine Seite aus dem
LISS-KOMPENDIUM
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Mein Urgroßvater Karl Fraas - der Technik-Pionier aus Wunsiedel
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Biografische Daten
Johann Carl Fraas wurde am 14.07.1848 in Wunsiedel geboren und starb dort über neunzigjährig am 26.10.1938, hochgeehrt als ehemals verkannter Erfinder und Pionier der deutschen Technik-Geschichte.
Sein Vater Johann Philipp Fraas (geb. 20.03.1812 in Marktleuthen, gest. 26.10.1891 in Wunsiedel) war Zeugschmiedemeister und Maschinenbauer. Er besaß seit 1843 eine Waagen-, Werkzeug- und Maschinenfabrik in Wunsiedel
und heiratete am 05.06.1843 Sybilla Maria Meyer (geb. 24.11.1821, gest. 01.05.1895). Ihr erstes Kind war Karl (Johann Carl) Fraas. Dieser hatte zwei Brüder: Wilhelm (geb. 25.01.1851, wurde Schauspieler) und Christian
(geb.18.11.1853), der mit Karl im Jahr 1882 die elektrotechnische Firma Gebr. Fraas gründete (zur Herstellung von Dynamos und Motoren, auch von Beleuchtungstechnik und Telefon-Installationen).
Am 10.06.1873 heiratete Karl Fraas Rosa Hahn, die Tochter des Drechslermeisters Christian Hahn. Sie hatten drei Kinder: Fritz (geb. 14.02.1874, gest. 16.08.1942), Maria geb. 09.09.1877, gest. 04.10.1961) und
Frieda (geb. 15.03.1886, gest. 15.05.1940). Frieda Fraas heiratete am 12.04.1909 ihre Jugendliebe Georg Fexer, den sechsten Sohn des Wunsiedler Lithographen Sebastian Fexer. Georg wurde Stadtbaumeister in Eisenach.
Sie blieben dort mit ihren Kindern: Gretchen (genannt Greta, geb. 12.06.1912, Mutter von Eberhard Liß)
und Hans-Werner Fexer (geb. 24.03.1922).
Ein Erfinderschicksal
Trotz fortwährender Vorwürfe seiner Angehörigen arbeitete K. Fraas in seiner Freizeit viele Jahre lang an selbstentworfenen Konstruktionen und Apparaten, deren Brauchbarkeit er mit selbstgebauten Versuchsmodellen nachweisen konnte.
Seine frühen Erfindungen wurden von seinen Zeitgenossen belächelt und als Hirngespinste abgetan.
Mit seinem bereits 1875 gebauten Modell einer Dampfturbine war er seiner Zeit weit voraus und wurde aber nicht als Erfinder der Dampfturbine bekannt. Immer noch nennen Enzyklopädien und Lexika nur die Erfinder: Laval (1883) und Parsons (1884).
Seine erste Erfindung beruhte auf einem dicht gekapselten spiralförmigen Schaufelrad (später drei auf einer Achse), das durch Dampfdruck betrieben wurde, - über ein Dampf-Eintrittsrohr und ein -Austrittsrohr (vgl. seine Zeichnungen zu Konstruktionsvarianten). K. Fraas erprobte diese erste "Turbine" erfogreich als Antrieb einer großen Nähmaschine, deren Kraftbedarf er mit ca. 0,063 PS berechnete. Trotzdem untersagte ihm sein Vater weiterführende Arbeiten.
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Drei Jahre später erging es ihm ebenso mit seinem Phonograph, einer schon 1878 funktionstüchtigen Eigenkonstruktion (nach Ideen von Edison, 1877 veröffentlicht in der "Gartenlaube"). Diesen Apparat zur Sprachaufzeichnung und Sprachwiedergabe (einen Vorläufer des Grammophons) bezeichnete sein Vater als Spielerei, - sogar noch
drei Jahre später, nachdem diese erste deutsche Sprechmaschine auf der Landes-Industrie-Ausstellung in Nürnberg 1882 großes Aufsehen erregt hatte und bestaunt worden war.
Sein zweiter, größerer Phonograph wurde später dem Fichtelgebirgsmuseum in Wunsiedel
übergeben und gilt dort als historische Attraktion der ständigen Karl-Fraas-Ausstellung.
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K. Fraas entwickelte als elektrotechnische Neuerung einen kleinen, aber leistungsstarken Generator mit Handbetrieb, genannt Schuldynamo. Mit diesem leicht produzierbaren Gerät fand er auf der ersten deutschen Weltausstellung für Elektrotechnik in München 1882
endlich seine verdiente Anerkennung durch ein Diplom und zahlreiche Bestellungen zur Produktion von Generatoren. Nun hörte die Ablehnung seitens seiner Angehörigen auf.
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Noch 1882 gründeten die Brüder Karl und Christian die Firma Gebr. Fraas und begannen mit der Herstellung von Schuldynamos. Später produzierten sie auch größere Generatoren und Motoren. Ihre ersten Produkte konnten sie schon
1883 auf der Weltausstellung für Elektrotechnik in Wien mit großem Erfolg zeigen. Dann folgten Ausstellungen in Frankfurt 1885 und in Köln 1888. - Seit 1885 übernahm die Firma auch die Herstellung kompletter Beleuchtungsanlagen und installierte außerdem Telegraphen- und Telephoneinrichtungen im örtlichen Netz. Im Jahr 1887 waren in der Werkstatt Fraas mindestens fünf Arbeiter beschäftigt. Die Firma lieferte für die erste Internationale Elektrotechnische Ausstellung in Frankfurt 1891 einen Teil der dort benötigten Beleuchtungstechnik.
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Nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1891 übernahmen die Brüder Karl und Christian Fraas auch die landwirtschaftliche Maschinenfabrik des Vaters in Wunsiedel. - 1895 produzierten sie den 500sten Schuldynamo. So konnten sie 1896/1897 eine neue
ektrotechnische Fabrik im Westen der Stadt erbauen lassen. Eine ganz umfangreiche Ausstellung zeigten sie in München 1898 und erhielten auf der landwirtschaftlichen Ausstellung in Hof 1899 den ersten Preis für einen der besten Elektromotoren. Der Waren- und Preiskatalog
der Firma Gebr. Fraas von 1901 (im Museum) enthält ein großes Sortiment an Generatoren (bis 162,5 kW), Motoren und anderen Apparaten. - Aber Karl Fraas ließ sich seine Ideen nicht patentieren, aufgrund zu hoher Kosten, wie er in seinen Aufzeichnungen (im Museum)
schrieb.
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Der Konkurrenzdruck für mittelständige Betriebe wurde im Krisenjahr 1901 für elektrotechnische Firmen zu groß, so daß auch die Brüder Fraas ihre Firma aufgeben mußten. Daraufhin ging K. Fraas zurück ins Stammhaus in der Theresienstraße,
wo inzwischen sein Sohn Fritz ein Geschäft für Eisen-, Stahl- und Metallwaren sowie landwirtschaftliche Maschinen führte. Dort entwickelte K. Fraas weitere technische Verbesserungen, z. B. baute er eine kräftesparende Antriebsvorrichtung "Balance-Rollenzug" (Draisine).
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Eine besondere Tragik erlebte K. Fraas mit seiner Erfindung der verbesserten Kino-Lichtbogenlampe. Er war mit den ersten Kino-Lichtquellen vertraut. Bei der ersten Vorführung eines Kurzfilms zu Ostern 1889 am Marktplatz in Wunsiedel half er dem Wanderkinobesitzer
Peter Lindner beim Probe-Einsatz eines Drummondschen Kalklichts (gen. Siderallicht, d. h. Knallgasflamme auf Kalkstein). Die Lichtausbeute der damals bekannten Bogenlampe betrug nur ca. 60 %, zu gering für die Projektion von schnell wechselnden Film-Bildern. Deshalb erfand K. Fraas
eine Kino-Bogenlampe (im Museum), mit der er eine Lichtausnutzung von 95 % durch eine Horizontalstellung der Anode (positive Kohle) erzielte. Das war im April 1901, gerade als er mit dem Konkurs seiner Firma belastet war.
Weitere Messungen an der Kinolampe blieben aus und ein Patent konnte aus Kostengründen nicht angemeldet werden.
Im Jahr 1902 wollte P. Lindner sein Wanderkino auf elektrisches Licht umstellen und fragte K. Fraas um Rat. Leichtgläubig gab dieser seine fertige Kinolampe leihweise zum Ausprobieren mit, weil Lindner diese von einem Klempner in den zu niedrigen Kino-Projektorkasten
einbauen lassen wollte. - Lindner hatte mit seiner neuen Projektionstechnik großen geschäflichen Erfolg in ganz Bayern. K. Fraas erhielt aber keine Entschädigung für
seine übergebene Erfindung. Später konnte Karl Fraas den Siegeszug der Kino-Bogenlampe mit horizontaler Anode (und zusätzlichem Reflektor) in Kinopalästen miterleben.
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Beeindruckt durch den Absturz des Grafen Zeppelin bei Echterdingen im Jahr 1907 und das Zeppelin-Unglück im Teutoburger Wald, das auf Benzinmangel zurückzuführen war, wendete sich K. Fraas der Verbesserung erster Konstruktionen des Flugwesens zu. Er entwickelte
nun einige Verbesserungsvorschläge an die Zeppelinwerke, die auch realisiert worden sind, z. B. den Einbau einer Batterie anstelle von Ballast und die Einführung eines starren Propellerantriebs über Stangen und Schraubengetriebe.
Seit 1908 konstruierte er Flugzeuge nach eigenen Ideen (vgl. Modell und Zeichnungen im Museum). Ausgehend vom Vogelflug bestand er auf den drei folgenden Grundsätzen für die Luftfahrt (aus seinen Aufzeichnungen):
1. Der Schwerpunkt der Maschine sollte unterhalb der Tragflächen (möglichst in der Mitte) sein, d. h. keine Kopflastigkeit, sondern Überdeckertragflächen. 2. Zwei Propeller (Antriebe) sollten rechts und links an der Tragfläche zwecks Schwankungsausgleichs angebracht
werden. 3. Der Schwanz (Leitwerk) des Flugzeugs sollte möglichst kurz sein. -
K. Fraas war stets ein Verfechter des Heckantriebs (Hauptpropeller hinten und Höhensteuer vorn) und entwarf seine Flugzeuge auch für den Einsatz auf Land und Wasser. Für den Piloten hatte er
eine gebogene Windschutzscheibe aus Celluloid vorgesehen.
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Im Jahr 1915 (oder 1916) übergab K. Fraas einem verwundeten Soldaten namens Kais (einem Ingenieur und Schriftsteller aus Düsseldorf), der starkes Interesse an Flugtechnik zeigte, leihweise eine Unterlage mit Handzeichnungen und Beschreibungen seiner neuesten
Konstruktionen, die er aber nicht mehr wiederbekam. Was Kais damit gemacht hat, ist unbekannt.
Im Juni 1928 korrespondierte K. Fraas brieflich mit Prof. Hugo Junkers in Dessau, - vermittelt von dem damaligen Leiter des Fichtelgebirgsmuseums, der ihn auch aufforderte, seine Konstruktionen und Ideen in einer erklärenden Schrift für das Museum zusammenzufassen. - Prof.
Junkers zeigte anerkennende Stellungnahme zu seinem Entwurf eines senkrechtstartenden Kleinflugzeugs, das Junkers "Kleines Sport-Schrauben-Reformflugzeug" nannte. Für die erhaltene Konstruktionsbeschreibung dieses ersten 'Hubschraubers' ließ Junkers eine Summe von 100 Reichsmark dem Erfinder zukommen. Daraufhin übergab K. Fraas in gutem Glauben eine Mappe mit Zeichnungen und Erklärungen zu seinen bis dahin angefertigten Konstruktionen an Junkers (ohne Reaktion!).
Danach (er schrieb: ab Dezember 1928) erlebte K. Fraas meist durch Zeitungsberichte (z. B. in der Hackebeil-Illustrierten) die Bestätigung seiner frühen flugtechnischen Ideen und Erkenntnisse. Diese Innovationen sah er vor allem an neuen Flugzeugkonstruktionen aus den Junkerswerken,
die seine Anerkennung fanden. - »
Technikmuseum "Hugo Junkers" Dessau
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Der 82jährige Pionier der Luftfahrt wurde am 28.10.1930 von der Akademischen Fliegerschaft "Boelcke" zu Heidelberg mit dem Burschenband und Titel E. A. H. (Ehren-Alter-Herr) geehrt und in ihren Verband aufgenommen, ebenso zwei Jahre später von der Akademischen
Fliegerschaft "lkarus" zu Breslau. Anläßlich seines 90. Geburtstags in Wunsiedel wurde er auch staatlicherseits als "deutscher Edison" geehrt.
Im Fichtelgebirgsmuseum Wunsiedel ist unter Regionalgeschichte (Industrialisierung im 19. Jahrhundert) eine ständige Ausstellung zum Wirken von Karl Fraas in einem Extraraum zu finden (Foto s. u.). Exponate sind Geräte, Modelle, Zeichnungen und Abbildungen seiner Erfindungen,
Konstruktionen und Entwürfe. Im Archiv des Museums liegen Schriften von K. Fraas und einige Zeit-Dokumente seiner späten Ehrung. - »
Fichtelgebirgsmuseum Wunsiedel
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Hinweis: Das Deutsche Museum in München zeigt in einer ständigen Ausstellung Exponate zur Geschichte der Starkstromtechnik, z. B. erste Generatoren (Dynamos, von Siemens seit 1866) und Induktionsmotoren (seit 1889), - siehe: »
Entwicklung der Starkstromtechnik
Obige Datenzusammenstellung aus Archivdokumenten wurde erarbeitet von Eberhard Liß, einem Urenkel von Karl Fraas und Sebastian Fexer, - mit freundl. Unterstützung des Fichtelgebirgsmuseums, Dr. Plitek.
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