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» Religion und Kirche « - ein Zitate-Archiv

Teil 4:  Zitate zu 'Dogma und Amtskirche'
und Essay »Dogma und Wahrheitsfindung«


Von der rechten Art und Weise zu beten

5. Und wenn du betest, sollst du nicht seyn
wie die Heuchler, die da gerne stehen und
beten in den Schulen, und an den Ecken
auf den Gassen, auf dass sie von den Leuten
gesehen werden. Wahrlich, ich sage
euch: Sie haben ihren Lohn dahin.

6. Wenn aber Du betest, so gehe in dein
Kämmerlein, und schließe die Thür zu, und
bete zu deinem Vater im Verborgenen;
und dein Vater, der in das Verborgene
siehet, wird dirs vergelten öffentlich.

7. Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht
viel plappern, wie die Heiden; denn sie
meinen, sie werden erhöret, wenn sie viele
Worte machen.

Bergpredigt, Evangelium Matthäi 5-7, Luther-Bibel, Dresden 1866


Der Glaube an die Unsterblichkeit der menschlichen Seele ist ein Dogma, welches mit den sichersten Erfahrungssätzen der modernen Naturwissenschaft in unlösbarem Widerspruch steht. [Die Welträtsel, 1918, S. 222]

Das menschliche "Gemütsbedürfnis" hält den Unsterblichkeitsglauben besonders aus zwei Gründen fest, erstens in der Hoffnung auf ein besseres zukünftiges Leben im Jenseits und zweitens in der Hoffnung auf Wiedersehen der teueren Lieben und Freunde, welche uns der Tod hier entrissen hat. [ebenda, S. 218]

Die Vorstellungen der meisten Menschen über dieses "selige Leben im Jenseits" sind höchst seltsam und um so sonderbarer, als darin die "immaterielle Seele" sich an höchstmateriellen Genüssen erfreut. Die Phantasie jeder gläubigen Person gestaltet sich diese permanente Herrlichkeit entsprechend ihren persönlichen Wünschen. [ebernda, S. 219]

Kurz, jeder Gläubige erwartet von seinem ewigen Leben in Wahrheit eine direkte Fortsetzung seines individuellen Erdendaseins, nur in einer bedeutend "vermehrten und verbesserten Auflage". [ebenda, S. 219]

Ebenso unhaltbar erscheint uns heute im Lichte der reinen Vernunft der anthropistische Mythus vom "jüngsten Gericht", von der Scheidung aller Menschenseelen in zwei große Haufen, von denen der eine zu den  e w i g e n  Freuden des Paradieses, der andere zu den  e w i g e n  Qualen desr Hölle bestimmt ist - und das von einem persönlichen Gotte, welcher "der Vater der Liebe" ist! Hat doch dieser liebende Allvater selbst die Bedingungen der Vererbung und Anpassung "geschaffen", unter denen sich einerseits die bestvorzugten Glücklichen  n o t w e n d i g  zu straflosen Seeligen, andererseits die unglücklichen Armen und Elenden ebenso  n o t w e n d i g  zu strafwürdigen Verdammten entwickeln mussten. [ebena, S. 221/222]

Der christliche Glaube an die Schöpfung, die Dreieinigkeit Gottes, an die unbefleckte Empfängnis Mariä, an die Erlösung, die Auferstehung und Himmelfahrt Christi usw. ist ebenso reine Dichtung und kann ebensowenig mit der vernünftigen Naturerkenntnis in Einklang gebracht werden, als die verschiedenene Dogmen der mohammedanischen und mosaischen, der buddhistischen und brahmanischen Religion. Jede von diesen Religionen ist für den wahrhaft "Gläubigen" eine zweifellose Wahrheit, und jede von ihnen betrachtet jede andere Glaubenslehre als Ketzerei und verderblichen Irrtum. Je mehr eine bestimmte Konfession sich für die "allein selig machende" hält - für die "katholische" - und je inniger diese Überzeugung als heiligste Herzenssache verteidigt wird, desto eifriger muss sie naturgemäß alle anderen Konfessionen bekämpfen, und desto fanatischer gestalten sich die fürchterlichen Glaubenskriege, welche die traurigsten Blätter im Buche der Kulturgeschichte bilden. [ebenda, S. 325]

Ernst Haeckel, Naturforscher (1834-1919) - aus: Die Welträtsel


Aufklärung ist heute von größter Wichtigkeit, niemand kann etwas dabei zu befürchten haben, wenn es heller in den Köpfen der Menschen wird - als vielleicht diejenigen, deren Interesse es ist, dass es dunkel darin sei und bleibe. Sie werden auch künftig, wie bisher, ihr möglichstes tun, alle Öffnungen, Fenster und Ritzen, wodurch Licht in die Welt kommen kann, zu verbauen, zu vernageln und zuzustopfen.

Christoph Martin Wieland, Dichter (1733 - 1813)


Das Volk will durchaus, dass man es täusche, man kann auf andere Weise gar nicht mit ihm verkehren... Ich meinesteils werde stets Philosoph sein für mich, aber Priester in bezug auf das Volk.

Synesius von Cyrene, Bischof (um 400)


Glaubensbekenntnisse werden akzeptiert, nicht weil sie vernünftig sind,
sondern weil sie wiederholt werden.

Oscar Wilde, Schriftsteller (1854-1900)



Was an der Haltung beider Kirchen auffällt, ist ihre heraushängende Zunge. Atemlos jappend laufen sie hinter der Zeit her, auf dass ihnen ja niemand entwische. Wir auch, wir auch! Nicht mehr wie vor Jahrhunderten: Wir! - Sozialismus? Wir auch. Jugendbewegung? Wir auch. Sport? Wir auch. Diese Kirchen schaffen nichts, sie wandeln das von anderen Geschaffene, das bei anderen Entwickelte in Elemente um, die ihnen nützlich sein können.

Was die Kirche nicht verhindern kann, das segnet sie.

Die Kirche rollt durch die neue Zeit dahin wie ein rohes Ei. So etwas von Empfindlichkeit war überhaupt noch nicht da. Ein scharfes Wort, und ein ganzes Geheul bricht über unsereinen herein: Wir sind verletzt! Wehe! Sakrileg! Unsere religiösen Empfindungen... Und die unseren-? Halten Sie es für richtig, wenn fortgesetzt eine breite Schicht des deutschen Volkes als "sittenlos", "lasterhaft", "heidnisch" hingestellt und mit Vokabeln gebrandmarkt wird, die nur deshalb nicht treffen, weil sie einer vergangenen Zeit entlehnt sind? Nehmt ihr auf unsere Empfindungen Rücksicht? Ich zum Beispiel fühle mich verletzt, wenn ich einen katholischen Geistlichen vor Soldaten sehe, munter und frisch zum Mord hetzend, das Wort der Liebe in das Wort des Staates umfälschend - ich mag es nicht hören. Wer nimmt darauf Rücksicht?

Auf Betreiben der katholischen Kirche, die manche ihrer Positionen wanken sieht, - keine Angst, wir sind in Deutschland! - lässt sich Rom neuerdings mit vielen Paragraphen schützen: eine Frömmigkeit hinter dem Stacheldraht der Gesetze. Das Wort: Die Gottlosen kommen! geht um. Aber eine so gute Propaganda, wie sie die Kirche gegen die Kirche macht, können wir gar nicht erfinden. Und ich weiß viele, die mit mir denken: Wir sind aus der Kirche ausgetreten, weil wir es nicht länger mitansehn konnten. Wir sind zu fromm.

Kurt Tucholsky, Schriftsteller (1890-1935)


Papst Johannes Paul II. hat 1981 den CERN besucht. Er fand unsere Forschung höchstinteressant und in keiner Weise im Konflikt mit der Bibel. Vor einigen Jahren hat der Vatikan eine Theologenkommission eingesetzt, die ebenfalls feststellte, dass weder die Urknall- noch die Evolutionstheorie der katholischen Schöpfungslehre widersprechen. Man dürfe die Urtexte der Bibel nur nicht zu eng interpretieren, und das Buch Genesis sei eher metaphorisch zu verstehen. Der Vorsitzende dieser Kommisssion war übrigens Kardinal Ratzinger, der heutige Papst. ...
Nach Ansicht der Kommission trägt Gott die Verantwortlichkeit für die Situation vor dem Urknall. Außerdem hat er die Naturgesetze geschaffen, die es der Materie ermöglichen, sich in einer Weise zu organisieren, die für die Entstehung und den Bestand lebender Organismen notwendig waren. Das ist eine für uns Physiker akzeptable Interpretation, da wir aus unseren heutigen Modellen nicht erkennen können, ob Gott während des Urknalls seine Hände im Spiel hatte. Es sieht aber ganz so aus, als hätte er sich danach mit seinen Eingriffen in die Natur sehr zurückgehalten.

Rolf Landua, Physiker, Abteilungsleiter am Europäischen Kernforschungszentrum (CERN) in Genf,
aus: »Am Rande der Dimensionen - Gespräche über die Physik am CERN«, Suhrkamp 2008, S. 90


Das Christentum ist nicht mehr der kulturelle Leim einer ganzen Gesellschaft, sondern nur noch ein Ferment darin. Ein Menschenrecht namens Religionsfreiheit hat sich durchgesetzt. Vom 17. bis zum 19. Jahrhundert ist es von Freigeistern, Aufklärern, Bürger- und Arbeitervereinen mühsam erkämpft worden - gegen erbitterten kirchlichen Widerstand. Seit aber die kirchliche Macht nicht mehr ausreicht, es zu verhindern, gehören die Kirchen zu denen, die es am lautesten für sich reklamieren. Wir wollen nur das Recht, unsern Glauben praktizieren zu dürfen wie jede andere Religionsgemeinschaft auch, beteuern sie. Doch wenn sie "Recht" sagen, meinen sie "Vorrecht". Eintreibung der Kirchensteuer durch den Staat, christlicher Religionsunterricht als reguläres Schulfach, konfessionsgebundene Theologie im gleichen wissenschaftlichen Rang an der Universität wie Physik, Mathematik oder Soziologie: all das, was in unserm Kulturkreis sämtlichen andern Glaubensgemeinschaften im Namen der Religionsfreiheit verwehrt wird und was die Großkirchen nur dürfen, weil sie es früher durften, als sie für das Menschenrecht der Religionsfreiheit noch der größte Hemmschuh waren, das soll ihnen selbstverständlich bleiben.

Christoph Türcke, Theologe


Die Kirche hat mit Hilfe ihrer Buß- und Beichtordnung das mittelalterliche Europa domestiziert.

Max Weber, Soziologe (1864-1920)


In zwei, drei Jahrhunderten wird anerkannt werden, dass die fähigen Kopfjäger alle Christen sind.

Mark Twain, Schriftsteller (1835-1910)



Die Geschichte der christlichen Theologie ist die Leidensgeschichte des Christus; nicht nur einmal ist dieser von den Theologen gekreuzigt worden.

Fritz Buri, Theologe


Religiöse Verfolgung mag sich unter dem Deckmantel einer törichten und übereifrigen Frömmigkeit verbergen.

Edmund Burke, Politiker (1729-1797)



Die christliche Ideologie hat nicht wenig zur Unterdrückung der Frau beigetragen.

Simone de Beauvoir, Schriftstellerin (1908-1986)


Auch sie (die Ehe) basiert auf demselben Akt wie die Hurerei. Darum ist es das Beste für den Menschen, kein Weib zu berühren.

Quintus Tertullian, Kirchenschriftsteller (um 160-225)


Die Frau muss das Haupt verhüllen, weil sie nicht das Ebenbild Gottes ist.

Ambrosius, Kirchenlehrer (339-?)


Die größte Wohltat, die man einem Menschen erweisen kann, besteht darin, dass man ihn vom Irrtum zur Wahrheit führt.

Das Weib verhält sich zum Mann wie das Unvollkommene und Defekte (imperfectum, deficiens) zum Vollkommenen (perfectum).

Thomas von Aquin, Theologe (1225-1274)


Im Lügen und betrügen hat das Weib den Vorzug über alles, was da kann verlogen, betrogen und arglistig sein." In der gleichen, schriftlich dokumentierten Predigt in St. Michael, München, wird weiter ausgeführt, dass die Frauen "so wenig Hirn haben als ein Strohputz auf dem Acker, der für die Vogelschau ist hinausgestellt worden". ... "Ich rufe auf Befehl Gottes und so laut ich nur kann, lasset die Hexen nicht leben, mit Feuer und Schwert ist diese menschliche Pest vertilgen.

Georg Stengel, Jesuit (geb. 1584)


Vielleicht wird uns hier klar, warum wir vorhin auf den engen Zusammenhang des Weibes mit dem Tier aufmerksam machten: Sexualität führt zur Bestialität.

Rudolf Graber, Bischof (geb. 1903)


Es war und ist das Geschäft der Religion, Gott und den Menschen gegeneinander auszuspielen. Niemand verstand und versteht es so wie die christliche Kirche, den Menschen mit Schuldgefühlen unter Spannung zu bringen. Ist der Druck auf einem kaum noch erträglichen Höhepunkt getrieben, konnten und können die Kirchen mit dem Gnadenmittel der Sündenvergebung zur Stelle sein. Vor allem die Kirche selbst fand so einen Weg, die christliche Lehre nicht zu befolgen und dennoch von den Folgen dieses Nichtbefolgens freigestellt, "erlöst" zu werden.

Rudolf Augstein (aus: DER SPIEGEL 21/1999)


...Einzig das Christentum hat das Folter- und Hinrichtungswerkzeug des Kreuzes zu seinem Symbol erhoben, das Wohn-, Schul-, Kranken- und Gerichtsräume "schmückt". ... Das Christentum zog dann auch von Anfang an eine blutige Spur durch die Geschichte, wie keine andere Religion.

Ernst von Xylander, Psychologe (1922-1998)


Die christliche Theologie ist die Großmutter des Bolschewismus.

Oswald Spengler, Philosoph (1880-1936)


Wie der dogmatische Apparat ein Kerker für den Verstand ist, so ist die Beichte ein Kerker für den ganzen Menschen.

In Zeiten blinden und unwissenden Glaubens hat die Kirche festgesetzt, dass die Schriften, besonders die des Neuen Testaments, vollständig als authentisch und wahrhaftig zu gelten haben. Heute kann sie daher nicht mehr umkehren. Die Ergebnisse der modernen Wissenschaft müssen abgelehnt, als falsch bewiesen werden. Andererseits müssen die irrigen Entscheidungen der Kirche als wahr bewiesen werden. Deshalb muss man glauben, dass schwarz weiß ist.

...es überrascht, in welchem Ausmaß und mit welcher Peinlichkeit sich die führende Geistlichkeit mit solchen Fragen auseinandersetzt...Ohne weiteres kann man behaupten, dass es kaum ein unflätiges Buch gibt, das unter diesem Aspekt schlimmer wäre als eine moraltheologische Abhandlung.

Die Enzykliken gehen immer von abstrakten, ganz allgemeinen Betrachtungen aus. (Die Gewalt komme von Gott, nicht vom Volk... Gehorsam gegenüber der Obrigkeit sei notwendig; alle Übel rührten von der Trennung der Menschen von Gott und der Kirche her, usw.).

Wenn die Päpste dann zum Kern der Frage kommen, reden sie darumherum. Sie nennen kein wesentliches Mittel, das den Grund für die Missstände träfe.

Es ist eine Tatsache, dass niemals eine Verurteilung, niemals eine Exkommunizierung gegen das Regime Hitlers ausgesprochen worden ist, nicht einmal, als dieser und seine Partei in den Konzentrationslagern Millionen von Menschen umbrachten.

Alighiero Tondi, ehem. päpstl. Theologe


Zum Geburtstag des Führers

In Treue und Eintracht begeht die deutsche Nation am 20. April den 51. Geburtstag des Führers, der uns wieder mit ganzer Bewusstseinskraft die geschichtliche Größe und Bedeutung des Wandels vergegenwärtigt, der durch den Führer und sein Werk vollzogen worden ist. Dass der Geburtstag des Führers diesmal im Kriege begangen werden muss, lässt die Größe und Bedeutung dieses Wandels nur um so stärker hervortreten, da dieser Krieg unbestrittenermaßen nur entfesselt worden ist, um diesen Wandel in allen seinen Teilen wieder rückgängig und zunichte zu machen. Für die Gesamtheit der Deutschen ist der Führer die Verkörperung des deutschen Lebenswillens, der deutschen Hingabe an die Aufgabe und Sendung der Nation im Raume unseres Erdteiles, des leidenschaftlichen Einsatzes der eigenen Persönlichkeit für die Ehre und Wohlfahrt des Vaterlandes. Der wahre Christ sieht durch die Kraft seines Glaubens in allem Erdengeschehen das Walten göttlicher Führung und Fügung. Deshalb gilt an dem Tage, da der Führer ein neues Lebensjahr beginnt, sein erster und getreulichster Dank dem allmächtigen und allgütigen Gott, der durch die Hand des Führers das deutsche Volk aus dem Leben der Verelendung und Knechtschaft errettet hat und es die Tage seiner Wiedererhöhung erleben ließ. Im gleichen Atemzuge gilt sein Gebet dem Leben und Wirken des Mannes, den Gott zu seinem Willensvollstrecker erhoben hat, ihn gegen die Nachstellungen seiner Feinde siegreich beschützend. Und mit diesem Gebete vereinigt sich das Bekenntnis zu treuer, aufrechter und entschlossener Gefolgschaft. W. P.

Katholisches Kirchenblatt für das Bistum Augsburg, Titelseite 21.4.1940


Gott hat es zugelassen, dass das Vergeltungsschwert gegen England in unsere Hände gelegt wurde. Wir sind die Vollzieher seines gerechten göttlichen Willens.

Katholisches Kirchenblatt für das nördl. Münsterland 9.3.1941


Es gibt nur wenige Männer...und zu diesen großen Männern gehört unstreitig der Mann, der heute seinen 52.Geburtstag feiert - Adolf Hitler -. Am heutigen Tag versprechen wir ihm, dass wir alle Kräfte zur Verfügung stellen, damit unser Volk den Platz in der Welt gewinnt, der ihm gebührt.

Katholische Kirchenzeitung der Erzdiözese Köln 20.4.1941


Wir haben immer wieder und noch im Hirtenbrief des Sommers unsere Gläubigen zu treuer Pflichterfüllung, zu tapferem Ausharren, opferbereitem Arbeiten und Kämpfen im Dienste unseres Volkes in schwerster Kriegszeit eindringlichst aufgerufen. Mit Genugtuung verfolgen wir den Kampf gegen die Macht des Bolschewismus, vor dem wir deutschen Bischöfe in zahlreichen Hirtenbriefen vom Jahre 1921 bis 1936 die Katholiken Deutschlands gewarnt und zur Wachsamkeit aufgerufen haben, wie der Reichsregierung bekannt ist.

aus einer Denkschrift aller katholischen Bischöfe Deutschlands vom 10.12.1941


Ein Sieg über den Bolschewismus wäre gleichbedeutend mit dem Triumph der Lehren Jesu über die der Ungläubigen.

Die deutschen katholischen Bischöfe im Jahre 1942


Allmächtiger Vater, der Du die Gebete jener erhörst, die Dich lieben, wir bitten Dich, denen beizustehen, die sich in die Höhen Deines Himmels wagen und den Kampf zu unseren Feinden vortragen. ... Wir werden im Vertrauen auf Dich weiter unseren Weg gehen.

Gebet eines christlichen Geistlichen vor dem Abwurf der Atombombe auf Hiroshima -
zum "Schutz" der amerikanischen Bomberbesatzung
Die Kirche segnete beide Atombomben der USA (auf Hiroshima und Nagasaki am 6./9.08.1945).


Klerus und Krieg: man kann auch den Mantel der Nächstenlieb nach dem Wind hängen.

Was kann durch einen Weltkrieg entschieden werden? Nicht mehr, als dass das Christentum zu schwach war, ihn zu verhindern.

Der Teufel ist ein Optimist, wenn er glaubt, dass er die Menschen schlechter machen kann.

Humanität, Bildung und Freiheit sind kostbare Güter, die mit Blut, Verstand und Menschenwürde nicht teuer genug erkauft sind.

Karl Kraus, Schriftsteller (1874-1936)



Neuer Glaube

(Dieses Gedicht fehlt in fast allen Ausgaben
von Storms "Sämtlichen Werken"!)

Größer werden die Menschen nicht.
Doch unter den Menschen
größer und größer wächst
die Welt des Gedankens.
Strengeres fordert jeglicher Tag
von den Lebenden.
Und so sehen es alle,
die zu sehen verstehen:

Aus dem Glauben des Kreuzes
bricht ein andrer hervor;
selbstloser und größer.
Dessen Gebot wird sein:
Edel lebe und schön,
ohne Hoffnung künftigen Seins
und ohne Vergeltung,
nur um der Schönheit des Lebens willen.


Kruzifixus

Am Kreuz hing sein gequält Gebeine,
Mit Blut besudelt und geschmäht,
Dann hat die stets jungfräulich reine
Natur das Schreckensbild verweht.

Doch die sich seine Jünger nannten,
Die formten es in Erz und Stein
Und stellten's in des Tempels Düster
Und in die lichte Flur hinein.

So, jedem reinen Aug' ein Schauder,
Ragt es hinein in unsere Zeit,
Verewigend den alten Frevel,
Ein Bild der Unversöhnlichkeit.

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Der Glaube ist zum Ruhen gut,
Doch bringt er nicht von der Stelle;
Der Zweifel in ehrlicher Männerfaust,
Der sprengt die Pforten der Hölle.



Ein Sterbender

Was ich gefehlt, des e i n e n bin ich frei;
Gefangen gab ich niemals die Vernunft,
Auch um die lockendste Verheißung nicht;
Was übrig ist, - ich harre in Geduld.

Auch bleib der Priester meinem Sarge fern;
Zwar sind es Worte, die der Wind verweht,
Doch will es sich nicht schicken, dass Protest
Gepredigt werde dem, was ich gewesen,
Indem ich ruh' im Bann des ew'gen Schweigens.

Theodor Storm, Dichter (1817-1888)





Spruchweisheiten


Wer sich an die Kirche lehnt, dem
fällt leicht ein Götze auf den Kopf.

Es sind nicht alle fromm, die in die Kirche gehen.

Wer's kann tut's, wer's nicht kann lehrt's.

Ich tue als ein guter Christ
Nicht mehr, als mir befohlen ist.

Der Gott, der Eisen wachsen ließ,
der wollte keine Knechte!

Hilf dir selbst, so hilft dir Gott.

Wer's nicht glaubt, ist drum kein Ketzer.

Glauben ist leichter als Denken.


Wer am meisten weiß, am wenigsten glaubt.

Toskanisches Sprichwort





Ideologiekritische Einsicht

Für einen wissenschaftlich arbeitenden Menschen, der alles versucht zu verstehen, das Leben, die Umwelt, die Menschen, ist die verklausulierte Religion keine Alternative. Aber für die Bereiche, wo es den Menschen versagt ist, die Zusammenhänge zu verstehen, kann die Religion ein Erklärungsersatz sein. Daneben hat die Religion noch den Nachteil, dass sie als frühere Staatsreligion Vereinscharakter bei uns hat mit Traditionen und Zeremonien und vielen alten Anschauungen. Der Mensch, der "immer strebend sich bemüht", braucht nicht unbedingt aktives Mitglied der Kirche zu sein, um Gemüt, Herz und Toleranz im Sinne der Menschlichkeit zu praktizieren. Ich finde, dass ich in meiner Freiheit (bes. geistiger) noch mehr beschränkt würde, was übrigens auch das machtorientierte Ziel aller Religionen bisher war, weil die Verwaltung und Organisation der Religionsgemeinschaften natürlich von Menschen (und nicht von Heiligen) durchgeführt wurde und wird.

Eberhard Liß (Brief vom 29.10.1978, an die Eltern)



Dogma und Wahrheitsfindung

1. Kognitive Kritik dogmatischer Theorien und Ideologien

Der "glaubende" Mensch deutet das für ihn Unerklärliche mit angenommenen 'irrationalen' Behauptungen aus anthropozentrischer Sicht. Geglaubt werden unbeweisbare Postulate als 'göttliche Offenbarungen', z. B. übernommene Glaubenssätze traditioneller Religionen.
Zur Beantwortung von Lebensfragen der Sinnsuche dienen auch transzendente Axiome neuerer Ideologien, die als "verführerische" Theorien machtpolitische Bedeutung mit gefährlichen Auswirkungen erlangen können.

Dogmatische Theorien basieren auf unwissenschaftlich (traditionell oder autoritär) definierten Grundsätzen, die nicht rational begründbar sind und nicht intersubjektiv überprüft werden können. Ideologien sind falsche Theorien über die Wirklichkeit (Weltanschaungen), die von partikulären Interessen (meist der Herrschenden) ausgehend demagogisch bestimmt werden und unwissenschaftlichen (dogmatischen) Theorien entsprechen.
Eine Theorie ist genau dann "wissenschaftlich", wenn sie so formuliert ist, dass sie an der Erfahrung scheitern kann (d. h. dass sie falsifizierbar ist). Solange eine wissenschaftliche Theorie nicht empirisch widerlegt ist, gilt sie als vorläufig bestätigt und 'bisher bewährt', d. h. als 'relativ wahr' (vgl. Zitate von Karl R. Popper unter 2.).
Nach Popper ist unser Wissen nur "Vermutungswissen" und bestimmt 'ungewisse' Theorien, die hinsichtlich einer gesicherten Richtigkeit (Gültigkeit, Wahrheit) nicht verifizierbar sind. Die Gewissheit für eine theoretisch angenommene Gesetzmäßigkeit (hypothetische Wahrheit) ist nicht durch empirische Verallgemeinerung (induktiv) beweisbar, weil mögliche Gegenbeweise für die Zukunft nicht ausgeschlossen werden können (vgl. Induktionsproblem).

Eine "dogmatische" (nicht-wissenschaftliche) Theorie ist wegen ihrer Postulate und Axiome nicht empirisch falsifizierbar, d. h. sie kann nicht durch Überprüfung an der Wirklichkeit (Bewährungsprobe) mit realistischen Erfahrungen widerlegt werden, obwohl sie prinzipiell falsch sein kann (vgl. Abgrenzungsproblem). Eine dogmatische Theorie ist ungewiss (vage) und entspricht einer "unerwiesenen" Behauptung (These) mit zweifelhafter Glaubwürdigkeit. Sie kann aber von 'überzeugten' Menschen geglaubt und für wahr gehalten werden.
Prinzipiell zu bezweifeln ist die Glaubwürdigkeit (Wahrheit) von dogmatischen Theorien aufgrund von religiösen Axiomen und traditionellen Glaubenssätzen, die gegenüber Gegenbeweisen immun sind (z. B. postulierte "göttliche Offenbarungen", fiktive Berichte von "gläubigen" Menschen).
Bisher fehlt ein stichhaltiger Gottesbeweis, obwohl viele Kirchenvertreter und Philosophen ihre Überzeugungen theologisch begründet haben (vgl. Thomas von Aquin, Duns Scotus u. a.). Aber schon William Ockham (1295-1349) und später Immanuel Kant (1724-1804) hielten die Existenz Gottes für unbeweisbar (mittels der Vernunft). Andererseits ist die Nichtexistenz Gottes ebenso wie die Nichtexistenz eines Gegenstandes nicht logisch beweisbar.
Sogar Martin Luther (1483-1546) meinte: "Die Vernunft ist das größte Hindernis in Bezug auf den Glauben, weil alles Göttliche ihr ungereimt zu sein scheint, dass ich nicht sage, dummes Zeug." [aus seinen Tischreden]

Die alten Überlieferungen der Bibel betreffen monotheistische Behauptungen über nur einen allmächtigen Gott als Weltschöpfer und allwissenden Herrn über die Menschen, der diese gemäß seiner Beurteilung bestrafen und richten kann (anthropozentrische Sichtweise):
Dieser "Gott der Herr" beherrscht die Welt und weis von allem - auch von großer Not und dem Elend vieler Menschen (z. B. unverschuldetes Leid durch Unglücke oder Katastrophen). Trotzdem soll er als "Lieber Gott" gelobt und gepriesen werden, wozu viele rituelle Handlungen und routinemäßig zu wiederholende Gebete traditionell weitergegeben werden. Inbrünstige Gebete, Fürbitten und Hilferufe sollen den Kontakt mit mindestens einem Gott (Dreieinigkeit) ermöglichen, - sogar mit Bildern, Reliquien und Statuen von 'Heiligen' (d. h. von ihrer Kirche heilig gesprochenen Gläubigen).
Die Gläubigen müssen ihren verehrten Gott fürchten, weil er jeden Menschen beobachtet, ihn prüfen und verurteilen kann, indem er Opfer verlangt bzw. brutale Strafen erteilt (vgl. Sintflut, Vernichtung von Städten und Völkern, auch Plagen und Katastrophen). - Gemäß Bibel befahl Gott dem auserwälten Abraham (erster Erzvater Israels), dass er seinen Lieblingssohn Isaak eigenhändig töten soll (nur als eine Treueprüfung!).

Strafbar, d. h. mit Strafe zu sühnen, ist aber nur eine rechtliche Schuld als vorsätzlicher oder fahrlässiger Verstoß gegenüber Gesetzen. Die Rechtmäßigkeit von Strafe gilt eingeschränkt auf schuldfähige 'zurechnungsfähige' Menschen mit Kenntnis der allgemeinen Sorgfaltspflicht und der Gesetze. Dagegen ist eine moralische Schuld für einen durch freie Entscheidung verursachten Schaden bei sich selbst oder bei anderen dann nicht strafbar, wenn die Schuld als bewusster Verstoß gegen sittliche Normen (Gewissen) nicht rechtlicher Natur ist.
Eine moralische Schuld im religiösen Sinne wird als Verfehlung gegen Gott (der Liebe) aufgefasst, die nur durch dessen Gnade "vergeben" (aufgehoben) werden kann, wenn er darum gebeten wird. Nur Gläubige können so von ihren "bereuten Sünden" frei gesprochen werden, - auch in Vertretung Gottes durch katholische Priester nach der Beichte.

Der biblische Gott bedauerte seine Erschaffung des "gottähnlichen" Adam (="Mensch", Eva="Leben" auf Hebräisch, Erstes Buch Mose) aufgrund Adams Verfehlung, vom verbotenen Baum der Erkenntnis zu essen. Seit diesem "Sündenfall" (Resultat der Versuchung einer teuflischen Schlange) ist die gesamte Menschheit mit einer postulierten "Erbsünde" belastet, d. h. mit einer Anlage für freies Wollen des Bösen und Ausschluss von der übernatürlichen Seligkeit (d. h. Unsterblichkeit, Leidensunfähigkeit, klare Erkenntnis, keine Begierde). Die Erbsünde gilt als Voraussetzung für die christliche Erlösungslehre.

Mit dem Postulat einer menschlichen Willensfreiheit für sittliches Verhalten, d. h. der freien Wahl zwischen 'gut und böse' beim bewussten Entscheiden, steht die christliche Ethik im Widerspruch zu neueren Ergebnissen der Hirnforschung hinsichtlich genetischer Anlagen für das Unbewusste, dessen 'Macht' bewusste Willensakte stark einschränkt. Das entspricht der klassischen griechischen Auffassung zur Begründung von menschlichen Fehlhandlungen durch eine 'Schwäche der Vernunft' gegenüber der Leidenschaft. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse zur untersuchten Problematik des 'freien Willens' betreffen spezifizierbare Bedingungen (im Unbewussten) für die Einschränkung der Verantwortlichkeit des (meist unbewusst) handelnden Menschen, weshalb juristische und auch moralische Schuldzuweisungen kritischer beurteilt werden müssen.
Der "relativ freie" Wille ist ein Bewusstseinsphänomen für 'mutwillige', zielgerichtet gefällte Entscheidungen des Subjekts im Rahmen seiner Handlungsfreiheit unter aktuellen Bedingungen, individuell bestimmt von unbewussten Gehirnzuständen.
Für jede 'bewusst gefällte' Entscheidung muss eigene Verantwortung getragen werden, aber weniger für 'unüberlegte', unbewusst bestimmte oder Affekt-Handlungen.
Genetisch vorgegeben sind menschentypische Gehirn-Dispositionen (Anlagen), die individuell ausbildbar sind, insbesondere für wissbegieriges Erkenntnisstreben (Neugier, Fragen), analytisches Urteilsvermögen (Verstand, Kritik), "egoistisches" Vorteilsdenken (Lüge, List, Lust, Schadenfreude) und Geltungsdrang (Eitelkeit, Ehrgeiz, Neid, Hass), steigerbar zu unmoralischem Profitstreben (Habgier, Kriminalität, Ausbeutung) und Herrschsucht (Überwachung, Unterdrückung, Gewalt, Unrecht).
Der Begründer der Soziobiologie, Edward O. Wilson (geb. 1929) schrieb: "Es gibt eine biologische Basis der menschlichen Natur, und die ist für Ethik ebenso relevant wie für Religion. Die Fakten beweisen, dass der Mensch aufgrund dieser biologischen Prädisposition nur ein schmales Spektrum von ethischen Normen anzunehmen bereit ist."
"Weil Vertrautheit und ein gemeinsames Interesse unerlässliche Grundbedingungen für soziale Transaktionen sind, entwickelte sich ein selektives Moralempfinden. ... Der Mensch bringt nur mit Mühe Vertrauen in einen Fremden auf, und wahres Mitgefühl ist ein äußerst seltenes Gut." (aus: Die Einheit des Wissens, W. Goldmann Verlag, München, 2000, S. 351 bzw. 337)

"Gewissen" kann mit einer 'ethisch-moralischen' Bewertungsinstanz im Gehirn erklärt werden (vermutl. orbitofrontaler Cortex), für die aber keine universellen Wertekategorien aus der Menschheitsgeschichte ableitbar sind.
Moralisten und Religionen haben bisher vergeblich versucht, mit ethischen Maximen und normativen Verhaltensregeln für alle Menschen sozialen Frieden zu erreichen.
Historisch gewachsene Wertvorstellungen für ein sinnvolles menschliches Zusammenleben (Moral und Ethik) sind bereits im Altertum als "offenbarte" Gebote Gottes (auch unterschiedlicher Gottheiten) ausgegeben worden, wodurch sie argumentativ unangreifbar gemacht wurden.

Dogmatische Theorien aufgrund von Axiomen (z. B. 'Offenbarungen Gottes' oder irrationale Glaubenssätze) werden gemäß kirchlichen Auslegungen genutzt für demagogische Argumentationen und religiös motivierte Handlungen, die fatale gesellschaftliche Konsequenzen haben können. Ideologische Überzeugungen und fundamentalistische Verheißungen (Seligkeit im Jenseits) führten zu religiös begründeten Diskriminierungen von Menschen (Kampf gegen das Böse) und zu großem Unrecht, Terror und kriegerischen Auseinandersetzungen bis heute (islamistischer "Heiliger Krieg", 8 Kreuzzüge in fast 200 Jahren, Reformationskriege, Judenverfolgungen u. a.).
Die religiösen Missionierungen von Andersgläubigen im Auftrag von Amtskirchen waren oft verbunden mit millitärischen Kolonialisierungen eroberter Länder zwecks ihrer wirtschaftlichen Ausbeutung, - sogar durch Ausrottung ganzer Völker (Indianer Amerikas u. a.).
Machtpolitische Maßnahmen der katholischen Inquisition führten zu Verfolgungen von Ketzern mit grausamen Folterungen und Hexenprozessen (vom 13. bis ins 19. Jahrhundert).

Fundamentalistische Religionsaussagen basieren auf "offenbarten" Behauptungen und als "Gottes Wort" überlieferten Bibelgeschichten, die kritische Fragen und logischen Widerspruch herausfordern. Markante Beispiele für unglaubliche Aussagen sind (bei wörtlicher Auslegung der Bibel):
- die Erschaffung der Welt in nur 5 Tagen und am 6. Tag: Tier und Mensch 'Adam' (geformt aus Erde), als Zugabe seine Eva (geformt aus Adams Rippe bzw. aus Erde, vgl. 2 Varianten der Genesis),
- Mit der 'Vertreibung aus dem Paradies' bestrafte Gott die ersten Menschen, obwohl sie erschaffen waren als "Ebenbild Gottes"(?), - wegen ihres Erkenntnisstrebens und Wissensdrangs (postulierter Sündenfall).
- Gab es auch andere Menschen als die Kinder von Adam und Eva (ihre Söhne: Abel, Kain und Set)? - Woher kamen Kains und Sets Frauen, - waren sie etwa ihre Schwestern (d. h. Inzest)? Gab es auch andere Frauen (ohne Erbsünde)?
- Die Bibel nennt nur wenig Frauennamen und befürwortet die Rechtlosigkeit von Frauen!
- Die alles vernichtende Sintflut konnten nur Noahs Familie (abstammend von Set) und nur die mitgenommenen Tierpaare in der Arche überleben (nach ca. einem Jahr des Abwartens)! - Frage: Vermehrten sich die geretteten Tiere und Menschen durch Inzucht? Wenn "ja" entstammte die Menschheit einem Inzest ausgehend von Noah, - mit der Bevorzugung seines Sohnes Sem vor Ham (Semiten wurden Herren der versklavten Ham-Nachfolger).
- Außerdem enthält die überlieferte Schriftensammlung "Bibel" viele unerklärliche Geschichten von Übernatürlichem und Wundern (im alten und neuen Testament, z. B. unbefleckte Empfängnis Mariä, Heilwunder und Auferstehung Christi), die direkt durch Gott oder mit Gottes Hilfe geschehen sein sollen.
- Nicht nur in der Bibel gibt es Anweisungen und Rechtfertigungen für brutales Vorgehen gegenüber Anders- oder Nichtgläubigen (Agnostiker, Atheisten) als "vom Teufel bessenen" Ketzern (Exorzismus, Missionierung).
Religionen als Ideologien dienten (und dienen weiterhin) zur demagogischen Begründung und fanatischen Unterstützung von Aggressionen, Kriegsmaßnahmen und Terroranschlägen zwecks vorteilsorientierter Bekämpfung von politischen Gegnern, Andersgläubigen oder Atheisten.

Jede "Angstreligion" für Heilsversprechungen unter Androhung von Strafen ist ideologisches Menschenwerk (vgl. überlieferte Bibel-Varianten). Dieses wird antropozentrisch bestimmt durch machtpolitische Interessen und existenzielle Motive, aufgrund individueller Bedürfnisse und Wunschvorstellungen. - Die vielen Kriege der Menschheitsgeschichte waren meist ideologisch bestimmt von massenwirksamen (großen und kleinen) Religionen, die den Eroberern und Regierenden als Machtmittel dienten, - mit vielfältigem Nutzen für die Herrschenden im Bündnis mit der jeweiligen Amtskirche (vgl. Staatsreligionen, schon im Altertum; kriegerische Herrschaft von Päpsten und Kaisern u. a.).

Das religiöse Postulat der "unsterblichen Seele" ermöglicht gläubigen Menschen die Hoffnung auf ein "Weiterleben nach dem Tod". Solch ein wunschgemäßes Axiom dient den vielfältigen Heilslehren (Angstreligionen) zur Verheißung eines ewigen und möglicherweise besseren Lebens im Jenseits (Himmel) als göttliche Belohnung für ein sündenfreies Leben in Demut, aber mit der Androhung von "Gottes Strafe" (Jüngstes Gericht) und sogar von "ewiger Verdammnis" (Hölle). - Außerdem gibt es in sehr alten (pan- oder polytheistischen) Religionen vergleichbare Axiome für "Reinkarnation" (Wiederverkörperung), d. h. die Verheißung von möglicherweise ewigem 'Weiterleben nach dem Tod' in andersartigen Organismen (Wiedergeburt, Seelenwanderung in Tieren oder Pflanzen, auch postuliert als Bestrafung oder Belohnung vorheriger Taten).

Naturwissenschaftliche Erkenntnisse der Menschheit widersprechen fiktiven Behauptungen von Religionen oder Ideologien, insbesondere mystischen Legenden (Wunderglaube) und transzendenten Axiomen (Offenbarungen, Postulate). Logisch unverständlich sind auch Geisterglaube (Ahnen, Engel, Heilige), Aberglaube (Opfer, Tabus) und traditionelle Zeremonien (Riten), die mit der Fantasie von "Halt suchenden" oder "hilflosen" Menschen in Beziehung stehen.
Rituelle Bräuche gibt es für Kindstaufen, Opfergaben, Selbstkasteiungen, Anbetung von Heiligen und Reliquien, auch für Geschäfte mit menschlicher Angst und Ungewissheit (Ablasshandel, Kultobjekte, Engel-Figuren, Passionsspiele und Pilgerreisen).
"Gottes Segen" kann versprochen werden von kirchlichen "Würdenträgern" wie dem Papst als "Stellvertreters Gottes" und von dazu befugten Geistlichen (Bischöfen, Pfarrern u. a.), - nicht nur für Menschen, sondern auch zur Segnung von toten Gegenständen wie Maschinen und Gebäuden, sogar von Waffen und Kriegsmaterial (z. B. Segnung der amerikanischen Atombomben im 2. Weltkrieg)!

Die alten Schriftensammlungen der jüdisch-christlichen Religion (legendäres Menschenwerk aus Jahrhunderten) enthalten widersprüchlich deutbare Gottesvorstellungen und mysteriöse (unlogische) Behauptungen, die als "wahre Offenbarungen Gottes" blind geglaubt werden sollen. Beispiele hierfür sind: die Dreieinigkeit Gottes, d. h. die Trinität von Vater, Sohn und heiligem Geist, und die Doppelnatur Christi: der Jude Jesus als Marias und "Gottes Sohn" (Messias?) predigte gegen Gewalt und Geldgier, für Feindes- und Nächstenliebe, vollbrachte viele Wunder und starb als Märtyrer am Kreuz, ist aber "wieder auferstanden von den Toden" und erschien danach persönlich Maria Magdalena und seinen Jüngern; von da ab "sitzt er zur Rechten Gottes" und soll sogar als "richtender Erlöser" wieder zur Erde zurück kommen, um das "Reich Gottes" zu gründen.

Kirchliche Dogmen, orthodoxe Bibelauslegungen und kreationistische Theorien eines "Intelligent Design" sind konfrontiert mit kosmologischen, archäologischen und biologischen Nachweisen für Theorien zum Universum und zur erdgeschichtlichen Entwicklung der Artenvielfalt bis zum Menschen.
Naturwissenschaftlich begründet wird das Evolutionsprinzip "Variation und Selektion" für die Entstehung und Entwicklung der Arten aufgrund von genetischen Rekombinationen (auch Mutationen) und natürlicher Auslese entsprechend der Darwinschen Evolutionstheorie.
Aus einer Zeit vor 1,5 Millionen Jahren stammen Funde von Frühmenschen (Kulturen in Europa u. a.), die vom Homo erectus abstammen. Der heutige Mensch (Homo sapiens sapiens) wird biologisch gleichgestellt dem Cro-Magnon-Menschen aus der jüngeren Altsteinzeit, der vor ca. 33 000 bis 20 000 Jahren als Jäger und Sammler lebte. Der Neandertaler als ähnliche Homo-Art lebte ca. 3000 Jahre gleichzeitig neben dem Cro Magnon-Menschen und starb vor ca. 30 000 Jahren aus.
Für Kulturen der Frühzeit (schon Stadtstaaten) gibt es überlieferte Nachweise, besonders für Stadtanlagen in Mesopotamien und großartige Bauwerke in Ägypten (vgl. Pyramiden und Hieroglyphen-Schrift seit ca. 3000 v. Chr.), auch für sehr alte Kulturen in Babylonien und Assyrien.

Noch um das Jahr 1825 bekämpften katholische Bischöfe alle wissenschaftlichen Zweifel an ihrer Behauptung, dass eine "gottgewollte" Sintflut (etwa im Jahre 2340 v. Chr.) gewesen sein soll, die alles frühere Leben und Menschenwerk vernichtet hat, ausgenommen die Insassen der Arche Nohas. - Demnach müsste die heutige Menschheit durch Inzucht der Familie Nohas entstanden sein.

Erst im 20. Jahrhundert hat die katholische Kirche widerstrebend eingeräumt, dass die naturwissenschaftlichen Lehren von Kopernikus, Galilei und Darwin sachlich plausibel sind.
Noch um das Jahr 1997 wurde vom Papst Johannes Paul II. die Anerkennung von Darwins Evolutionstheorie eingeschränkt auf den Leib und behauptet, dass die "Seele" von Gott geschaffen ist. Das steht im Gegensatz zu monistischer Aufklärung und wissenschaftlicher Naturerkenntnis (Naturalismus).

Auch im hochtechnisierten 21. Jahrhundert werden viele religiöse Dogmen und Zeremonien administriert bzw. praktiziert, nicht nur von kirchlich Gläubigen, sondern auch von in der Öffentlichkeit stehenden Machthabern. Neuere Beispiele für dogmatische Maßnahmen sind:
- Der im Jahr 2005 verstorbene Papst Johannes Paul II. (aus Polen) kann von seinem Nachfolger Papst Benedikt XVI. (Ratzinger) erst dann "selig" gesprochen werden, wenn ihm eine kirchlicherseits nachzuweisende Wundertat zugeschrieben worden ist.
- Im Jahr 2005 wurde im Vatikan erneut der Exorzismus vom Papst bestätigt. Das bedeutet die kirchliche Zulassung für über 300 "Teufelaustreiber" mit großer Anhängerschaft in Italien.
- Immer wieder werden durch Terroranschläge unschuldige Menschen brutal angegriffen von fanatischen Selbstmördern, meist Moslems, die an eine versprochene Belohnung im Jenseits glauben (vgl. "heiliger Krieg" gegen Andersgläubige).

Viele neuere religiöse Konflikte scheinen unvermeidlich zu sein, weil menschliche Ängste, Aberglaube und Irrationalität von fanatischen Religionsführern weiterhin für ihre eigenen Machtinteressen demagogisch ausgenutzt werden können, besonders durch Verheißungen eines "unerschütterlichen" Glaubens, dessen faszinierende Behauptungen über Geisterhaftes und Wunderbares nicht durch empirische Tests widerlegbar sind.

Albert Einstein meinte: "Einen Gott, der die Objekte seines Schaffens belohnt und bestraft, der überhaupt einen Willen hat nach Art desjenigen, den wir an uns selbst erleben, kann ich mir nicht einbilden. Auch ein Individuum, das seinen körperlichen Tod überdauert, mag und kann ich mir nicht denken; mögen schwache Seelen aus Angst oder lächerlichem Egoismus solche Gedanken nähren." [Wie ich die Welt sehe, um 1930]
"Das ethische Verhalten des Menschen ist wirksam auf Mitgefühl, Erziehung und soziale Bindung zu gründen und bedarf keiner religiösen Grundlage. Es stünde traurig um die Menschen, wenn sie durch Furcht vor Strafe und Hoffnung auf Belohnung nach dem Tode gebändigt werden müssten." [Religion und Wissenschaft, Nov. 1930]

Fazit: Die vielen unterschiedlichen Religionen und Ideologien der Menschheit basieren auf durch evolutionäre Anpassung entstandenen Glaubenssätzen als transzendenten Axiomen, deren angenommene Wahrheit unbewiesen ist und für die logische Begründungen fehlen. Wissenschaftlich inakzeptabel sind religionsspezifische Behauptungen mit dogmatischem Wahrheitsanspruch, die keinen Zweifel zulassen, obwohl sie oft widersprüchlich sind. Religiöse Postulate dienten oft zur Begründung von praktizierter Intoleranz bei Glaubens- und Machtkämpfen bis hin zu verheerenden Religionskriegen in der Geschichte der Menschheit.


2. Wissenschaftliche Wahrheitsfindung, Erkenntnis und Lernen

Albert Einstein schrieb: "Je weiter die geistige Entwicklung des Menschen vorschreitet, in desto höherem Grade scheint mir zuzutreffen, dass der Weg zu wahrer Religiosität nicht über Daseinsfurcht, Todesfurcht und blinden Glauben sondern über das Streben nach vernünftiger Erkenntnis führt." [1941]

Wissbegierige Menschen streben nach Einsicht durch Erkenntnis und stellen sich grundsätzliche Fragen gemäß ihres modellhaften Weltbildes. Zu beantworten sind philosophische Fragen bei der Warheitssuche. Eine wissenschaftliche Wahrheitsfindung gelingt durch systematische Erforschung wirklicher Sachverhalte hinsichtlich erkennbarer Grundprinzipien (Ursprünge, Regeln).

Prinzipielle Erkenntnisse (als Grunderkenntnisse) können gewonnen werden durch "kognitive" Verallgemeinerung angenommener Regelmäßigkeiten von ursprünglich erfassten, begrifflichen Beziehungen, die aufgefasst werden als erworbene (Grund-)Kenntnisse von grundsätzlich "begriffenen" (abstrahierten) Zusammenhängen situationsspezifischer Faktoren der untersuchten Sachverhalte (Situationen, Konstellationen). Diese entsprechen definierten Naturgesetzen oder Lebensweisheiten, die in Form von prägnanten Aussagen (als Logos-Relationen) ausdrückbar und dadurch kommunikativ mitteilbar sind.

Die bisher unerklärlichen Naturvorgänge können von Menschen fantasiegemäß gedeutet und fiktiv beschrieben werden (Imagination, relativer Wissensstand). Diese sind nicht richtig verstehbar, solange das dafür erfordeliche Wissen fehlt (mangelhafte Einsicht).

Fantasievolle Geschichten und irrationale Fiktionen sind irreal "ersponnene" Dichtungen oder "unwahre" Behauptungen, die mit nachprüfbaren Tatsachen (Fakten) nicht übereinstimmen.

Die Unterscheidung von Fakten und Fiktionen ist nur mit wissenschaftlicher Skepsis durch kritisches Denken möglich, das schwerer fällt als blinder Glaube.

Der sprachbegabte, selbstbezüglich denkende Mensch kann sinnlose und sinnvolle Fragen zu Gegenständen seiner Begriffswelt stellen.
So genannte "letzte" Fragen zu bisher Unerklärlichem, die (noch) nicht mit wissenschaftlicher Begründung beantwortet werden können, sind Gegenstand hypothetischer Deutungen und religiöser Behauptungen.

Wir erkennen und deuten sogar Unerklärliches, - mit modellhaften Vorstellungen.

Traditioneller Glaube an mindestens einen Gott (auch Teufel, Engel und Heilige), an Wunder und göttliche Kreationen zwecks "anthropozentrischer" Gestaltung von Universum und Leben verlangt von Menschen Glaubensbekenntnisse, die nicht wissenschaftlich begründbar sind.

Wer an die Unsterblichkeit seiner Seele glaubt, nimmt sich selbst zu wichtig und ist an seiner Angst vor dem Tod selbst schuld.

Wir glauben zu wissen, wenn wir vermutete Vorstellungen für wahr halten.

Gläubige Menschen lassen sich stark verwundern von (für sie) Unvorhersehbarem oder Unerklärlichem, z. B. ein unerwartetes Phänomen oder zufälliges Zusammentreffen.
Ein vermeintlicher Zufall wird kausal bestimmt durch mindestens ein situationsbedingtes Ereignis, das mit unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit vorkommen kann.

Beeindruckende Zufälle festigen ideologischen Wunderglauben.

Glauben ist kein Wissen und betrifft mental Angenommenes als unbewiesene Behauptung (Postulat, Axiom), die zwar unbegründet aber unwiderlegbar ist und deshalb Hoffnung vermitteln kann.

An Unwahres können wir glauben, aber Wahres können wir wissen.

Wissen ist ein Führwahrhalten von bisher bewährten (begründeten) Kenntnissen, die theoretisch oder praktisch nutzbar sind, besonders für Urteile und (Vor-)Aussagen.

»Von etwas wissen« heißt über erworbene Kenntnisse verfügen, die als begriffliche Beziehungen situationsbedingt erfasst worden sind.

Die Wissenschaft ermöglicht im Unterschied zur Religion eine relative Wahrheitsfindung durch systematische Prüfung theoretischer Argumente zur Begründung von Behauptungen (d. h. Urteilsäußerungen mit Wahrheitsanspruch) aufgrund gewonnener Erkenntnisse von natürlichen Zusammenhängen (d. h. kognitiv erfasster Beziehungen).
Eine dogmatische Ablehnung vernünftiger Argumente für Zweifel an Glaubenssätzen geschieht ohne empirische Überprüfung und sachkundige Kritik. Von "fanatischen" (meist kirchlich organisierten) Religionsvertretern werden Andersdenkende bekämpft (auch kriegerisch) wegen ihrer "atheistischen" oder "ketzerischen" Ansichten.

Der unkritische "blinde" Glaube an dogmatische Theorien steht im Widerspruch zu rationalen Kritiken und wissenschaftlichen Theorien, die empirisch überprüfbar sind und als 'relativ wahr' gelten. Theorien, die auch in Übereinstimmung mit neueren Erkenntnissen wirklich zutreffen oder bestätigt werden, haben sich 'bisher bewährt', aber ohne Gewissheit für ihre künftige Nutzung.

Der namhafte Soziobiologie E. O. Wilson schrieb: "Blinder Glaube, wie leidenschaftlich er auch ausgedrückt sein mag, genügt nicht mehr. Die Wissenschaft ihrerseits wird nicht aufhören, jede einzelne Prämisse über die Conditio humana zu überprüfen, und mit der Zeit wird es ihr gelingen, die Urschichten aller moralischen und religiösen Gefühle freizulegen."
"Ein aufrechter Charakter entspringt einem tieferen Quell als Religion. ... Er unterwirft sich keiner Autorität und ist, obwohl er oft im Einklang mit Religionsgläubigkeit steht und seinerseits von dieser bestärkt wird, nicht blind gottesfürchtig." - vgl. Zitate aus »Ethik und Religion«, Kapitel 11 in Wilsons Buch 'Die Einheit des Wissens', 1998.

Der "forschende" Mensch strebt nach Erkenntnis, vor allem zum Lösen von erkannten Problemen seines (Über-)Lebens. Er erwirbt Kenntnisse von seiner Umwelt und versucht, entdeckte Zusammenhänge mit erfassten Beziehungen zu erklären. Seine theoretischen Erkenntnisse beim Lernen durch Einsicht in prinzipielle Sinn-Zusammenhänge sind hypothetisch und ungewiss. Erst nach ihrer empirischen Bewährung (Erprobung an der Realität) kann mit diesen Erkenntnissen das Erfahrungswissen erweitert oder vervollkommnet werden.
Erworbene Kenntnisse sind (mit-)bestimmend für empirische Urteile, Vorurteile, Erwartungen, Voraussagen oder Vorstellungen.

Lernen durch Einsicht führt zur Theorie. - Erst Lernen aus eigener Erfahrung wird zur Praxis einer Verhaltensänderung.
Wer theoretische Einsicht in reale Zusammenhänge gewinnt und nach praktischer Überprüfung vorteilhaft nutzt, hat hochintelligent gelernt.

Kennzeichnend für mangelhafte Einsicht aufgrund fehlender Kenntnisse (z. B. bei der unerfahrenen Jugend) sind unkontrolliert übernommene "irreale" Vorstellungen (falsche Annahmen) für "unrichtige" (irrige) Einschätzungen oder "unklare" (verschwommene) Ansichten.

Ideale Illusionen und Fiktionen beeindrucken nicht nur Jugendliche, dagegen sind realistische Ansichten und Aufklärungen oft unerfreulich oder wirken belastend als unerwünschte Seinserfahrung.

Durch induktives Lernen (empirische Verallgemeinerung) situationsbedingt erworbene Kenntnisse werden als "bisher bewährtes" Teilwissen mit angenommener Allgemeingültigkeit (ungewisse Regelmäßigkeit) genutzt und solange empirisch erprobt, bis sie falsifiziert werden, z. B. aufgrund veränderter Umweltbedingungen (vgl. Variabilität komplexer Systeme). Mögliche Wissenskorrekturen durch Umlernen und Weiterlernen führen zur schrittweisen Verbesserung des ausbildbaren Erfahrungswissens (relative Wahrheit ohne Gewissheit).

Das philosophische Induktionsproblem betrifft die "angenommene" Allgemeingültigkeit von 'induktiv' (erfahrungsgemäß verallgemeinert) gewonnenen Gesetzen, die als logisch formulierte Regeln oder wissenschaftlich definierte Theorien sprachlich ausgedrückt werden können (deklaratives Wissen).

Auf angenommenen Gesetzmäßígkeiten basierende hypothetische Theorien dienen zur modellhaften Beschreibung von "kognitiv" erfassten Zusammenhängen von untersuchten Sachverhalten der Wirklichkeit.
Eine Theorie oder ein Satz ist dann wahr, wenn der von der Theorie beschriebene Sachverhalt mit der Wirklichkeit übereinstimmt.

Die Wahrheit einer (Vor-)Aussage wird sich nur dann praktisch erweisen, wenn ihre Behauptung mit beobachtbaren (messbaren) Tatsachen begründet werden kann.
Eine Aussage ist nur dann "deduktiv" beweisbar, wenn ihre Behauptung (als Konklusion) aus einem Axiom (als Prämisse) nach logischen Regeln ableitbar ist.

Der Wahrheitsgehalt einer Aussage wird entscheidend dadurch bestimmt, ob sie logisch widerspruchsfrei (konsistent) im Vergleich mit Erfahrungswissen ist.
Eine "wahre" Aussage muss mit Fakten übereinstimmen oder als wirklich zutreffend bestätigt werden (praktische Bewährung).

Wissenschaftliche Wahrheitsfindung erfordert eine kritische Analyse der begrifflich-abstrakten Modellvorstellungen des deklarativen Wissens aufgrund von "kennen gelernten" Zusammenhängen untersuchter Sachverhalte. Dabei müssen sich empirische und theoretische Erkenntnisse, die nutzbar sind für assoziativ erinnerte Vorstellungen und hypothetische Voraussagen, aufgrund von "bestätigenden" Beobachtungen (sinnlichen Wahrnehmungen) praktisch bewähren.

Die Aufgabe einer wissenschaftlichen Wahrheitsfindung geht aus von "geglaubten" Axiomen und "hypothetischen" Theorien, die auch philosophische Fragen betreffen. Dazu findet man folgende Zitate von Karl R. Popper in dem Buch "Alles Leben ist Problemlösen", Piper, München, Zürich, 1994.

1. Zitate-Auswahl - aus dem Rundfunkvortrag "Wissenschaftslehre in entwicklungs-
    theoretischer und in logischer Sicht" (1972):

"Die Überprüfung einer Theorie ist also ein Versuch, die Theorie zu widerlegen oder zu falsifizieren. (S. 26)
"Eine Theorie gehört zur empirischen Wissenschaft dann und nur dann, wenn sie mit möglichen Erfahrungen in Widerspruch steht, also im Prinzip durch Erfahrung falsifizierbar ist." (def. als Falsifizierbarkeitskriterium, S. 36)
"Die Idee der Annäherung an die Wahrheit setzt - wie übrigens auch die Idee der Wahrheit als regulatives Prinzip - eine realistische Weltsicht voraus. Sie setzt nicht voraus, dass die Wirklichkeit so ist, wie sie unsere wissenschaftliche Theorien beschreiben; aber sie setzt voraus, dass es eine Wirklichkeit gibt und dass wir mit unseren Theorien, die unsere selbstgeschaffenen Ideen und daher immer Idealisierungen sind, näher und näher an eine adäquate Beschreibung der Wirklichkeit herankommen können, wenn wir die vierstufige Methode des Versuchs und Irrtums verwenden." (S. 43)
Hinweis: Popper meint sein für die Wissenschaftstheorie charakteristisches Schema:
"1. Das ältere Problem; 2. versuchsweise Theorienbildungen; 3. Eliminationsversuche durch kritische Diskussion, einschließlich experimenteller Überprüfung; 4. die neuen Probleme, die aus der kritischen Diskussion unserer Theorien entspringen." (S. 32)
"Die Wissenschaft ist ein Produktsystem menschlicher Ideen: Soweit hat der Idealismus recht. Aber diese Ideen können an der Wahrscheinlichkeit scheitern. Daher hat letzten Endes der Realismus recht." (S. 44)

2. Zitate-Auswahl - aus dem Essay "Die erkenntnistheoretische Position der Evolutionären
    Erkenntnistheorie"(1986):

"Theorien können wahr und falsch sein. Begriffe können bestenfalls adäquat und schlimmstenfalls irreführend sein. Begriffe sind nicht wichtig, verglichen mit Theorien." (S. 128)
"Wir lernen nur durch Versuch und Irrtum. Unsere Versuche sind aber immer unsere Hypothesen. Sie stammen von uns, nicht von der Außenwelt. Von der Außenwelt lernen wir nur, dass gewisse unsere Versuche Irrtümer sind." (S. 130)
"Das Leben muss von Anfang an die Zukunft der Umwelt in irgendeinem Sinn antizipieren, das heißt, alle diese zukünftigen Umstände der Umwelt. Das sind vielleicht nur Stunden, oder es sind vielleicht Jahrmillionen. Es muss an die zukünftigen Bedingungen der Umwelt angepasst sein; und in diesem Sinn ist das allgemeine Wissen früher da als das momentane Wissen, das besondere Wissen. Von Anfang an muss das Leben ausgestattet gewesen sein mit allgemeinem Wissen, dem Wissen, das wir gewöhnlich Wissen von Naturgesetzen nennen. Selbstverständlich nicht Wissen in dem Sinne von bewusstem Wissen."(S. 134)
"Meine Behauptung in der Erkenntnistheorie geht über alle anderen Erkenntnistheoretiker hinaus, ob nun evolutionär oder kantisch oder nicht-evolutionär: Die allgemeinen Anpassungen gehen den momentanen Anpassungen voraus. Sie sind zuerst da. Sie sind a priori." (S. 136)
Hinweis: Genetisch vorgegeben ist ein "Basis-Wissen" für lebensnotwendige Grundfunktionen (veranlagt, a priori) einer ausbildbaren Gedächtnisstruktur mit Lerndisposition (siehe Essay "Gehirnstrukturen für Lernen und Gedächtnis" unter www.liss-kompendium.de, Rubrik "Natur und Mensch").
"Unser Wahrnehmungswissen ist geleitet nicht nur von dem, was in uns anatomisch und physiologisch eingebaut ist, die Art, wie unser Gehirn alles filtriert und, sagen wir, integriert. Es ist vor allem auch immer wieder geleitet von unseren Zielen und Absichten. ... Also spielen im Leben und im Wahrnehmen unsere Ziele, unsere Wünsche, unsere Präferenzen eine ungeheuere Rolle. Sie bestimmen unsere Interpretationen, und unsere Interpretationen versuchen wir dann zu prüfen, zu verifizieren oder zu falsifizieren." (S. 137 - 138)
"Um zusammenzufassen: Biologisch gesehen besteht also das tierische und das menschliche Wissen in oft unbewussten Erwartungen (oder auch in potentiellen Erwartungen)." (S. 140)
"Unser bestes Wissen ist das Wissen der Wissenschaft, bei weitem unser bestes Wissen; und dennoch ist auch das wissenschaftliche Wissen nur Vermutungswissen." (S. 143)
"Unser aller Aufgabe als denkende Menschen ist die Wahrheitsfindung. ... Wäre die Wahrheit nicht absolut und objektiv, so könnten wir uns nicht irren. Oder unsere Irrtümer wären so gut wie unsere Wahrheit." (S. 143)
"Wir haben dauernd Vermutungen, die von uns geschaffen werden. Diese Vermutungen versuchen wir dauernd mit der Wirklichkeit irgendwie zu konfrontieren und sodann unsere Vermutungen zu verbessern und sie der Wirklichkeit näher zu bringen." (S. 144)

Für Popper ist Wahrheit zwar prinzipiell erreichbar, aber niemals beweisbar. Eine wahre Theorie ist möglich, aber hinsichtlich ihrer Gewissheit (d. h. Gültigkeit für die Zukunft) unbewiesen, - besonders aufgrund von unsicherem Wissen über veränderliche Umweltbedingungen.
Eine Theorie ist genau dann "wissenschaftlich", wenn sie so formuliert ist, dass sie an der Erfahrung scheitern kann (d. h. dass sie falsifizierbar ist). Solange eine wissenschaftliche Theorie nicht empirisch widerlegt ist, gilt sie als vorläufig bestätigt und 'bisher bewährt', d. h. als 'relativ wahr'.

Denkgewohnheiten und Vorurteile basieren auf pragmatischem Teilwissen, das als 'bisher bewährt' solange gilt, bis es durch neue Erfahrungen und Erkenntnisse erweitert und korrigiert werden muss.

Gemäß dem 'Unschärfeprinzip der relativen Wahrheit' (meine Definition) gelten logische (Vor-)Urteile, die in Form von Aussagesätzen mitteilbar und kritisch überprüfbar sind, als 'relativ wahr' aufgrund von bisher bewährten Regeln und bestimmten Ausnahmen für Sonderfälle, aber nur solange diese Regeln nicht verändert werden (durch Lernen oder Umlernen).

Induktive Wahrheitsfindung gelingt durch realitätsnah erworbene Kenntnisse (adäquat erfasste Beziehungen) von wesentlichen Zusammenhängen und ihre konstruktive Einordnung in ausbildbare Begriffsstrukturen korrigierbarer Modellvorstellungen des Erfahrungswissens.

Situationsbedingt erworbene Kenntnisse von erfassten Beziehungen, die als bedingte Relationen einer lernfähigen Gedächtnisstruktur kurz- oder langzeitig 'behalten' werden können, entsprechen 'unsicherem Wissen' mit relativem Wahrheitsgehalt (keine Gewissheit).

Wer beim induktiven Lernen aus beobachteten Einzelfällen angenommene Regelmäßigkeiten verallgemeinert und mit situationsbedingt erworbenen Kenntnissen (bedingten Relationen) von erfassten Beziehungen begründet, kann erlernte (Verhaltens-)Regeln versuchsweise nutzen, auch wenn er keine Gewissheit für seine theoretischen oder praktischen Kenntnisse hat.

»Gewissheit durch Wahrheitsfindung« geben bisher bewährte Kenntnisse von erfassten Beziehungen der Wirklichkeit nur so lange sie bestehen bleiben.

Unser begrenztes Wissen ist unvollständig und nur relativ wahr ohne Gewissheit.

Ein Glaube an die Gewissheit von geprüftem Wissen ist nur dann begründet, wenn alle verfügbaren Quellen zur Wahrheitsfindung kritisch ausgeschöpft worden sind.

Hinweis: Näheres findet man unter www.liss-kompendium.de, Rubrik "Kognitive Logik", z. B. im Essay "Kognitiv-logische Grunderkenntnisse" mit Links zu meinen publizierten Beiträgen.


Eberhard Liß © 7/08 (aktualisiert: 4/10)




Hinweis: Der Herausgeber der Zitate übernimmt keine Gewähr für ihre Vollständigkeit und Richtigkeit.

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