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LEBENSKUNST
- Aphorismen und Zitate

Erlesene Weisheiten und Ansichten - ausgewählt von Eberhard Liß

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Zum Geleit


Hochwertige Aphorismen für "zeitlose" Weisheiten sind
lebensfördernde Fruchtkerne vom Baum der Erkenntnis.

Eberhard Liß (geb. 1941)


Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!

Immanuel Kant (Was ist Aufklärung?, 1783)


Gründlich prüfen müssen wir zuerst uns selbst,
dann die Aufgabe, die wir übernehmen, und dann
die Menschen, derentwegen oder mit denen wir das tun.

Lucius Annaeus Seneca (4 v. Chr. - 65 n. Chr.)


Bei der Kunst des Lebens ist der Mensch sowohl der Künstler
als auch der Gegenstand seiner Kunst.
Er ist der Bildhauer und der Stein, der Arzt und der Patient.

Erich Fromm (1900 - 1980)


Es kommt nicht darauf an, was einer mitbringt,
sondern darauf, was er daraus macht.

Alfred Adler (1870 - 1937)


Die Tatsache, dass die Persönlichkeit sich sehr früh ausbildet,
legt nicht automatisch fest, wie die Lernfähigkeit im späteren
Erwachsenendasein und insbesondere im höheren Alter aussieht.

Gerhard Roth (Fühlen, Denken, Handeln, Suhrkamp 2001, S.457)


Wir bezahlen neue Erfahrungen so teuer, - weil wir die alten
nicht verwerten.

Gabriel Laub (1928 - 1998)


Verloren wäre die Zeit, in der wir nicht als Mensch gelebt,
Erfahrungen gemacht, gelernt, geschaffen, genossen und
gelitten hätten.

Dietrich Bonhoeffer (1906 - 1945)








Nimm dir Zeit


      Nimm dir Zeit zu arbeiten,
      das ist der Preis des Erfolgs.

      Nimm dir Zeit zu denken,
      das ist die Quelle der Kraft.

      Nimm dir Zeit zu spielen,
      das ist das Geheimnis der Jugend.

      Nimm dir Zeit zu lesen,
      das ist die Grundlage der Weisheit.

      Nimm dir Zeit freundlich zu sein,
      das ist der Weg zum Glück.

      Nimm dir Zeit zu träumen,
      das ist der Weg zu den Sternen.

      Nimm dir Zeit zu lieben und geliebt zu werden,
      das ist die wahre Lebensfreude.

      Nimm dir Zeit dich umzusehen,
      der Tag ist zu kurz, um selbstsüchtig zu sein.

      Nimm dir Zeit zu lachen,
      das ist die Musik der Seele.

Irische Weisheit








Lebensweisheiten


Ist das Leben lebenswert? Das ist eine Frage für einen Embryo, nicht für einen Erwachsenen.

Samuel Butler (1835 - 1902)


Dem Leide aus dem Wege gehen zu wollen heißt, sich einem wesentlichen Teil des menschlichen Lebens zu entziehen.

Konrad Lorenz (1903 - 1989)


Unser Glück beruht darauf, dass wir tun, was wir für richtig und angemessen halten, und nicht, was andere sagen oder tun.

Mahatma Gandhi (1869 - 1948)


Nicht in der Erkenntnis liegt unser Glück, sondern im Erwerben der Erkenntnis.

Edgar Allen Poe (1809 - 1849)


Lernen ist wie rudern gegen den Strom, sobald man damit aufhört, treibt man zurück.

Laotse (Laozi, um 300 v. Chr.)


Es gibt kaum ein beglückenderes Gefühl als zu spüren, dass man für andere Menschen etwas sein kann.

Dietrich Bonhoeffer (1906 - 1945)


Das Bewusstsein eines erfüllten Lebens und die Erinnerung an viele gute Stunden sind das große Glück auf Erden.

Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)


Wer die Augen offen hält,
dem wird im Leben manches glücken.
Doch noch besser geht es dem,
der versteht, eins zuzudrücken.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)


Der Himmel hat dem Menschen als Gegengewicht zu den vielen Mühseligkeiten des Lebens drei Dinge gegeben: die Hoffnung, den Schlaf und das Lachen.

Immanuel Kant (1724 - 1804)

Humor rückt den Augenblick an die richtige Stelle. Er lehrt uns die wahre Größenordnung und die gültige Perspektive. Er macht die Erde zu einem kleinen Stern, die Weltgeschichte zu einem Atemzug und uns selber bescheiden.

Erich Kästner (1899 - 1974)








Wille und Tat


    Die wichtigste Charaktereigenschaft ist Energie.

    Der Wille bestimmt das Schicksal des Menschen,
    nicht das Wissen.

    Der Wille versetzt die Berge, nicht der Glaube.

    Wollen ist Können, Mut, Geduld, Beharrlichkeit.

    Alles Schwere, alles Neue muss man allein tun.

Rudolf Diesel (1858 - 1913)



    Nicht der Wille allein, sondern Wille und Tat
    machen erst die Arbeit vollkommen.

    Eines Andern sei nicht, wer sein Eigener sein kann.

Paracelsus (1493 - 1541)







Selbstbeobachtung


        Achte auf deine Gedanken,
        denn sie werden Worte.

        Achte auf deine Worte,
        denn sie werden Handlungen.

        Achte auf deine Handlungen,
        denn sie werden Gewohnheiten.

        Achte auf deine Gewohnheiten,
        denn sie werden dein Charakter.

        Achte auf deinen Charakter,
        denn er wird dein Schicksal.

aus dem Talmud





Selbstkritisches Lernen


Ein höheres Tier kann einen »Charakter« haben: Es kann auch das haben, was wir Tugenden oder Laster nennen. Ein Hund kann tapfer sein, freundlich und treu; oder er kann böse und tückisch sein. Aber ich glaube, nur ein Mensch kann sich darum bemühen, ein besserer Mensch zu werden: seine Ängste, seine Trägheit, seine Sebstsüchtigkeit und seinen Mangel an Selbstkontrolle zu überwinden.

Karl R. Popper (1902-1994) - [aus: Das Ich und sein Gehirn, Piper 1989, S. 184]


Durch das Bemühen, die Arbeit, die wir geleistet haben, objektiv - das heißt kritisch - zu sehen und sie besser zu machen, und ferner durch die Wechselwirkung zwischen uns, unseren Handlungen und deren objektiven Resultaten, unseren Werken, können wir über unsere Anlagen und über uns selbst hinauswachsen.

[K. R. Popper, Ausgangspunkte, intellektuelle Entwicklung, Piper 2004, S. 287]





Sich selbst kennen und besiegen

Laotse (Laozi, um 300 v. Chr.) schrieb:

         Wer andere kennt, ist klug.
         Wer sich selber kennt, ist weise.
         Wer andere besiegt, hat Kraft.
         Wer sich selber besiegt, ist stark.
         Wer sich durchsetzt, hat Willen.
         Wer sich genügen lässt, ist reich.

[Laotse, Tao te king, Kleine Bibliothek der Weltweisheit,
Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 2005]




Wahrhaftiger Charakter 


Wahrhaftigkeit im Inneren des Geständnisses vor sich selbst und zugleich im Betragen gegen jeden anderen, sich zur obersten Maxime gemacht, ist der einzige Beweis des Bewusstseins eines Menschen, dass er einen Charakter hat.

Aufrichtigkeit muss man von jedem Menschen fordern können. Wahrhaftigkeit ist der Grundzug und das wesentlichste eines Charakters. Ein Mensch, der lügt, hat keinen Charakter.

Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält; aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaft sein.

Dass das, was jemand sich selbst oder einem anderen sagt, wahr sei: dafür kann er nicht jederzeit stehen - dafür aber kann und muss er stehen, dass sein Bekenntnis oder Geständnis wahrhaft sei: denn dessen ist er sich unmittelbar bewusst.

Die Lüge ist der eigentliche faule Fleck in der menschlichen Natur.


Immanuel Kant (1724 - 1804) 




Aufrichtigkeit 


Ich halte es mit Kant, der meinte, dass wir krumme Hölzer sind, aus denen nie etwas ganz Gerades gemacht werden kann. Wir sind gewarnt vor jeder Selbstüberhöhung und Selbstüberanstrengung. Aber der aufrechte Gang, das aufrichtige und aufrichtende Wort gehören zu unseren menschlichen Möglichkeiten und gehörten zu unserer Menschwerdung.


Friedrich Schorlemmer (geb. 1944) - [aus: Absturz in die Freiheit - Was uns die Demokratie abverlangt, S. 254, Aufbau Taschenbuch Verlag GmbH, Berlin 2000]





Nicht alles  


Sage nicht alles, was du weißt,

tue nicht alles, was du kannst,

glaube nicht alles, was du hörst, und

verbrauche nicht alles, was du hast!


Arabischer Rat 






Was ist Glück?  


Selig ist der Mensch, der mit sich in Frieden lebt. Es gibt auf Erden kein größeres Glück.

Gautama Buddha (um 560 - um 480 v. Chr.):


Das Glück besteht nicht darin, dass du tun kannst, was du willst, sondern darin, dass du immer willst, was du tust.

Einen ewigen Fehler machen alle jene Menschen, die sich unter Glückseligkeit die Erfüllung ihrer Wünsche vorstellen.

Leo N. Tolstoi (1828 - 1910)


Glück ist im Grunde nichts anderes als der mutige Wille zu leben, indem man die Bedingungen des Lebens annimmt.

Maurice Barrés (1862 - 1923)


Glücklich wird der Mensch durch die Bestätigung seiner eigenen Kräfte, wenn er sich selbst aktiv in der Welt erlebt. Es lässt sich zeigen, dass das Glück für den Menschen in der Liebe zum Leben liegt.

Erich Fromm (1900 - 1980)


Unsere Glückseligkeit hängt nicht vom Glauben an gewisse Lehren, sondern von zweckmäßiger Tätigkeit ab.

Karl Spazier (1761 - 1805)


Glück ist, seine Freude in der Freude des anderen finden.

Georges Bernanos (1888 - 1948)


Man will nicht nur glücklich sein, sondern glücklicher als die anderen. Und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten, als sie sind.

Charles de Montesquieu (1689 - 1755)


Die wahren Lebenskünstler sind bereits glücklich, wenn sie nicht unglücklich sind.

Jean Anouilh (1910 - 1987)


Es ist ein ungeheueres Glück, wenn man fähig ist sich freuen zu können.

George Bernard Shaw (1856 - 1950)


Wer freudig tut und sich des Getanen freut, ist glücklich.

Jeder hat sein eigen Glück unter den Händen, wie der Künstler eine rohe Materie, die er zu einer Gestalt umbilden will. Aber es ist mit dieser Kunst wie mit allen; nur die Fähigkeit wird uns angeboren, sie will gelernt und sorgfältig ausgeübt sein.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832) 


Glück ist gar nicht mal so selten,
Glück wird überall beschert,
vieles kann als Glück uns gelten,
was das Leben uns so lehrt.

Glück ist bunte Blumenpracht,
Glück sind Tage ohne Sorgen,
Glück ist, wenn man fröhlich lacht.

Glück ist eine stille Stunde,
Glück ist auch ein gutes Buch,
Glück ist Spaß in froher Runde,
Glück ist freundlicher Besuch.

Glück ist niemals ortsgebunden,
Glück kennt keine Jahreszeit,
Glück hat immer der gefunden,
der sich seines Lebens freut.

Clemens Brentano (1788 - 1842)  

Schönes freudig erkennen und dankbar erleben, - das ist Glück.

Glücklich ist, wer sich freuen kann.

Ein glückliches Leben ist möglich durch sinnvolles Tun zwecks Selbsterhaltung und sozialer Anteilnahme.

         Eberhard Liß (geb. 1941)

Siehe auch: » Lebensweisheiten zu 'Genuss und Glück' im LISS-KOMPENDIUM






Gelassenheit, Mut und Weisheit 


Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, -

gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, -

und gib mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.


Amerikan. Pilgergebet, das Friedrich Christoph Oetinger (1702 - 1782)
zugeschrieben worden ist






Lebenserfahrung für Geduld mit Humor


Es ist leicht, das Leben schwer zu nehmen.
Und es ist schwer, das Leben leicht zu nehmen.

Erich Kästner (1899 - 1974)



Gegen die Infamitäten des Lebens sind die besten Waffen: Tapferkeit, Eigensinn und Geduld.
Die Tapferkeit stärkt, der Eigensinn macht Spaß, und die Geduld gibt Ruhe.

Hermann Hesse (1877 - 1962)



Es gibt nur ein Mittel, sich wohl zu fühlen: man muss lernen, mit dem Gegebenen zufrieden zu sein und nicht immer das verlangen, was gerade fehlt.

Theodor Fontane (1819 - 1898)



Geduld ist die Schwester der Hoffnung und die Mutter der Gelassenheit.

Schwedisch



Die Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewusstseins.

Wer Geduld sagt, sagt Mut, Ausdauer, Kraft.

Marie von Ebner-Eschenbach (1830 - 1916)



Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden.

Die Geduld nicht verlieren, auch wenn es unmöglich scheint, das ist Geduld.

Japanisch



Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst findet,
ist es umsonst, sie anderswo zu suchen.

Hoffnung und Furcht sind unzertrennlich, denn es gibt
keine Furcht ohne Hoffnung und keine Hoffnung ohne Furcht.

La Rochefoucauld (1613 - 1680)



Es ist gesünder, nichts zu hoffen und das Mögliche zu schaffen, als zu schwärmen und nichts zu tun.

Gottfried Keller (1819 - 1890)



Du wirst aufhören zu fürchten, wenn du aufhörst zu hoffen.

[Lucius Annaeus] Seneca (4 v. Chr. - 65)



Die Verzweiflung ist der größte unserer Irrtümer.

[Luc de Clapiers] Vauvenargues (1715 - 1747)



Der große Trost der Geschichte war von jeher, dass die Natur durch allen verlebten Schutt hindurch immer neue Kräfte emporschiebt.

Franz Marc (1880 - 1916)



Unsere gefühlsmäßige Hochwertung des Guten und Anständigen ist mit erdrückender Wahrscheinlichkeit der einzige Faktor, der heute noch gegen Ausfallerscheinungen sozialen Verhaltens eine einigermaßen wirksame Selektion treibt.

Konrad Lorenz (1903 - 1989)



Wie ohnmächtig auch die guten und gerechten Menschen sein mögen, sie allein machen das Leben lebenswert.

Albert Einstein (1879 - 1955)



Wer sich vornimmt, Gutes zu wirken, darf nicht erwarten, dass die Menschen ihm deswegen Steine aus dem Wege räumen, sondern muss auf das Schicksalhafte gefasst sein, dass sie ihm welche darauf rollen. Nur die Kraft, die in dem Erleben dieser Widerstände innerlich lauterer und stärker wird, kann sie überwinden. Die, die sich einfach dagegen auflehnt, verbraucht sich darin.

Albert Schweitzer (1875 - 1965)



Wer überwindet, der gewinnt.

Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.

Glücklich wenn die Tage fließen, wechselnd zwischen Freud und Leid, zwischen Schaffen und Genießen, zwischen Welt und Einsamkeit.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)



Sieh, das ist Lebenskunst: Vom schweren Wahn des Lebens sich befrein, fein hinzulächeln übers große Muss.

Christian Morgenstern (1871 - 1914)



Wer alles mit Humor verbindt, am besten durch das Leben findt.

Wilhelm Busch (1832 - 1908)



Der Humor nimmt die Welt hin, wie sie ist, sucht sie nicht zu bessern und zu bekehren, sondern sie mit Weisheit zu ertragen, da sie doch nur eine närrische Welt ist und bleiben wird.

Charles Dickens (1812 - 1870)



Humor ist nicht erlernbar. Neben Geist und Witz setzt er vor allem ein großes Maß von Herzensgüte voraus; von Geduld, Nachsicht und Menschenliebe. Deshalb ist er so selten.

Curt Goetz (1888 - 1960)







Gelassenheit und Humor 


Wer die vielen Übel erkennt, die er nicht bekämpfen kann, der muss sich mit konstruktiver Gelassenheit vor Ärger und Depression schützen, um sein Tagwerk erfolgreich erledigen zu können.

Ein sensibler "ängstlicher" Mensch vermeidet emotionale Depressionen durch eine "schützende" Selbstbeschränkung seines Mitgefühls auf die ihm Nahestehenden.
Er unterdrückt politisch-soziale Reflexionen und zeigt Ablehnung gegenüber vorausschauenden Problemdiskussionen, die ihm seine Macht- und Ratlosigkeit gewahr werden lassen.

Wegen geringer Hoffnung auf Besserung der sozialen Verhältnisse, insbesondere hinsichtlich Gefahren und Unrecht, sind sensible Menschen gefährdet durch Depression, Verzweiflung oder Wut.

Wer eine Verbesserung anstrebt und deshalb kritisiert, kann nur durch große Eigenleistung Anerkennung finden.

Die Trägheit der Gleichgültigen oder Ängstlichen ist ein großes Hindernis für den Tatendrang des Tüchtigen.

Lähmende Gleichgültigkeit verhindert nötige Vorsicht, Rücksicht und auch Voraussicht; sie resultiert aus einer Abstumpfung gegenüber dem Unerfreulichen und der allgemeinen Reizüberflutung durch die Medien.

Nihilistische Kritik an der Welt wirkt auf Menschen lebensfeindlich und ist deshalb destruktiv. - Zur Überwindung von Resignation dient konstruktive Kritik, die Wege zur Selbsthilfe aufzeigt.

Optimistisches Denken fördert Gesundheit und Tatkraft zur Erreichung von realistischen Zielen der Glückssuche.

Ein glückliches Leben ist möglich durch sinnvolles Tun zwecks Selbsterhaltung und sozialer Anteilnahme.

Je älter man wird, um so mehr muss man beim Durchhalten aushalten.

Der Klügere kann nur dann nachgeben, wenn er dadurch keinen zu großen Schaden erleiden wird, der gemäß seiner ethischen Haltung noch zu akzeptieren ist.

Gelassen die Ruhe bewahren trotz Störung gelingt mit Toleranz.

Gelassenheit im Alter kann man erlernen, um belastenden Ärger oder verunsichernde Angst abzuwehren.

Mit dem Alter verfestigen sich eigene Ansichten zu Überzeugungen für stereotype Urteile, auch für Begründungen von Desinteresse und Resignation.

Wer trotz alledem nur lächeln kann und die Ruhe bewahrt, ist ein Weiser mit Humor.

Wer Absurdes nicht zu ernst nimmt und darüber lachen kann, hat Humor und versteht Spaß.

Wer über sich selbst lachen kann, hat selbstkritischen Humor.

Humorvolles Lachen macht den Ernst des Lebens erträglicher.

Echte Lebenshilfen sind Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Humor, -
wohl dem, der dazu fähig ist.


Eberhard Liß (geb. 1941)





Realistische Lebensauffassung 

Aphorismen von Marie v. Ebner-Eschenbach (1830 - 1916)


Nur der Denkende erlebt sein Leben, am Gedankenlosen zieht es vorbei.

Ein Urteil lässt sich widerlegen, aber niemals ein Vorurteil.

Der Gescheitere gibt nach! Eine traurige Wahrheit; sie begründet die Weltherrschaft der Dummheit.

Das Recht des Stärkeren ist das stärkste Unrecht.

Wer an die Freiheit des menschlichen Willens glaubt, hat nie geliebt und nie gehasst.

So weit deine Selbstbeherrschung geht, so weit geht deine Freiheit.

Jede üble Laune geht aus dem Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit hervor.

Am bittersten bereuen wir die Fehler, die wir am leich-testen vermieden hätten.

Die Genusssucht frisst alles, am liebsten aber das Glück.

Wo die Eitelkeit anfängt, hört der Verstand auf.

Der Spott endet, wo das Verständnis beginnt.

Ohne Phantasie keine Güte, keine Weisheit.

Fähigkeit ruhiger Erwägung - Anfang aller Weisheit, Quell aller Güte!

Alles Wissen geht aus einem Zweifel hervor und endigt in einem Glauben.

An das Gute glauben nur die wenigen, die es üben.

Treue üben ist Tugend, Treue erfahren ist Glück.

Einen Menschen kennen heißt ihn lieben oder ihn bedauern.

Der Wohlwollende fürchtet Missgunst nicht.

Liebe ist Qual, Lieblosigkeit ist Tod.

Wir müssen immer lernen, zuletzt auch noch sterben lernen.

Man bleibt jung, solange man noch lernen, neue Gewohnheiten annehmen und Widerspruch ertragen kann.

Wenn man das Dasein als eine Aufgabe betrachtet, dann vermag man es immer zu ertragen.

Die kleinen Miseren des Lebens helfen uns manchmal über sein großes Elend hinweg.

Im Grunde ist jedes Unglück gerade nur so schwer, wie man es nimmt.

Heitere Resignation - es gibt nichts Schöneres.





Kunst des Lebens   


Leicht zu leben, ohne Leichtsinn,

heiter zu sein, ohne Ausgelassenheit,

Mut zu haben, ohne Übermut.


Theodor Fontane (1819 - 1898)  





Das rechte Maß   


Die älteste Regel der Lebenskunst,
das rechte Maß zu beachten,

heißt nicht nur, es nicht zu überschreiten,
sondern auch, es zu erfüllen.

Zuvor aber müßte es gefunden werden.


Gerhard Branster (geb. 1927)  





Genießen mit Vernunft  


Genieße mäßig Füll' und Segen!

Vernunft sei überall zugegen,

Wo Leben sich des Lebens freut.

Dann ist Vergangenheit beständig,

Das Künftige voraus lebendig,

Der Augenblick ist Ewigkeit.


Johann Wolfgang von Goethe  




Aphorismen zur Lebenskunst 


Die Kunst des Lebens besteht darin, die Höhen unseres Denkens mit den Tiefen unserer Gefühle in Einklang zu bringen.

Wer kein Spaß am Leben findet, verliert die Freude am Dasein.

Wir müssen oft neu anfangen, aber nur selten von vorne.

Die schwierigste Aufgabe, die jeder Mensch zu bewältigen hat, ist die, nie aufzugeben.

Den Weg zur Gelassenheit finden nur die Selbstbewussten.

Wer weiß, wo seine Stärken liegen, kann leichter zu seinen Schwächen stehen.

Manchmal muss man sich selbst in die Quere kommen, um auf dem richtigen Weg zu bleiben.

Der Sinn des Lebens: Immer das Leben und die Liebe im Sinn haben.

Wer im Licht der Liebe leben will, muss über den eigenen Schatten springen können.

Merksatz: Geben und Teilen bereichert.

Der Weg zur Zufriedenheit führt mitten durch die Dankbarkeit.

Wer die Übersicht haben will, muss übersehen können.

Wir können nicht alle Probleme unseres Lebens lösen, aber wir könnten uns von einigen lösen.

Die Kunst eines erfüllten Lebens ist die Kunst des Lassens:
Zulassen - Weglassen - Loslassen.

Die Zeit, die wir uns nehmen, ist Zeit, die uns etwas gibt.

Die Vergangenheit sollte nie so viel Platz in unserem Leben einnehmen, dass sie die Gegenwart in den Schatten stellt.

Wer sich über das freut, was er hat, hat keine Zeit mehr, über das zu klagen, was er nicht hat.

Erfolg ist ein Geschenk - eingepackt in harte Arbeit.

Wenn wir den Sinn des Lebens suchen, finden wir im Idealfall unseren eigenen Weg.

Wer immer nur spurt, hinterlässt keine Spuren.


Ernst Ferstl (geb. 1955) - » www.gedanken.at - Aphorismen und Gedichte



Lebenskunst - Einsicht gewinnen 


Die bewusste Selbstverwirklichung ist eine Lebenskunst. Sie gleicht einer gefährlichen Gratwanderung zwischen faulen Kompromissen und kämpferischer Selbstaufopferung.

Lebenskunst erfordert das Finden und Einhalten des rechten Maßes für eigenwillige Bestrebungen.

Wer Schönes am Leben mit Freude findet und wer Leid ohne Verzagen ertragen kann, der wird als ein 'Lebenskünstler' geachtet.

Das Leben glücklich meistern ohne Klagen, - das ist Lebenskunst.

Dem lernenden Lebenskünstler mit Selbstvertrauen gelingen optimale Entscheidungen zum Selbsterhalt, besonders durch Selbsthilfe und Selbstvorsorge.

Hohe Lebenskunst wird bestimmt als Lebensweisheit aufgrund von Erfahrungen und Erkenntnissen für rationale Einsicht beim Denken und Gestalten.

Lebenskünstler pendeln erfolgreich zwischen riskantem Austesten eigener Grenzen und sicherheitsorientierter Selbsteinschränkung.

Wer mit eigenen Ideen etwas Neues schafft, - auch wenn sich keiner dafür interessiert, keiner etwas dafür bezahlt und keiner ihn lobt, - der ist ein 'kreativer' Künstler oder ein Erfinder, der auf seine Anerkennung lange warten kann.

Kreativ denken bedeutet, mit neuer Einsicht in Wesentliches innovative Problemlösungen finden.

Immer wieder Neues versuchen und sich dabei irren dürfen ist der Weg zum Lernen - auch aus schlechten Erfahrungen.

Lernen durch Einsicht führt zur Theorie. - Erst Lernen aus eigener Erfahrung wird zur Praxis einer Verhaltensänderung.

Wer theoretische Einsicht in reale Zusammenhänge gewinnen will, muss seine Hypothesen praktisch überprüfen und durch Korrektur verbessern können.

Ein Weitsichtiger mit guter Voraussicht hat bessere Einsicht als viele Kurzsichtige mit der besten Absicht.

Andere Menschen können uns meist nur näherungsweise verstehen, weil sie unsere Äußerungen mit Hilfe ihres eigenen Wissens interpretieren und bewerten, wobei ihre subjektiven Deutungen beeinflusst werden von ihren individuellen Auffassungen, Einstellungen und Emotionen, meist ohne Kenntnis unserer Vorstellungen und Absichten.

Unsere Orientierung müssen wir stets überprüfen und auch korrigieren zwecks vernünftiger Umorientierung durch Lernen aus Fehlern.

Die spürbare Ohnmacht unserer Vernunft gegenüber Unverstand und Überschätzung darf uns nicht entmutigen, immer wieder aus unseren Erfahrungen und Fehlern zu lernen. - Nur beim Selbstlernen verbessern wir die Ausbildung unseres unvollkommenen Steinzeitgehirns.


  Eberhard Liß (geb. 1941)




Kluges Handeln


      Der Mensch hat dreierlei Wege, klug zu handeln:
      erstens durch Nachdenken, das ist der edelste,
      zweitens durch Nachahmen, das ist der leichteste,
      und drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste.

Konfuzius (Kong-Fu-zi, 551 - 479 v. Chr.)



Wahrheit und Glauben 


Es gibt keine Größe, wo nicht Schlichtheit, Güte und Wahrheit sind.

Leo Tolstoi (1820 - 1910)


Nicht das, was wir nicht wissen, bringt uns zu Fall, sondern das, was wir fälschlicherweise zu wissen glauben.

Mark Twain (1835 - 1910)


Furcht ist die Hauptursache für den Aberglauben und eine der Hauptursachen
für Grausamkeit. Die eigene Furcht zu besiegen, ist der Beginn der Weisheit.

Bertrand Russell (1872 - 1970)


Wir müssen unbedingt Raum für Zweifel lassen, sonst gibt es keinen Fortschritt, kein Dazulernen. Man kann nichts Neues herausfinden, wenn man nicht vorher eine Frage stellt. Und um zu fragen, bedarf es des Zweifelns. Die Leute suchen immer nach Gewissheit. Es gibt aber keine Gewissheit. Und sie haben schreckliche Angst - wie kann man leben und nicht wissen? Das ist gar nicht so schwer. Tatsache ist, Sie glauben lediglich, etwas zu wissen. Und die meisten Ihrer Handlungen gründen auf unvollständigem Wissen - in Wirklichkeit wissen Sie nicht, was das alles soll, kennen Sie den Sinn und Zweck der Welt nicht.

Aussage von Richard P. Feynman (1918 - 1988), 1965 Nobelpreis für Physik
[Es ist so einfach - Vom Vergnügen, Dinge zu entdecken, S. 148, Piper 2003]



Gefühl und Wissen 


    Alle Dinge, die man gegen sein Gefühl und gegen sein
    inneres Wissen tut, anderen zuliebe, sind nicht gut,
    und müssen früher oder später teuer bezahlt werden.

    Hermann Hesse (9. März 1923) 



Emotionale Intelligenz 


Das Gefühlsleben ist ein Bereich, der genau wie Rechnen oder Lesen mit mehr oder weniger Können gehandhabt werden kann und der spezifische Kompetenzen erfordert. Und wie geschickt einer darin ist, entscheidet darüber, ob er Erfolg im Leben hat, während ein anderer mit gleichen intellektuellen Fähigkeiten in einer Sackgasse landet: Die emotionale Intelligenz ist eine Metafähigkeit, von der es abhängt, wie gut wir unsere sonstigen Fähigkeiten, darunter auch den reinen Intellekt, zu nutzen verstehen. ...
Vieles deutet darauf hin, dass Menschen, die in emotionaler Hinsicht geschickt sind - die ihre eigenen Gefühle kennen und sie richtig zu handhaben wissen und die Gefühle anderer durchschauen und erfolgreich mit ihnen umzugehen wissen -, in jedem Lebensbereich im Vorteil sind, seien es Liebesaffären und intime Beziehungen, sei es die Erfassung der ungeschriebenen Regeln, die man beherrschen muss, um sich in Organisationen durchsetzen zu können. Emotional geschickte Menschen werden auch eher im eigenen Leben zufrieden und erfolgreich sein und die inneren Einstellungen beherrschen, die ihrer Produktivität förderlich sind; wer nicht eine gewisse Kontrolle über sein Gefühlsleben hat, muss innere Kämpfe ausfechten, die seine Fähigkeit zu konzentrierter Arbeit und zu klarem Denken sabotieren.


Aussage von Daniel Goleman (geb. 1946) - [Emotionale Intelligenz,
S. 56/57, Deutscher Taschenbuchverlag GmbH & Co. KG, München 1999]



Liebe als aktive Kraft 


Im Gegensatz zur symbiotischen Vereinigung ist die reife Liebe eine Vereinigung, bei der die eigene Integrität und Individualität bewahrt bleibt. Liebe ist eine aktive Kraft im Menschen.

Liebe ist eine Macht, die Liebe erzeugt.

Die Liebe ist aber nicht nur ein Geben, ihr »aktiver«
Charakter zeigt sich auch darin, dass sie in allen ihren
Formen stets folgende Grundelemente enthält: Fürsorge, Verantwortungsgefühl, Achtung vor dem anderen und Erkenntnis.


Erich Fromm (1900 - 1980) - [aus: Die Kunst des Liebens]



Liebe und Mitgefühl 


Mit Freundlichkeit, mit Zuneigung, mit Ehrlichkeit, Wahrheit und Gerechtigkeit, die wir in der Begegnung mit allen anderen Menschen walten lassen, sorgen wir für unser eigenes Wohl. Das hat nichts mit komplizierten Theorien zu tun, es ist eine Sache des gesunden Menschenverstandes. Es lohnt sich also zweifellos, an andere zu denken. Und es lässt sich auch nicht abstreiten, dass unser Glück unauflöslich mit dem Glück anderer zusammenhängt, dass wir selbst leiden, wenn die Gemeinschaft leidet, und dass es uns umso schlechter geht, je mehr unsere Herzen und Köpfe von Böswilligkeit blockiert werden. Daher können wir alles andere von uns weisen: Religionen, Weltanschauungen, Ideologien, alle Weisheit und alles Wissen dieser Welt, doch um Liebe und Mitgefühl kommen wir nicht herum.
Und das ist meine wahre Religion, mein schlichter Glaube.


Dalai Lama (geb. 1935) - [aus: Das Buch der Menschlichkeit - Eine neue Ethik
für unsere Zeit, S. 251, Bastei Lübbe Taschenbuch, Bd. 60514, 5. Aufl. 2003]



Erkenntnis erringen und Liebe bewahren 


Das ist der Fels, an dem die Besten scheitern:
dass sie aufhören zu lieben, wenn sie anfangen zu erkennen.

Wohl jenem, der Erkenntnis errungen und Liebe bewahrt hat - der die Welt ihr zum Trotz liebt.


Ernst von Feuchtersleben (1806 - 1849)



"Schön, dass ihr euch traut ..."

Zur Ehe - eine theoretische Starthilfe

von Eberhard Liß


Euere Liebe füreinander ist die Voraussetzung für eine tolerante Partnerschaft in der Ehe, bei der die Achtung voreinander nicht verloren gehen darf.

Euere gemeinsamen Interessen solltet ihr pflegen, indem ihr den beruflichen Alltagsstress auf das Notwendige beschränkt, damit ihr immer wieder Freizeit für gemeinsame Entspannung gewinnt.

Euere beiderseitige Zuversicht ist das Fundament für ein glückliches Leben und relative Zufriedenheit. Ihr erhaltet sie nicht nur durch Ausdauer und Erfolg bei der Pflichterfüllung, sondern durch stetes Bemühen um ein verständnisvolles Miteinander.

Euere persönlichen Konflikte löst ihr am besten durch eigene Überwindung von Ärger und durch ein Aufeinanderzugehen, um sich bald wieder zu versöhnen, - z. B. nach Gefühlsausbrüchen und Meinungsverschiedenheiten, die zum Leben gehören wie das Salz in der Suppe.


Merkt Euch: In einer gut gehenden Ehe mündet der "Liebeskampf" immer wieder in Versöhnung und endet zumindest in treuer Freundschaft.



Nutzt Euere Zeit!


      Nehmt Euch Zeit einander zu erfreuen!
      Das ist der Weg zu Euerem Glück.

      Nehmt Euch Zeit miteinander zu lachen!
      Das ist die Musik der Seele.

      Nehmt Euch Zeit aneinander zu denken!
      Das ist die Quelle Euerer Lebenskraft.

      Nehmt Euch Zeit zueinander zu stehen!
      Das ist der Beweis Euerer Liebe.

      Nehmt Euch Zeit einander zu lieben!
      Das ist die wahre Lebensfreude.

      Nehmt Euch Zeit miteinander zu sprechen!
      Das lässt Euch Gemeinsamkeiten finden.

      Nehmt Euch Zeit füreinander zu handeln!
      Das hilft Euch auch in schlechten Zeiten.

      Nehmt Euch Zeit voneinander zu lernen!
      Das führt zu Einsicht und Weisheit im Alter.


      Nutzt Euere Zeit miteinander zu leben!
      Das erfordert Kompromisse und Toleranz.


Miteinander mit Toleranz 


Wichtige Voraussetzungen für Freundschaft und auch Liebe sind gegenseitige Achtung und Anerkennung des Andersseins.

Rücksichtsvolles Miteinander ist eine Vorstufe für liebevolles Füreinander.

Bemühungen zum Miteinander gelingen durch Aufeinanderzugehen und gegenseitiges Kennenlernen zwecks Verbesserung des Verständnisses.

Lebenspartner, die ihre Gemeinsamkeiten pflegen, und unterschiedliche Meinungen tolerieren, fördern ihr Verständnis füreinander.

Meinungsstreit und Nichtverstehen schmerzen um so mehr, je enger die Beziehungen zum Partner sind.

Ein freundliches Wort im rechten Moment wirkt Wunder - und verbindet.

Wer Frieden im Großen will, muss für Frieden im Kleinen sorgen.

Habe weiterhin Mut zum Miteinander, - trotz bestärkter Skepsis durch erfahrene Ungerechtigkeit!

Wer trotz alledem nur lächeln kann und die Ruhe bewahrt, ist ein Weiser mit Humor.

Wir müssen lernen, unsere Enttäuschungen mit Würde und Toleranz zu ertragen. Dabei helfen uns Aufrichtigkeit, Humor und Tapferkeit.

Echte Lebenshilfen sind Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Humor, - wohl dem, der dazu fähig ist.

Lebensmut trotz alledem 


Aktive Menschen gelten allgemein als optimistisch und risikofreudig, weil sie mühevolle Absicherungen oft unterlassen.

Optimistisches Denken fördert Gesundheit und Tatkraft zur Erreichung von realistischen Zielen der Glückssuche.

Der Blick zurück auf Vergangenes und Vergebliches ist nicht so wichtig wie der Blick vorwärts auf Zukünftiges, weil das Kommende gemeistert werden muss.

Zu unserem eigenen Schutz müssen wir vorausschauend versuchen, unsere existenziellen Probleme zu erkennen, um mögliche Lösungen rechtzeitig finden zu können.

Vorausschau und Denken im Großen fehlt Pragmatikern, die sich nur mit Nächstliegendem im Kleinen befassen, wobei sie den Nutzen ihres Handelns im Auge haben.

Der Blick nach vorn erfordert neuen Lebensmut für das Weitergehen trotz aller belastenden Erfahrungen.

Es geht irgendwie weiter, - aber das Wie bestimmen wir mit.

Sich treiben lassen ist bequem, - aber riskant.
Nur durch Rudern kommt man sicher ans Ziel.

Wer seine Schaffenskraft nutzvoll einsetzt, führt ein erfülltes Leben.

Nützliches für sich und andere tun bedeutet: die kurze Lebenszeit sinnvoll nutzen.

Wir erfahren ein beglückendes Selbstwertgefühl und neuen Lebensmut nach erfolgreicher Anstrengung oder tapferem Durchhalten, wobei eigener Humor erleichternd wirkt.


  Eberhard Liß (geb. 1941)






Subjektive Sicht und Realität 


Über viele Automatismen unseres Denkens und Handelns sind wir uns selbst kaum bewusst; aber von unseren Kritikern werden unsere Eigenarten oder Angewohnheiten als individuelle Verhaltensmuster erkannt und aus subjektiver Sicht bewertet.

Die Bedeutung von unüberlegten und unbewussten Äußerungen wird uns zu spät bewusst, erst dann wenn wir ihre Wirkungen auf Andere mit Erstaunen feststellen.

Unsere (Vor-)Urteile und hypothetischen Aussagen resultieren aus der subjektiven Interpretation von teilweise erkennbaren Sachverhalten unter dem assoziativen Einfluss von individuellen Vorstellungen oder Voraussagen "aus Erfahrung".

Wir sehen die Dinge und Probleme gemäß unserer Sichtweise. Wir urteilen subjektiv, - meist pauschal, voreingenommen oder mit geringer Kenntnis des wirklichen Sachverhalts. Unser subjektives Urteil kann sich ändern, wenn wir selbst betroffen sind oder wenn wir es der Mehrheit nachahmen.

Menschen urteilen subjektiv über die objektive Welt, abhängig von eigenem Erfahrungswissen, aber auch mit angenommenen Meinungen und Vorurteilen.

Schnellfertige Urteile und Illusionen der Überschätzung haben ihre subjektiv gefärbten Quellen in der Verdrängung von Problemen, d. h. in bequemem Schwarz-Weiß-Denken bzw. himmelblauem Wunschdenken.

Die Menschen würden sich besser verstehen und vertragen, wenn sie ihre subjektiven Ansichten und unterschiedlichen Gesichtskreise besser in Übereinstimmung bringen könnten. Sie müssten hierzu mehr Gemeinsamkeiten ihres Denkens und Wissens suchen - und finden.

Wo sicheres Wissen fehlt, kann nur gutes Vermuten helfen.

Wahrheitssuche durch wissbegieriges Fragen erheitert oft die Schmalspurdenker und empört sogar - die Dogmatiker.

Wer andere mit unangepassten Äußerungen auf Unwahrheiten oder Mängel aufmerksam macht, wird als ein Störenfried oder Besserwisser falsch verstanden und emotional negativ bewertet.

In einer verlogenen Gesellschaft werden raffinierter Schwindel, Halbwahrheiten und Täuschungen von den meisten Menschenm hingenommen, um nicht als kritische Außenseiter zu gelten.

Ein kritischer Realist, der für Wahrheit und Gerechtigkeit offen eintritt, versucht objektiv zu urteilen und kommt damit in Widerspruch zu subjektiven Ansichten und Vorurteilen.

Einsichtige Anerkennung der unerbittlichen Realität verlangt ein Aufgeben irrealer Vorstellungen und Erwartungen des Wunschdenkens.

Auf dem Weg zur Altersweisheit müssen wir lernen, vergebliche Anstrengungen und erfolglose Bemühungen möglichst gelassen hinzunehmen.


  Eberhard Liß (geb. 1941)





Lebensregeln für ältere Menschen


1. Du sollst dir klarmachen, dass die jüngeren, die verwandten oder sonst lieben Menschen beiderlei Geschlechts ihre Wege nach ihren eigenen (nicht deinen) Grundsätzen, Ideen und Gelüsten zu gehen, ihre eigenen Erfahrungen zu machen und nach ihrer eigenen (nicht deiner) Fasson selig zu sein und zu werden das Recht haben.

2. Du sollst ihnen also weder mit deinem Vorbild noch mit deiner Altersweisheit, noch mit deiner Zuneigung, noch mit Wohltaten nach deinem Geschmack zu nahe treten.

3. Du sollst sie in keiner Weise an deine Person binden und dir verpflichten wollen.

4. Du sollst dich weder wundern noch ärgern und betrüben, wenn du merken musst, dass sie öfters keine oder nur wenig Zeit für dich haben, dass du sie, so gut du es mit ihnen meinen magst und so sicher du deiner Sache ihnen gegenüber zu sein denkst, gelegentlich störst und langweilst, und dass sie dann unbekümmert an dir und deinen Ratschlägen vorbeibrausen.

5. Du sollst bei diesem ihrem Tun reumütig bedenken, dass du es in deinen jüngeren Jahren den damals älteren Herrschaften gegenüber vielleicht (wahrscheinlich) ganz ähnlich gehalten hast.

6. Du sollst also für jeden Beweis von echter Aufmerksamkeit und ernstlichem Vertrauen, der dir von ihrer Seite widerfahren mag, dankbar sein, du sollst aber solche Beweise von ihnen weder erwarten noch gar verlangen.

7. Du sollst sie unter keinen Umständen fallen lassen, sollst sie vielmehr, indem du sie freigibst, in heiterer Gelassenheit begleiten, im Vertrauen auf Gott auch ihnen das Beste zutrauen, sie unter allen Umständen lieb haben und für sie beten.


[aus Brief an Carl Zuckmayer vom 7. Mai 1968] von Karl Barth (1886 - 1968), Hauptbegründer der 'Dialektischen Theologie', für 'Bekennende Kirche', gegen Hitler, nach 1945 gegen atomare Aufrüstung




Nutzwert der Lebenszeit


Ich glaube, wir sollten das Leben und unser eigenes Leben sehr hoch bewerten, aber doch irgendwie mit der Tatsache zurechtkommen, dass wir sterben müssen; und wir sollten einsehen, dass es gerade die faktische Gewissheit des Todes ist, die viel zum Wert unseres Lebens beiträgt, vor allem zum Wert des Lebens anderer. Ich glaube, wir könnten das Leben nicht wirklich schätzen, wenn es immer weitergehen würde. Gerade die Tatsache, dass es gefährdet ist, dass es endlich und begrenzt ist, dass wir seinem Ende ins Auge sehen müssen, erhöht meiner Meinung nach den Wert des Lebens und damit sogar den Wert des Todes, den wir schließlich erleben müssen. ... Das ist die Tatsache, dass der Tod unserem Leben einen Wert, und zwar in gewissem Sinne einen beinahe unendlichen Wert verleiht und die Aufgabe dringlicher und attraktiver macht, unser Leben dazu zu nutzen, etwas für andere zu leisten...

Karl R. Popper zu John C. Eccles - [aus: Das Ich und sein Gehirn, Piper 1989, S. 653/654]






Guter Rat für den Rest Ihres Lebens

Lebensregeln eines 88-jährigen Filmproduzenten


Sehen Sie den Ruhestand nicht als Ende!
Machen Sie Liebhabereien zu Ihrem Beruf, werden Sie professionell Opa/Oma oder beginnen Sie etwas völlig Neues. Sobald Sie den Ruhestand als "Ende" betrachten, schalten Ihr Körper und Ihr Geist in den verhängnisvollen 'Bald-kommt-das-Ende-Modus'.

Planen Sie eine zweite Karriere!
Die beste Versicherung gegen Seniorenfrust ist es, sich während des letzten Arbeitsjahrzehnts ein zweites Standbein aufzubauen: als Berater, Freiberufler, Händler, Gärtner usw. Behalten Sie dabei den professionellen Aspekt im Auge, nicht primär im Sinne von Geldverdienen, sondern so, dass Sie anderen mit ihrer Tätigkeit von Nutzen sein können.

Achten Sie gezielt auf Ihren Körper!
Lassen Sie sich nicht verrückt machen von allen möglichen Modekrankheiten, über die viel geschrieben wird. Aber behalten Sie die Krankheiten und körperlichen Gebrechen im Auge, an denen Ihre Eltern und Großeltern gestorben sind. Hören Sie viel herum, welche Ärzte gut sind, und nehmen Sie für einen hervorragenden Spezialisten längere Anfahrten und Wartezeiten in Kauf. Ihr Körper ist zu kostbar, als dass Sie damit zum nächstgelegenen Mediziner in der Nachbarschaft gehen.

Gewinnen Sie nicht jeden Streit!
Akzeptieren Sie Ihre Grenzen. Geben Sie Ihr Bestes, aber nicht mehr. Überlassen Sie mit zunehmendem Alter immer häufiger anderen den ersten Platz. Seien Sie froh, dass Sie mitlaufen können, auch wenn Sie nicht mehr siegen.

Passen Sie auf Ihr Geld auf!
Bauen Sie Vermögen auf, auch wenn es bescheiden ist, und legen Sie das Geld fürchterlich konservativ an. Vermeiden Sie Spekulationen, pfeifen Sie auf alle grandiosen Ratschläge von Brokern, Bankberatern, Ihrem Steuerberater oder Ihrem Friseur.

Kaufen Sie kein Haus, ...
wenn Sie nicht schon eins haben! Im Alter brauchen Sie Beweglichkeit und Liquidität - und keine neuen Klötze am Bein. Wenn Ihnen Ihre Besitztümer in den Schränken und Regalen über den Kopf wachsen, - ziehen Sie in eine kleinere Wohnung.
Wachsen Sie im Alter nach innen, nicht nach außen. Übrigens: Eine Wohnung in dynamischer Umgebung ist für ältere Menschen häufig befriedigender als das Domizil im stillen Rentnerparadies weit draußen.

Geben Sie viel Trinkgeld und spenden Sie!
Solange Sie nicht bettelarm sind, geben Sie reichlich! Sehen Sie das als Fitnessübung: Mit dem Geben halten Sie Ihren Großzügigkeitsmuskel fit und beugen dem gefürchteten Altersgeiz vor.

Haben Sie Freunde und Freundinnen!
Es ist seelisch und körperlich gesund, nichterotische Beziehungen zum anderen Geschlecht zu pflegen (und bewahrt Sie vor verlottertem Aussehen). Treffen Sie sich in öffentlichen, gut bekannten Restaurants. Wenn Sie obskure Treffpunkte wählen, könnte Ihre Beziehung schäbig wirken.

Heiraten Sie!
Das Witwer- oder Witwendasein ist nachgewiesenermaßen ungesund. Lösen Sie sich von der Vorstellung, dass Ihr verstorbener Ehepartner es Ihnen übel nähme, wenn Sie eine neue Liebe finden. Heiraten Sie nicht nur, um jemanden zum Reden zu haben, sondern wählen Sie einen Partner, der auch sexuell für Sie interessant ist. Nichts verlängert die Lebenszeit mehr. Damit es keinen Stress gibt: Optimal ist ein Partner, der materiell in etwa so gestellt ist wie Sie.


David Brown, - einer der altgedienten Produzenten Hollywoods, stellte 2003 auf die Frage, warum er mit 88 Jahren noch so fit und erfolgreich ist, die Regeln zusammen.



Bewährte Lebensregeln 


Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast und sei des Friedens eingedenk, den die Stille bergen kann.

Stehe in freundlicher Beziehung zu allen Menschen, - soweit ohne Selbstaufgabe möglich.

Äußere deine Wahrheit ruhig und klar und höre anderen zu, auch den Geistlosen und Unwissenden; auch sie haben ihre Geschichte.

Meide laute und aggressive Menschen, sie sind eine Qual für den Geist.

Wenn du dich mit anderen vergleichst, könntest du bitter werden und dir nichtig vorkommen, denn immer wird es jemanden geben, größer oder geringer als du.

Freue dich deiner eigenen Leistungen wie auch deiner Pläne. Bleibe weiter an deiner eigenen Laufbahn interessiert, wie bescheiden auch immer. Sie ist ein echter Besitz im wechselnden Glück der Zeiten.

In deinen geschäftlichen Angelegenheiten lass Vorsicht walten, denn die Welt ist voller Betrug. Aber dies soll dich nicht blind machen gegen gleichermaßen vorhandene Rechtschaffenheit. Viele Menschen ringen um hohe Ideale; und überall ist das Leben voller Heldentum.

Sei du selbst, vor allen Dingen heuchle keine Zuneigung noch sei zynisch was die Liebe betrifft, denn auch im Angesicht aller Dürre und Enttäuschung ist sie doch immerwährend wie das Gras.

Ertrage freundlich-gelassen den Ratschluss der Jahre, gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf.

Stärke die Kraft des Geistes, damit sie dich in plötzlich hereinbrechendem Unglück schütze. Aber beunruhige dich nicht mit Einbildungen. Viele Befürchtungen sind Folge von Erschöpfung und Einsamkeit.

Bei einem heilsamen Maß an Selbstdisziplin sei gut zu dir selbst.

Du bist ein Kind des Universums, nicht weniger als Bäume und die Sterne; du hast ein Recht hier zu sein. Und ob es dir nun bewusst ist oder nicht: Zweifellos entfaltet sich das Universum wie vorgesehen.
Darum lebe in Frieden mit Gott, was für eine Vorstellung du auch von ihm hast und was immer dein Mühen und Sehnen ist. In der lärmenden Wirrnis des Lebens erhalte dir den Frieden mit deiner Seele.

Trotz all ihrem Schein, der Plackerei und den zerbrochenen Träumen ist die Welt doch wunderschön.

Sei vorsichtig! Strebe danach, glücklich zu sein.


[Quelle: 'Desiderata', 1927 geschrieben von Max Ehrmann, Schriftsteller und Anwalt
aus Indiana, USA. - Ihre irrtümlich publizierte Verbindung mit dem Jahr 1692 und der
St. Pauls-Kirche in Baltimore, Maryland (USA), verursachte ein Pfarrer an der Kirche.]




Zeitlose Weisheiten - Aphorismen

von Francois de La Rochefoucauld (1613 - 1680)


Die Unerschütterlichkeit des Weisen ist nichts als die Kunst, Erschütterungen nicht zu zeigen

Die Mäßigung glücklicher Menschen kommt von der Ruhe, die vollbrachte Leistungen ihrem Gemüt geschenkt haben.

Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst findet, ist es umsonst, sie anderswo zu suchen.

Gleichgültigkeit verstößt mehr gegen unsere menschliche Pflicht als Eigennutz.

Die Liebe kann, wie das Feuer, nicht ohne ständigen Antrieb bestehen; sie hört auf zu leben, sobald sie aufhört zu hoffen oder zu fürchten.

Die größte Belastung für eine Freundschaft besteht nicht darin, dass wir dem Freunde unsere Fehler zeigen, sondern dass wir ihn die seinen erkennen lassen.

Geliebte Menschen haben fast immer mehr Macht über uns als wir selbst.

Wenn viel auf dem Spiel steht, soll man keine neuen Möglichkeiten suchen, sondern die benützen, die sich bieten.

Man kann Ratschläge geben, aber nicht den Verstand, sie zu befolgen.

Meist ist mehr Lebenskunst erforderlich, einen guten Rat zu befolgen, als sich selbst gut zu raten.

Es ist ebenso anständig, sich seines Werts bewusst zu sein, wie es lächerlich ist, sich seiner vor anderen zu rühmen.

Dass wir mit so großem Vergnügen von uns selbst sprechen, sollte uns fürchten lassen, dass wir unseren Zuhörern damit keines bereiten.

Wahre Beredsamkeit heißt das Nötige und nur das Nötige zu sagen.

Schweigen ist der beste Ausweg für den, der seiner selbst nicht sicher ist.

Wenn wir uns geben, wie wir sind, gewinnen wir mehr als mit dem Versuch zu erscheinen, was wir nicht sind.

Das Glück liegt in uns, nicht in den Dingen. Glücklich sind wir mit dem, was wir selbst, nicht was andere lieben.

Wir setzen leichter unserer Dankbarkeit Grenzen als unseren Wünschen und Hoffnungen.

Um seine künftigen Taten zu verantworten, musste man für sein Schicksal verantwortlich sein.

Man wird unvernünftig, wenn man nicht mehr auf die Vernunft der andern hofft.

In den Leidenschaften liegen Ungerechtigkeit und Eigennutz. Darum ist es gefährlich, ihnen nachzugeben, und man soll ihnen sogar misstrauen, wenn sie noch so vernünftig erscheinen.





Erkenntnisstreben und Verständnis

Zitate von Albert Einstein


Alles, was von den Menschen getan und erdacht wird, gilt der Befriedigung gefühlter Bedürfnisse sowie der Stillung von Schmerzen. Dies muss man sich immer vor Augen halten, wenn man geistige Bewegungen und ihre Entwicklung verstehen will. Denn Fühlen und Sehnen sind der Motor alles menschlichen Strebens und Erzeugens, mag sich auch letzteres uns noch so erhaben darstellen.

[Mein Weltbild, Religion und Wissenschaft, 1930]


Schon immer beruhten die meisten menschlichen Handlungen auf Angst oder Unwissenheit." - vgl. Originaltext: "Fear and stupidity have been always the basis of most human actions.

[Albert-Einstein-Archiv, Jerusalem, AEA 60-609/610, 1954]


Vernünftiges Handeln in der menschlichen Sphäre ist nur möglich, wenn man die Gedanken, Motive und Befürchtungen des anderen zu verstehen versucht, so dass man sich in seine Lage zu versetzen weiß.

[O. Nathan u. H. Norden, Einstein on Peace, London, 1947]


Toleranz ist das menschenfreundliche Verständnis für Eigenschaften, Auffassungen und Handlungen anderer Individuen, die der eigenen Gewohnheit, der eigenen Überzeugung und dem eigenen Geschmack fremd sind.

[Albert-Einstein-Archiv, Jerusalem, AEA 28-281 S.1, 1934]


Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht. Wer es nicht kennt und sich nicht mehr wundern, nicht mehr staunen kann, der ist sozusagen tot und sein Auge erloschen.

[Mein Weltbild, Wie ich die Welt sehe, um 1930]


Freude am Schauen und Begreifen ist die schönste Gabe der Natur.

[Mein Weltbild, Aphorismen für Leo Baeck, 1953]


Es ist die wichtigste Kunst des Lehrers, die Freude am Schaffen und am Erkennen zu erwecken.

[Mein Weltbild, Lehrer und Schüler, 1931]


Für mich ist das Streben nach Erkenntnis eines von denjenigen selbständigen Zielen, ohne welche für den denkenden Menschen eine bewusste Bejahung des Daseins nicht möglich erscheint.

[Mein Weltbild, Zur Erniedrigung des wissenschaftlichen Menschen, 1950]


Weisheit ist nicht das Ergebnis von Schulbildung, sondern des lebenslangen Versuchs, sie zu erwerben.

[Albert-Einstein-Archiv, Jerusalem, AEA 59-495, Brief an J. Dispentiere]


Ohne den Glauben daran, dass es grundsätzlich möglich ist, die Wirklichkeit durch unsere logischen Konstruktionen begreiflich zu machen, ohne den Glauben an die innere Harmonie unserer Welt, könnte es keine Naturwissenschaft geben. Dieser Glaube ist und bleibt das Grundmotiv jedes schöpferischen Gedankens in der Naturwissenschaft.

[A. Einstein und L. Infeld, Die Evolution der Physik, 1938]


Wie herrlich auch die Erkenntnis der Wahrheit als solche sein mag, als Führerin ist sie so ohnmächtig, dass sie nicht einmal die Berechtigung und den Wert des Strebens nach eben dieser Erkenntnis der Wahrheit zu begründen vermag. Hier liegt also die Grenze der rein rationalen Erfassung unseres Daseins.

[Albert-Einstein-Archiv, Jerusalem, AEA 28-493 S. 2, Das Ziel, 1939]


Je weiter die geistige Entwicklung des Menschen vorschreitet, in desto höherem Grade scheint mir zuzutreffen, dass der Weg zu wahrer Religiosität nicht über Daseinsfurcht, Todesfurcht und blinden Glauben sondern über das Streben nach vernünftiger Erkenntnis führt.

[Albert-Einstein-Archiv, Jerusalem, AEA 28-521 S. 2=6, 1941]


[Hohes Ziel:] Freie und selbstverantwortliche Entfaltung des Individuums, damit es seine Kräfte froh und freiwillig in den Dienst der Gemeinschaft aller Menschen stelle. Da ist kein Platz für Vergottung einer Nation, einer Klasse oder gar eines Individuums.

[Albert-Einstein-Archiv, Jerusalem, AEA 28-493 S.3, 1939]


Vollkommenheit der Mittel und Verworrenheit der Ziele scheinen mir unsere Zeit zu charakterisieren. Wenn wir Sicherheit, Wohlergehen und freie Entfaltung der Fähigkeiten aller Menschen ehrlich und leidenschaftlich wünschen, so wird es uns an Mitteln nicht mangeln, uns einem solchen Zustand zu nähern. Wenn auch nur ein kleiner Teil der Menschheit von solchen Zielen erfüllt ist, wird er für die Dauer sich als überlegen erweisen.

[Albert-Einstein-Archiv, Jerusalem, AEA 28-557 S. 3, 1941]


Große Geister haben stets heftige Gegnerschaft in den Mittelmäßigen gefunden. Diese letzteren können es nicht verstehen, wenn ein Mensch sich nicht gedankenlos ererbten Vorurteilen unterwirft, sondern ehrlich und mutig seine Intelligenz gebraucht und die Pflicht erfüllt, die Ergebnisse seines Denkens in klarer Form auszusprechen.

[O. Nathan u. H. Norden, Einstein on Peace, über Bertrand Russell, 1940]


Es ist ein glückliches Schicksal, wenn man bis zum letzen Schnaufer durch die Arbeit fasziniert wird. Sonst würde man zu sehr leiden unter der Dummheit und Tollheit der Menschen, wie sie sich hauptsächlich in der Politik äußert.

[aus: Brief an Michele Besso, 24. Juli 1949]


Es ist kaum zu glauben, wie wenig die Menschen selbst aus den härtesten Erfahrungen lernen.

[Briefe an Maurice Solovine, 1948]


Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem selbst ein Schaf sein.

[Mein Weltbild, Aphorismen für Leo Baeck, 1953]







Lebenskampf und Sinnsuche

Zitate von Hermann Hesse (1877 - 1962)


Wer stärker individualisiert ist, muss erkennen, dass das Leben ein Kampf zwischen Opfer und Trotz, zwischen Anerkennung der Gemeinschaft und Rettung der Persönlichkeit ist.

[aus: Brief vom 28.7.1958 an Christine Dittmar]


Wir sollen alles das sehr ernst nehmen, was wir selber zu verantworten haben und was wir für unsre Pflicht und Aufgabe halten - aber das von außen Kommende, das Schicksal, das außerhalb unserer Einflüsse und Entschlüsse liegt, das brauchen wir nicht ernster zu nehmen als nötig und sollen ihm unser Ich ruhig entgegensetzen und es nicht in uns hineinlassen. Sonst wäre es keinem denkenden Menschen (es gibt freilich wenige) möglich, das Leben zu ertragen.

[aus: Brief an seinen Sohn Bruno, Mai 1933]


Man kann den frohen Fortschrittsglauben nicht teilen und kann dennoch das Gute wünschen und fördern, man kann an die Lösbarkeit von Problemen nicht glauben und kann dennoch ihre vernünftige Behandlung wünschen und ihr dienen.

[aus: Rezension "Bücher der Kultur und Kunst [1]", Mai 1931]


Wir Menschen sind so beschaffen, dass die eigenen Sorgen und Leiden uns weit ernster erscheinen als fremde.

[aus: Brief vom Mai 1935 an Ernst Rheinwald]


Kein Mensch fühlt im andern eine Schwingung mit, ohne dass er sie selbst in sich hat.

[aus: Brief vom 16.3.1926 an Eugen Link]


Leute mit Mut und Charakter sind den anderen Leuten immer sehr unheimlich.

[aus: "Demian", 1917]


Ein anständiger Mensch tut keinen Schritt, ohne Feinde zu kriegen.

[aus: Brief vom 4.8.1910 an Otto Stößl]


In den Momenten, in denen wir nackt der Wahrheit gegenüberstehen, fehlt uns stets die Sicherheit eines guten Gewissens und das Behagen des unbedingten Glaubens an uns selber.

[aus: Gedenkblatt "Erinnerung an Hans", 1936]


Wir verlangen, das Leben müsse einen Sinn haben - aber es hat nur ganz genau so viel Sinn, als wir selber ihm zu geben imstande sind.

Jeder, der an einen Sinn im Leben und an die hohe Bestimmung des Menschen glaubt, ist im heutigen Chaos wertvoll, einerlei zu welcher Konfession er gehört und an welche Zeichen er glaubt.





Liebe, Vernunft, Gerechtigkeit - Lebenssinn


Der Bereich der Liebe, Vernunft und Gerechtigkeit existiert als Realität nur deshalb und insofern, als der Mensch es vermochte, während des gesamten Evolutionsprozesses diese Kräfte in sich zu entwickeln. Nach dieser Auffassung besitzt das Leben keinen Sinn außer dem, den der Mensch ihm gibt; die Menschen sind völlig allein und können ihre Einsamkeit nur überwinden, indem sie einander helfen.


Erich Fromm (1900 - 1980) - [aus: Die Kunst des Liebens]





Selbsterhaltung und Selbstvertrauen


Arthur Schopenhauer (1788-1860) publizierte hinsichtlich der Glücksuche und Lebenskunst seine "Aphorismen zur Lebensweisheit" (vgl. Kapitel V), u. a.:

Um durch die Welt zu kommen, ist es zweckmäßig, einen großen Vorrat von Vorsicht und Nachsicht mitzunehmen: durch erstere wird man vor Schäden und Verlust, durch letztere vor Streit und Händeln geschützt.

Wir erkennen alsdann, dass das Beste, was die Welt zu bieten hat, eine schmerzlose, ruhige, erträgliche Existenz ist und beschränken unsere Ansprüche auf diese, um sie desto sicherer durchzusetzen. Denn, um nicht sehr unglücklich zu werden, ist das sicherste Mittel, dass man nicht verlange, sehr glücklich zu sein.

Statt also mit den Plänen und Sorgen für die Zukunft ausschließlich und immerdar beschäftigt zu sein, oder aber uns der Sehnsucht nach der Vergangenheit hinzugeben, sollten wir nie vergessen, dass die Gegenwart allein real und allein gewiss ist; hingegen die Zukunft fast immer anders ausfällt, als wir sie denken; ja auch die Vergangenheit anders war; und zwar so, dass es mit Beiden, im Ganzen, weniger auf sich hat, als es uns scheint.

Für sein Tun und Lassen darf man keinen Anderen zum Muster nehmen; weil Lage, Umstände, Verhältnisse nie die gleichen sind, und weil die Verschiedenheit des Charakters auch der Handlung einen verschiedenen Anstrich gibt, daher duo cum faciunt idem, non est idem (Wenn zwei das dasselbe tun, ist es nicht dasselbe). Man muss nach reiflicher Überlegung und scharfem Nachdenken, seinem eigenen Charakter gemäß handeln. Also auch im Praktischen ist Originalität unerlässlich: sonst passt was man tut nicht zu dem, was man ist.

Alles nämlich, was wir vermögen, ist unsere Entschlüsse allezeit nach Maßgabe der gegenwärtigen Umstände zu fassen, in der Hoffnung, es so zu treffen, dass es uns dem Hauptziel näher bringe.

Ein wichtiger Punkt der Lebensweisheit besteht in dem richtigen Verhältnis, in welchem wir unsere Aufmerksamkeit teils der Gegenwart, teils der Zukunft widmen, damit nicht die eine uns die andere verderbe. Viele leben zu sehr in der Gegenwart: die Leichtsinnigen; - andere zu sehr in der Zukunft: die Ängstlichen und Besorglichen. Selten wird einer genau das rechte Maß halten.

Groß ist nur der, welcher bei seinem Wirken (Dieses sei nun ein praktisches oder theoretisches) nicht seine Sache sucht; sondern allein einen objektiven Zweck verfolgt. - Klein hingegen ist alles auf persönliche Zwecke gerichtete Treiben; weil der dadurch in Tätigkeit versetzte sich nur in seiner eigenen verschwindend kleinen Person erkennt und findet.

Es ist eine große Torheit, um nach außen zu gewinnen, nach innen zu verlieren, d. h. für Glanz, Rang, Prunk, Titel und Ehre, seine Ruhe, Muße und Unabhängigkeit ganz oder großen Teils hinzugeben.



Selbstachtung 


Die Kunst des Umgangs mit Menschen besteht darin, sich geltend zu machen, ohne andere unerlaubt zurückzudrängen.

Respektiere dich selbst, wenn du willst, dass andere dich respektieren sollen!

Tue nichts im Verborgenen, dessen du dich schämen müsstest, wenn es ein Fremder sähe!

Handle, weniger anderen zu gefallen, als um deine eigene Achtung nicht zu verscherzen, gut und anständig!


Adolf von Knigge (1752 - 1796) 






Indische Spruchweisheiten für Menschsein


Wer das Wesen allen Tuns erkannt hat, der führt das, was vom Schicksal kommt, durch Arbeit und innere Ruhe und das, was von den Menschen kommt, durch Standhaftigkeit und Klugheit zu einem guten Ende.

Schwer ist es, sich selbst genau zu kennen, dass man stets im rechten Augenblick entscheiden kann, ob man einer Sache wirklich fähig ist oder nicht. Wer dazu aber in der Lage ist, der wird auch schwierige Situationen meistern.

Wer in Unglücksfällen die Ruhe bewahrt und in Glückszeiten nicht überheblich wird, und wer außerdem nicht feige ist, wenn es gilt, Gefahren entgegenzunehmen, der ist in Ordnung und wird in dieser Welt zu Rande kommen.

Ob man jemanden etwas verweigert oder gibt, ob es sich um eines anderen Wohl oder Wehe, um Liebes oder Unangenehmes handelt, immer gewinnt man das rechte Maß zum Handeln, wenn man sich selbst in die Lage des anderen versetzt.

Tue einem anderen nicht an, was dir selbst unangenehm wäre! Das ist der innerste Kern aller Verhaltensregeln, die Summe aller Gesetze.

Nicht dadurch, dass man andere tadelt, suche man sich selbst ins Licht zu stellen, vielmehr beweise man durch eigene Vorzüge, was in einem steckt.

Wohlwollen ist die höchste Tugend, Geduld die größte Stärke und Selbstkenntnis das wichtigste Wissen; etwas Höheres als die Wahrheit aber gibt es nicht.

Sei nicht blinder für die Fehler eines Freundes als für die Tugenden eines Feindes.

Den allzu Milden achtet man nicht, und der Strenge wird gefürchtet: darum sei man weder zu streng noch zu milde, sondern streng und milde zugleich.

Suche durch dich selbst dein eigenes Ich zu gewinnen, indem du Herz, Geist und Sinne bändigst, denn dieses Ich ist sowohl dein Freund als auch dein Feind.

Wer sich wohl fühlen möchte, der strebe nach größter Genügsamkeit und innerer Beherrschtheit. Denn Genügsamkeit ist die Wurzel des Glücks. Wer das nicht erkennt und danach handelt, wird Leid erfahren.

Immer, wenn man einen Wunsch entsagt hat, überkommt einen Freude; Menschen aber, die ihren Wünschen stets nachgeben, gehen mit ihren Wünschen zugrunde.

Nie soll der Mensch sich gering achten; wer kein Selbstvertrauen hat, hat kein Glück im Leben.

Übersetzung von O. Böthlingk, - aus: Weisheiten der Völker, hrsg. von Karl August Fritz,
Parkland Verlag, Köln, 2003








Bemühungen zum Wohl-Sein

Erich Fromm nannte folgende Charakterzüge für den »neuen Menschen«: 

- Sicherheit, Identitätserleben und Selbstvertrauen, basierend auf dem Glauben an das, was man ist, und auf dem Bedürfnis nach Bezogenheit, auf Interesse, Liebe und Solidarität mit der Umwelt, statt des Verlangens, zu haben, zu besitzen und die Welt zu beherrschen und so zum Sklaven des eigenen Besitzes zu werden

- bestrebt zu sein, Gier, Hass und Illusionen, so weit wie es einem möglich ist, zu reduzieren

- bestrebt zu sein, die eigene Liebesfähigkeit sowie die Fähigkeit zu kritischem und unsentimentalem Denken zu entwickeln

- sich bewusst zu sein, dass die volle Entfaltung der eigenen Persönlichkeit und der des Mitmenschen das höchste Ziel des menschlichen Lebens ist

- Wissen, dass zur Erreichung dieses Ziels Disziplin und Anerkennung der Realität nötig sind

- andere nicht zu täuschen, sich aber auch von anderen nicht täuschen zu lassen; man kann unschuldig, aber man soll nicht naiv sein

- sich eins zu fühlen mit allem Lebendigen und daher das Ziel aufzugeben, die Natur zu erobern, zu unterwerfen, sie auszubeuten, zu vergewaltigen und zu zerstören, und statt dessen zu versuchen, sie zu verstehen und mit ihr zu kooperieren

- unter Freiheit nicht Willkür zu verstehen, sondern die Chance, man selbst zu sein - nicht als ein Bündel zügelloser Begierden, sondern als fein ausbalancierte Struktur, die in jedem Augenblick mit der Alternative Wachstum oder Verfall, Leben oder Tod konfrontiert ist

- Wissen, dass nur wenige Menschen Vollkommenheit in allen diesen Eigenschaften erreicht haben, aber nicht den Ehrgeiz zu haben, »das Ziel zu erreichen«, eingedenk, dass ein solcher Ehrgeiz nur eine andere Form von Gier und Haben ist

- was auch immer der entfernteste Punkt sein mag, den uns das Schicksal zu erreichen gestattet - glücklich zu sein in diesem Prozess stetig wachsender Lebendigkeit, denn so bewusst und intensiv zu leben, wie man kann, ist so befriedigend, dass die Sorge darüber, was man erreichen oder nicht erreichen könnte, gar nicht erst aufkommt

[Erich Fromm, »Haben oder Sein«, Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft]






Gesellschaftliche Zwänge und individuelle Freiheit 

Stefan Zweig schrieb in seinem letzten Essay »Montaigne« (1941/42): 

Um frei zu sein, darf man nicht verschuldet sein und nicht verstrickt, und wir sind verstrickt, an den Staat, an die Gemeinschaft, an die Familie; der Sprache, die wir sprechen, sind die Gedanken untertan; der isolierte Mensch, der völlig freie, ist ein Phantom. Es ist unmöglich, im Vakuum zu leben. Wir sind bewusst oder unbewusst durch Erziehung Sklaven der Sitte, der Religion, der Anschauungen; wir atmen die
Luft der Zeit.
Von all dem sich loszusagen, ist unmöglich. [...]

Man soll nicht durch Pflichtgefühl, durch Leidenschaft, durch Ehrgeiz sich weiter treiben lassen, als man eigentlich gehen wollte und will, man soll unablässig prüfen, wieviel die Dinge wert sind, und sie nicht überschätzen; man soll dort enden, wo das Behagen endet. Man soll den Kopf wach halten, sich nicht binden, nicht Sklave werden, frei sein.

[aus: Stefan Zweig, Europäisches Erbe, Montaigne, Fischer Taschenbuch Verlag, 1981]






Unbewusstes und Selbstbestimmung


Der postulierte 'freie Wille' als ethische Voraussetzung für Eigenverantwortung des Individuums ist neurowissenschaftlich umstritten. Erfahrungsgemäß bestimmt werden Urteile und Entscheidungen (im Rahmen der Handlungsfreiheit) aufgrund von jeweils aktuellen Situationsbedingungen und ihren subjektiven Bewertungen (primär unbewusst, vgl. Antrieb, Motivation und Emotion).

Die zu rechtfertigenden 'willentlichen' Handlungsabsichten sind vor- oder unbewusst (intuitiv) orientiert auf eigene Interessen oder Wünsche, die unvereinbar sein können mit sozial-ethischen Normativen (vgl. Trieb, Gier, Sucht oder Leidenschaft).

Die 'Macht des Unbewussten' (dominierendes Unterbewusstsein) ist erlebbar durch das verzögerte Gewahrwerden (Bewusstwerden) von unbewussten Emotionen als Gefühle (verstärkte Formen: Affekte, Leidenschaft, Sucht oder Phobie) und/oder von 'unwissentlichen' Ausdrücken, beispielsweise "unüberlegten" Äußerungen oder "nicht gewollten" (Re-)Aktionen (vgl. Affekthandlungen).
Unbewusste Reaktionen auf 'erregende' oder 'habituelle' Reizsituationen erfolgen meist impulsiv bzw. gewohnheitsmäßig "ad hoc", so dass sie nicht rechtzeitig durch eine 'bewusste Kontrolle' (Selbstkontrolle) verhindert oder korrigiert werden können. -
Besonders charakteristisch für ein 'unkontrolliertes' Unbewusstes sind triebhafte Wünsche, krankhafte Zwangsvorstellungen und imaginäre Anschauungen, die dominierend sind für fiktive Behauptungen, falsche (Vor-)Urteile oder Fehleinschätzungen.

Selbstvertrauen ist gut, doch besser wäre Selbstkontrolle für kluges Handeln.

Hohes Ziel für Selbständigkeit ist die "vernünftige" Selbstbestimmung durch rationale Selbstkontrolle mit einer 'sozialverträglichen' Eigennutz-Orientierung (vgl. Gewissen).

Das kritische Selbstverständnis für eine "gewissenhafte" Handlungsplanung gelingt mit fundiertem 'Wissen vom Sein des Selbst' (def. Selbstmodell analog Selbstbewusstsein).

Durch bewusste Selbstreflexion ist der selbstbezüglich denkende Mensch befähigt zu vernünftiger Zielsetzung und Handlungsplanung im Rahmen seiner 'rationalen Autonomie'. Für jede ihm bewusste Absicht (gegenüber Motivationen, Wünschen und ethischen Normativen) kann er die erwarteten Konsequenzen seiner alternativ wählbaren Handlungsoptionen gemäß der erfahrungsgemäßen Bewertung von effektorientierten Erwartungen antizipatorisch abwägen, um dadurch eine optimale Entscheidung selbstbestimmt zu fällen.

Die wissentliche Rechtfertigung von 'gewollten' Absichten, auch von Urteilen oder Entscheidungen, geschieht nachträglich "vor sich selbst" mit fiktiven Argumenten (oft irrealen Begründungen) oder Ansichten (auch Einbildungen oder Überzeugungen) entsprechend dem individuellen Selbstmodell (vgl. Selbsttäuschung, Selbstlob oder Selbstkritik).

Vernünftige Selbstkontrolle zur lerntypischen Verbesserung des Verstehens ist möglich mit kritikfähiger Selbstreflexion.

Quelle: » 'Gehirnstrukturen für Lernen und Gedächtnis', Essay von Eberhard Liß (geb. 1941)






Selbstreflexion und Selbstkontrolle


Bewusstes Denken ist durch "inneres Sprechen" (auch mit sich selbst) erlebbar, insbesondere beim 'Ersinnen' von Problemlösungen oder deklarativen Antworten auf erkenntnisfördernde Fragen (Kritik, Zweifel, Dialektik).

Das Selbstbewusstsein ist eine 'hoch entwickelte' Bewusstseinsform des Menschen und ermöglicht ihm "vernünftige" Entscheidungen durch rationale Selbstreflexion und Selbstkontrolle (vgl. kritisches Erwägen mit Voraussicht), außerdem individuell äußerbare Statusreports.

Selbstbewusstsein entspricht einem persönlichen 'Selbstmodell', d. h. Wissen vom Sein des Selbst (Ich-Begriff als Selbstkonzept), und ist eine ontogenetisch entwickelte Bewusstseinsform für Selbstreflexion und Selbstkontrolle.

Hoch entwickeltes Selbstbewusstsein ist erlebbar durch mentale Selbstreflexion, d. h. selbstbezügliches Nachdenken, insbesondere hinsichtlich Statusreports über "Ich"-Zustände, die sprachlich formulierbar sind.

Selbstbezügliches Denken (Selbstreflexion) basiert auf selbstreflexiven Deutungen und empirischen Urteilen gemäß erinnerbaren Vorstellungen des individuellen Erfahrungswissens, verbunden mit ihren subjektiven Bewertungen für Emotionen und Motivationen.

Selbstreflexives Deuten und kognitiv-rationales Entscheiden stehen in ernstem Konflikt mit dem schwer kontrollierbaren Unbewussten, das egoistische Bedürfnisse und emotionale Wunschvorstellungen bestimmt (vgl. Selbstinteresse).

Vernünftiges Entscheiden wird erschwert durch unbewusste emotionale und soziale Einflüsse.
Unbewusste Automatismen können zu Irrtümern führen, die zu spät bewusst werden.

Starke Erregungen für Emotionen und Affekte behindern logisches Urteilsvermögen.

Selbstbewusst denkende Menschen sind befähigt zu rationaler Selbstkontrolle und Selbstkritik hinsichtlich intentionalen Aktionen (absichtlichen Handlungen), die sie im Rahmen ihrer Handlungsfreiheit 'gewissenhaft' planen können.

Der "vernünftige" Mensch kann sich selbst kontrollieren und nutzt quasi ein Selbstmodell für individuelle Einsicht und Voraussicht.

Das Finden einer eigenen Meinung oder rationalen Entscheidung, z. B. beim Nachdenken bzw. Abwägen, erfolgt durch Selbstreflexion gemäß individuellem Erfahrungswissen und subjektiven Bewertungen.

Der "relativ freie" Wille ist ein Bewusstseinsphänomen für 'mutwillige', zielgerichtet gefällte Entscheidungen des Subjekts im Rahmen seiner Handlungsfreiheit unter aktuellen Bedingungen, - individuell bestimmt von unbewussten Gehirnzuständen.

Die subjektiven Bewertungsfunktionen des Unbewussten können im Konflikt stehen mit der wissentlichen "rationalen" Selbstkontrolle und erschweren dadurch optimale Handlungsentscheidungen mit sozialer Verantwortung gemäß einem ethischen Verhaltenskodex.

Für jede 'bewusst gefällte' Entscheidung muss eigene Verantwortung getragen werden, - dagegen weniger für 'unüberlegte', unbewusst bestimmte oder Affekt-Handlungen.

Unbewusste Affekthandlungen erfolgen unbeabsichtigt ohne bewusstes Urteilsvermö-gen und gelten als unverantwortlich wegen fehlender rationaler Selbstkontrolle.

Belastende Schuldgefühle wegen 'nicht gewolltem' Fehlverhalten sind reduzierbar durch selbstkritische Fehleranalyse für 'einsichtige' Reue mit Selbstachtung.

Vernünftige Selbstkontrolle mit Selbstkritik ermöglicht Selbsterkenntnis für besseres Verständnis durch 'intentionales' Lernen.

"Dumme" lernen nicht aus ihren Fehlern, wenn sie keine rationale Einsicht (durch Erkenntnis) gewinnen können, die geeignet wäre, um ihr Orientierungswissen zu verbessern und damit vernünftige Selbstkontrolle 'wissentlich' zu vollziehen.

Vernünftige Selbstkontrolle und freudiges Lachen sind zu fördern bei der Ausbildung von intelligenten Menschen.

Quelle: »Freude am Denken und Gestalten« - Aphorismen von Eberhard Liß





Ratschläge zur Selbstkontrolle

von Eberhard Liß


Fördere dein Verständnis für vorsorgliche Ratschläge und nützliche Erkenntnisse der Seinserfahrung, um durch Einsicht weiterzulernen.

Bemühe dich um eine gesunde Lebensführung, auch mit Freizeit
für selbst gewählte Handlungen zur Pflege eigener Interessen.

Sorge für ausreichenden Schlaf und mache Arbeitspausen zur Entspannung, - so erhältst du deine Kraft bei der Pflichterfüllung.

Entfalte dein Leistungsvermögen durch ständiges Lernen beim Aufwärtsstreben, aber vermeide die Stufe deiner Überforderung.

Schaffe Ordnung in deinem Umfeld ohne kleinliche Pedanterie und behalte nur das Nötige für dich, - hebe nicht alles Nützliche auf.

Sei dir bewusst, dass dein alterndes Gedächtnis nicht perfekt ist und du dich irren kannst, auch wenn du glaubst Recht zu haben.

Du solltest nicht zu viel mitreden oder beraten, weil du sonst als belehrender Besserwisser abgestempelt und ignoriert wirst.

Erwarte nicht zu viel von deinen Freunden, aber bemühe dich, alte Freundschaften zu erhalten und auch neue Freunde zu gewinnen.

Sei freundlich und hilfsbereit, - aber nicht aufdringlich. -
Sei teilnehmend und mitfühlend, - aber nicht sentimental.

Ertrage mit Geduld fremde Klagen, besonders von alten Menschen, aber erzähle möglichst wenig von deinen Sorgen und Krankheiten.

Spare nicht mit Lob für andere, von denen du Gutes erfährst, und vergiss nicht das Danken bei denen, die dir Gutes getan haben.

Sei vorsichtig und rücksichtsvoll, - achte auch auf deine Sicherheit durch eigene Vorsorge, - so kannst du Leid oder Angst vermeiden.

Nutze deine Zeit und akzeptiere gelassen das Unvermeidbare, - verliere nicht den Mut zur aktiven Gestaltung deines Lebens.

Hüte dich vor zu viel Routine, Bequemlichkeit und Desinteresse, - sorge selbst für neue Eindrücke, z. B. durch Reisen und Projekte.

Versuche dich abzulenken und an Kleinigkeiten zu erfreuen, wenn du deinen Ärger über dich selbst oder andere überwinden willst.

Freue dich an der Natur, an jungem Leben und an deinem Leben, -
sei dankbar für schöne Erlebnisse und den Erhalt deiner Tatkraft.

Sei dankbar für Erreichtes und kontrolliere deine Wünsche mit dem Ziel, kein unzufriedener und getriebener Mensch zu sein.

Wenn du erlernst, vergebliche Anstrengungen und erfolglose Bemühungen gelassen hinzunehmen, erlangst du Altersweisheit.

Erhalte deine Tatkraft und den Mut, Leid und Angst zu überwinden, auch wenn wir alle eine unbedeutende Rolle im Universum spielen.





Grunderkenntnisse als Fazit


Nicht in der Erkenntnis liegt das Glück, sondern im Erwerben der Erkenntnis.

Edgar Allan Poe (1872 - 1970)


Je mehr Einsicht man hat, desto mehr Größe und Niedrigkeit entdeckt man im Menschen.

Blaise Pascal (1623 - 1662)


Menschenliebe ist das Wesen der Sittlichkeit, Menschenkenntnis das Wesen der Weisheit.

Die Liebe ist das Gewürz des Lebens. Sie kann es versüßen, aber auch versalzen.

Wir sind einander nah durch die Natur, aber sehr entfernt durch die Bildung.

Konfuzius (551 - 470 v. Chr.)


Es ist leichter anderen mit Weisheit zu dienen, als sich selbst.

La Rochefoucauld (1613 - 1680)


Es irrt der Mensch, solang er strebt. [Faust I, Prolog im Himmel]

    Ein jeder lernt nur, was er lernen kann;
    Doch, der den Augenblick ergreift, das ist der rechte Mann.
                [Faust I, 1. Teil, Studierzimmer, Mephisto]

Wer überwindet, der gewinnt. [Faust I, Spaziergang]

Am Golde hängt doch alles. Ach wir Armen! [Faust I, Abend, Margarethe]

Die Erfahrung nutzt erst der Wissenschaft, sodann schadet sie, weil die Erfahrung Gesetz und Ausnahme gewahr werden lässt. Der Durchschnitt von beiden gibt keineswegs das Wahre.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)


Es gibt keine Größe, wo nicht Schlichtheit, Güte und Wahrheit sind.

Leo Tolstai (1828 - 1910)


Gewohnheit, Sitte und Brauch sind stärker als die Wahrheit.

Voltaire (1694 - 1778)


Wir bezahlen neue Erfahrungen so teuer, - weil wir die alten nicht verwerten.

Gabriel Laub (1928 - 1998)


Große Neuheiten, ob in der Kunst oder der Literatur, in der Wissenschaft oder der Natur, erobern die Welt nur selten im Sturm. Ehe man sie bewerten kann, muss man sie begriffen haben, und ehe man sie begreifen kann, muss man sich ihnen gewidmet haben.

Clarence E. Dutton (Geograph, 1882)




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Siehe auch:  »Zitate-Archiv«  |  »Albert Einsteins Weisheiten und Ansichten«  |  »CARTOONS live«

www.liss-kompendium.de/zitate/lebensregeln.htm  © 2003 by Eberhard Liß - aktualisiert: 03/14