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» Religion und Kirche « - ein Zitate-ArchivTeil 4: Zitate zu 'Dogma und Amtskirche' und Gönnt doch den Wahn dem armen Schlucker, Bist du schon gut, weil du gläubig bist? Paul Heyse, Dichter (1830-1914) Der Glaube an die Unsterblichkeit der menschlichen Seele ist ein Dogma, welches mit den sichersten Erfahrungssätzen der modernen Naturwissenschaft in unlösbarem Widerspruch steht. [Die Welträtsel, 1918, S. 222] Das menschliche "Gemütsbedürfnis" hält den Unsterblichkeitsglauben besonders aus zwei Gründen fest, erstens in der Hoffnung auf ein besseres zukünftiges Leben im Jenseits und zweitens in der Hoffnung auf Wiedersehen der teueren Lieben und Freunde, welche uns der Tod hier entrissen hat. [ebenda, S. 218] Die Vorstellungen der meisten Menschen über dieses "selige Leben im Jenseits" sind höchst seltsam und um so sonderbarer, als darin die "immaterielle Seele" sich an höchstmateriellen Genüssen erfreut. Die Phantasie jeder gläubigen Person gestaltet sich diese permanente Herrlichkeit entsprechend ihren persönlichen Wünschen. [ebernda, S. 219] Kurz, jeder Gläubige erwartet von seinem ewigen Leben in Wahrheit eine direkte Fortsetzung seines individuellen Erdendaseins, nur in einer bedeutend "vermehrten und verbesserten Auflage". [ebenda, S. 219] Ebenso unhaltbar erscheint uns heute im Lichte der reinen Vernunft der anthropistische Mythus vom "jüngsten Gericht", von der Scheidung aller Menschenseelen in zwei große Haufen, von denen der eine zu den e w i g e n Freuden des Paradieses, der andere zu den e w i g e n Qualen desr Hölle bestimmt ist - und das von einem persönlichen Gotte, welcher "der Vater der Liebe" ist! Hat doch dieser liebende Allvater selbst die Bedingungen der Vererbung und Anpassung "geschaffen", unter denen sich einerseits die bestvorzugten Glücklichen n o t w e n d i g zu straflosen Seeligen, andererseits die unglücklichen Armen und Elenden ebenso n o t w e n d i g zu strafwürdigen Verdammten entwickeln mussten. [ebena, S. 221/222] Der christliche Glaube an die Schöpfung, die Dreieinigkeit Gottes, an die unbefleckte Empfängnis Mariä, an die Erlösung, die Auferstehung und Himmelfahrt Christi usw. ist ebenso reine Dichtung und kann ebensowenig mit der vernünftigen Naturerkenntnis in Einklang gebracht werden, als die verschiedenene Dogmen der mohammedanischen und mosaischen, der buddhistischen und brahmanischen Religion. Jede von diesen Religionen ist für den wahrhaft "Gläubigen" eine zweifellose Wahrheit, und jede von ihnen betrachtet jede andere Glaubenslehre als Ketzerei und verderblichen Irrtum. Je mehr eine bestimmte Konfession sich für die "allein selig machende" hält - für die "katholische" - und je inniger diese Überzeugung als heiligste Herzenssache verteidigt wird, desto eifriger muss sie naturgemäß alle anderen Konfessionen bekämpfen, und desto fanatischer gestalten sich die fürchterlichen Glaubenskriege, welche die traurigsten Blätter im Buche der Kulturgeschichte bilden. [ebenda, S. 325] Ernst Haeckel, Naturforscher (1834-1919) - aus: Die Welträtsel Wissenschaft kann nur aus der Selbständigkeit des Menschen ohne Autorität geschehen, Theologie ist keine Wissenschaft weil sie die Autorität als Inhalt ihres Denkens betrachtet. Carl Friedrich von Weizsäcker, Physiker u. Philosoph (geb. 1912) Aufklärung ist heute von größter Wichtigkeit, niemand kann etwas dabei zu befürchten haben, wenn es heller in den Köpfen der Menschen wird - als vielleicht diejenigen, deren Interesse es ist, dass es dunkel darin sei und bleibe. Sie werden auch künftig, wie bisher, ihr möglichstes tun, alle Öffnungen, Fenster und Ritzen, wodurch Licht in die Welt kommen kann, zu verbauen, zu vernageln und zuzustopfen. Christoph Martin Wieland, Dichter (1733 - 1813) Papst Johannes Paul II. hat 1981 den CERN besucht. Er fand unsere Forschung höchstinteressant und in keiner Weise im Konflikt mit der Bibel. Vor einigen Jahren hat der Vatikan eine Theologenkommission eingesetzt, die ebenfalls feststellte, dass weder die Urknall- noch die Evolutionstheorie der katholischen Schöpfungslehre widersprechen. Man dürfe die Urtexte der Bibel nur nicht zu eng interpretieren, und das Buch Genesis sei eher metaphorisch zu verstehen. Der Vorsitzende dieser Kommisssion war übrigens Kardinal Ratzinger, der heutige Papst. ... Rolf Landua, Physiker, Abteilungsleiter am Europäischen Kernforschungszentrum (CERN) in Genf, Das Christentum ist nicht mehr der kulturelle Leim einer ganzen Gesellschaft, sondern nur noch ein Ferment darin. Ein Menschenrecht namens Religionsfreiheit hat sich durchgesetzt. Vom 17. bis zum 19. Jahrhundert ist es von Freigeistern, Aufklärern, Bürger- und Arbeitervereinen mühsam erkämpft worden - gegen erbitterten kirchlichen Widerstand. Seit aber die kirchliche Macht nicht mehr ausreicht, es zu verhindern, gehören die Kirchen zu denen, die es am lautesten für sich reklamieren. Wir wollen nur das Recht, unsern Glauben praktizieren zu dürfen wie jede andere Religionsgemeinschaft auch, beteuern sie. Doch wenn sie "Recht" sagen, meinen sie "Vorrecht". Eintreibung der Kirchensteuer durch den Staat, christlicher Religionsunterricht als reguläres Schulfach, konfessionsgebundene Theologie im gleichen wissenschaftlichen Rang an der Universität wie Physik, Mathematik oder Soziologie: all das, was in unserm Kulturkreis sämtlichen andern Glaubensgemeinschaften im Namen der Religionsfreiheit verwehrt wird und was die Großkirchen nur dürfen, weil sie es früher durften, als sie für das Menschenrecht der Religionsfreiheit noch der größte Hemmschuh waren, das soll ihnen selbstverständlich bleiben. Christoph Türcke, Theologe Wie der dogmatische Apparat ein Kerker für den Verstand ist, so ist die Beichte ein Kerker für den ganzen Menschen. In Zeiten blinden und unwissenden Glaubens hat die Kirche festgesetzt, dass die Schriften, besonders die des Neuen Testaments, vollständig als authentisch und wahrhaftig zu gelten haben. Heute kann sie daher nicht mehr umkehren. Die Ergebnisse der modernen Wissenschaft müssen abgelehnt, als falsch bewiesen werden. Andererseits müssen die irrigen Entscheidungen der Kirche als wahr bewiesen werden. Deshalb muss man glauben, dass schwarz weiß ist. ...es überrascht, in welchem Ausmaß und mit welcher Peinlichkeit sich die führende Geistlichkeit mit solchen Fragen auseinandersetzt...Ohne weiteres kann man behaupten, dass es kaum ein unflätiges Buch gibt, das unter diesem Aspekt schlimmer wäre als eine moraltheologische Abhandlung. Die Enzykliken gehen immer von abstrakten, ganz allgemeinen Betrachtungen aus. (Die Gewalt komme von Gott, nicht vom Volk... Gehorsam gegenüber der Obrigkeit sei notwendig; alle Übel rührten von der Trennung der Menschen von Gott und der Kirche her, usw.). Wenn die Päpste dann zum Kern der Frage kommen, reden sie darumherum. Sie nennen kein wesentliches Mittel, das den Grund für die Missstände träfe. Es ist eine Tatsache, dass niemals eine Verurteilung, niemals eine Exkommunizierung gegen das Regime Hitlers ausgesprochen worden ist, nicht einmal, als dieser und seine Partei in den Konzentrationslagern Millionen von Menschen umbrachten. Alighiero Tondi, ehem. päpstl. Theologe
(Dieses Gedicht fehlt in fast allen Ausgaben Größer werden die Menschen nicht. Aus dem Glauben des Kreuzes Kruzifixus Am Kreuz hing sein gequält Gebeine, Doch die sich seine Jünger nannten, So, jedem reinen Aug' ein Schauder, ----------------------------------------------- Der Glaube ist zum Ruhen gut, Ein Sterbender Was ich gefehlt, des e i n e n bin ich frei; Auch bleib der Priester meinem Sarge fern; Theodor Storm, Dichter (1817-1888) Wer am meisten weiß, am wenigsten glaubt. Toskanisches Sprichwort
Für einen wissenschaftlich arbeitenden Menschen, der alles versucht zu verstehen, das Leben, die Umwelt, die Menschen, ist die verklausulierte Religion keine Alternative. Aber für die Bereiche, wo es den Menschen versagt ist, die Zusammenhänge zu verstehen, kann die Religion ein Erklärungsersatz sein. Daneben hat die Religion noch den Nachteil, dass sie als frühere Staatsreligion Vereinscharakter bei uns hat mit Traditionen und Zeremonien und vielen alten Anschauungen. Der Mensch, der "immer strebend sich bemüht", braucht nicht unbedingt aktives Mitglied der Kirche zu sein, um Gemüt, Herz und Toleranz im Sinne der Menschlichkeit zu praktizieren. Ich finde, dass ich in meiner Freiheit (bes. geistiger) noch mehr beschränkt würde, was übrigens auch das machtorientierte Ziel aller Religionen bisher war, weil die Verwaltung und Organisation der Religionsgemeinschaften natürlich von Menschen (und nicht von Heiligen) durchgeführt wurde und wird. Eberhard Liß (Brief vom 29.10.1978, an die Eltern) Eberhard Liß
Der "glaubende" Mensch deutet das für ihn Unerklärliche mit angenommenen 'irrationalen' Behauptungen aus anthropozentrischer Sicht. Geglaubt werden unbeweisbare Postulate als 'göttliche Offenbarungen', z. B. übernommene Glaubenssätze traditioneller Religionen.
Dogmatische Theorien basieren auf unwissenschaftlich (traditionell oder autoritär) definierten Grundsätzen, die nicht rational begründbar sind und nicht intersubjektiv überprüft werden können. Ideologien sind falsche Theorien über die Wirklichkeit (fiktive Weltanschauungen), die von partikulären Interessen ausgehend als dogmatische (unwissenschaftliche) Theorien propagiert werden und machtpolitisch (demagogisch) missbrauchbar sind.
Eine Theorie ist genau dann "wissenschaftlich", wenn sie so formuliert ist, dass sie an der Erfahrung scheitern kann (d. h. dass sie falsifizierbar ist). Solange eine wissenschaftliche Theorie nicht empirisch widerlegt ist, gilt sie als vorläufig bestätigt und 'bisher bewährt', d. h. als 'relativ wahr' (vgl. Zitate von Karl R. Popper unter 2.).
Strafbar, d. h. mit Strafe zu sühnen, ist aber nur eine rechtliche Schuld als vorsätzlicher oder fahrlässiger Verstoß gegenüber Gesetzen. Die Rechtmäßigkeit von Strafe gilt eingeschränkt auf schuldfähige 'zurechnungsfähige' Menschen mit Kenntnis der allgemeinen Sorgfaltspflicht und der Gesetze.
Dagegen ist eine moralische Schuld für einen durch freie Entscheidung verursachten Schaden bei sich selbst oder bei anderen dann nicht strafbar, wenn die Schuld als bewusster Verstoß gegen sittliche Normen (Gewissen) nicht rechtlicher Natur ist.
Der biblische Gott bedauerte seine Erschaffung des "gottähnlichen" Adam (="Mensch", Eva="Leben" auf Hebräisch, Erstes Buch Mose) aufgrund Adams Verfehlung, vom verbotenen Baum der Erkenntnis zu essen. Seit diesem "Sündenfall" (Resultat der Versuchung einer teuflischen Schlange) ist die gesamte Menschheit mit einer postulierten "Erbsünde" belastet, d. h. mit einer Anlage für freies Wollen des Bösen und Ausschluss von der übernatürlichen Seligkeit (d. h. Unsterblichkeit, Leidensunfähigkeit, klare Erkenntnis, keine Begierde). Die Erbsünde gilt als Voraussetzung für die christliche Erlösungslehre. Mit dem Postulat einer menschlichen Willensfreiheit für sittliches Verhalten, d. h. der freien Wahl zwischen 'gut und böse' beim bewussten Entscheiden, steht die christliche Ethik im Widerspruch zu neueren Ergebnissen der Hirnforschung hinsichtlich genetischer Anlagen für das Unbewusste, dessen 'Macht' bewusste Willensakte stark einschränkt. Das entspricht der klassischen griechischen Auffassung zur Begründung von menschlichen Fehlhandlungen durch eine 'Schwäche der Vernunft' gegenüber der Leidenschaft. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse zur untersuchten Problematik des 'freien Willens' betreffen spezifizierbare Bedingungen (im Unbewussten) für die Einschränkung der Verantwortlichkeit des (meist unbewusst) handelnden Menschen, weshalb juristische und auch moralische Schuldzuweisungen kritischer beurteilt werden müssen.
Das unbeweisbare Postulat der "unsterblichen Seele" (wie bei Platon) ermöglicht gläubigen Menschen die Hoffnung auf ein "Weiterleben nach dem Tod". Auf diesem wunschgemäßen Axiom gründen sich religiöse Heilslehren, insbesondere mit der Verheißung eines besseren Lebens im Jenseits (Seligkeit und ewiges Leben im 'Himmel') als "göttliche" Belohnung der 'Guten' für ihr "gottgefälliges" Leben in Demut und Ehrfurcht vor Gottes Allmacht, - aber mit Androhung von "Gottes Strafe" (spätestens beim Jüngsten Gericht) für die 'Bösen' und nicht begnadigten 'Sünder' (im Fegefeuer der Hölle), sogar von "ewiger Verdammnis" für Atheisten (Gottlose), - entsprechend einer machtpolitisch nutzbaren Angstreligion.
Dogmatische Theorien aufgrund von Axiomen (z. B. 'Offenbarungen Gottes' oder irrationale Glaubenssätze) werden gemäß kirchlichen Auslegungen genutzt für demagogische Argumentationen und religiös motivierte Handlungen, die fatale gesellschaftliche Konsequenzen haben können. Ideologische Überzeugungen und fundamentalistische Verheißungen (Seligkeit im Jenseits) führten zu religiös begründeten Diskriminierungen von Menschen (Kampf gegen das Böse) und zu großem Unrecht, Terror und kriegerischen Auseinandersetzungen bis heute (vgl. islamistischer "Heiliger Krieg", 8 Kreuzzüge in fast 200 Jahren, Reformationskriege, Judenverfolgungen u. a.).
Jede "Angstreligion" für Heilsversprechungen unter Androhung von Strafen ist ideologisches Menschenwerk (vgl. überlieferte Bibel-Varianten). Dieses wird antropozentrisch bestimmt durch machtpolitische Interessen und existenzielle Motive, aufgrund individueller Bedürfnisse und Wunschvorstellungen. - Die vielen Kriege der Menschheitsgeschichte waren meist ideologisch bestimmt von massenwirksamen (großen und kleinen) Religionen, die den Eroberern und Regierenden als Machtmittel dienten, - mit vielfältigem Nutzen für die Herrschenden im Bündnis mit der jeweiligen Amtskirche (vgl. Staatsreligionen, schon im Altertum; kriegerische Herrschaft von Päpsten und Kaisern u. a.). Religion ist wie jede Ideologie von Menschen erdacht, auch wenn sie göttliche Offenbarungen vorgibt. Die alten Schriftensammlungen der jüdisch-christlichen Religion (legendäres Menschenwerk aus Jahrhunderten) enthalten widersprüchlich deutbare Gottesvorstellungen und irrationale Behauptungen, die als "wahre Offenbarungen Gottes" blind geglaubt werden sollen. Beispiele hierfür sind:
Menschliches Streben nach klug machender Erkenntnis, sogar nach "göttlicher" Einsicht mit Kenntnis von gut und böse, beschreibt die Bibel als den Sündenfall, weshalb Adam und Eva vom "lieben" Gott verflucht und aus dem Paradies vertrieben worden sind (vgl. Erstes Buch Mose, 3. Kapitel). Naturwissenschaftliche Erkenntnisse der Menschheit widersprechen fiktiven Behauptungen von Religionen oder Ideologien, insbesondere mystischen Legenden (Wunderglaube) und transzendenten Axiomen (Offenbarungen, Postulate).
Logisch unverständlich sind auch Geisterglaube (Ahnen, Engel, Heilige), Aberglaube (Opfer, Tabus) und traditionelle Zeremonien (Riten), die mit der Fantasie von "Halt suchenden" oder "hilflosen" Menschen in Beziehung stehen.
Kirchliche Dogmen, orthodoxe Bibelauslegungen und kreationistische Theorien eines "Intelligent Design" sind konfrontiert mit kosmologischen, archäologischen und biologischen Nachweisen für Theorien zum Universum und zur erdgeschichtlichen Entwicklung der Artenvielfalt bis zum Menschen.
Noch um das Jahr 1825 bekämpften katholische Bischöfe alle wissenschaftlichen Zweifel an ihrer Behauptung, dass eine "gottgewollte" Sintflut (etwa im Jahre 2340 v. Chr.) gewesen sein soll, die alles frühere Leben und Menschenwerk vernichtet hat, ausgenommen die Insassen der Arche Nohas. - Demnach müsste die heutige Menschheit durch Inzucht der Familie Nohas entstanden sein. Erst im 20. Jahrhundert hat die katholische Kirche widerstrebend eingeräumt, dass die naturwissenschaftlichen Lehren von Kopernikus, Galilei und Darwin sachlich plausibel sind (d. h. Abkehr vom geozentrischen Weltbild und der sechstägigen Schöpfungsgeschichte der Genesis).
Auch im hochtechnisierten 21. Jahrhundert werden religiöse Dogmen und Zeremonien/Liturgien administriert bzw. praktiziert von Kirchenvertretern und Gläubigen, auch von politischen Machthabern. - Hier einige Beispiele:
'Angstreligionen' sind Menschenwerk und Machtmittel, die menschliches Leid mehr verursacht als gemindert haben. Albert Einstein meinte: "Einen Gott, der die Objekte seines Schaffens belohnt und bestraft, der überhaupt einen Willen hat nach Art desjenigen, den wir an uns selbst erleben, kann ich mir nicht einbilden. Auch ein Individuum, das seinen körperlichen Tod überdauert, mag und kann ich mir nicht denken; mögen schwache Seelen aus Angst oder lächerlichem Egoismus solche Gedanken nähren." [Wie ich die Welt sehe, um 1930]
Die vielen unterschiedlichen Religionen und Ideologien der Menschheit basieren auf durch evolutionäre Anpassung entstandenen Glaubenssätzen als transzendenten Axiomen, deren angenommene Wahrheit unbewiesen ist und für die logische Begründungen fehlen. Wissenschaftlich inakzeptabel sind religionsspezifische Behauptungen mit dogmatischem Wahrheitsanspruch, die keinen Zweifel zulassen, obwohl sie oft widersprüchlich sind. Religiöse Postulate dienten oft zur Begründung von praktizierter Intoleranz bei Glaubens- und Machtkämpfen bis hin zu verheerenden Religionskriegen in der Geschichte der Menschheit. Religionen als Ideologien dienten (und dienen weiterhin) zur demagogischen Begründung und fanatischen Unterstützung von Aggressionen, Kriegsmaßnahmen und Terroranschlägen zwecks vorteilsorientierter Bekämpfung von politischen Gegnern, Andersgläubigen oder Atheisten. Viele neuere religiöse Konflikte scheinen unvermeidlich zu sein, weil menschliche Ängste, Aberglaube und Irrationalität von fanatischen Religionsführern weiterhin für ihre eigenen Machtinteressen demagogisch ausgenutzt werden können, besonders durch Verheißungen eines "unerschütterlichen" Glaubens, dessen faszinierende Behauptungen über Geisterhaftes und Wunderbares nicht durch empirische Tests widerlegbar sind. Fazit: Dogmatische Aussagen lassen keine Kritik und Hinterfragung zu, weil sie absolute Gültigkeit und Wahrheit beanspruchen. - Solange Menschen an Dogmen glauben, die Begründungen für Kämpfe und Kriege liefern, werden Menschen für dogmatische Fiktionen geopfert.
Albert Einstein schrieb: "Je weiter die geistige Entwicklung des Menschen vorschreitet, in desto höherem Grade scheint mir zuzutreffen, dass der Weg zu wahrer Religiosität nicht über Daseinsfurcht, Todesfurcht und blinden Glauben sondern über das Streben nach vernünftiger Erkenntnis führt." [1941] Wissbegierige Menschen streben nach Einsicht durch Erkenntnis und stellen sich grundsätzliche Fragen gemäß ihrer modellhaften Weltbilder. Zu beantworten sind philosophische Fragen bei der Warheitssuche. Eine wissenschaftliche Wahrheitsfindung gelingt durch systematische Erforschung wirklicher Sachverhalte hinsichtlich erkennbarer Grundprinzipien (Ursprünge, Regeln). Prinzipielle Erkenntnisse (als Grunderkenntnisse) können gewonnen werden durch "kognitive" Verallgemeinerung angenommener Regelmäßigkeiten von ursprünglich erfassten, begrifflichen Beziehungen, die aufgefasst werden als erworbene (Grund-)Kenntnisse von grundsätzlich "begriffenen" (abstrahierten) Zusammenhängen situationsspezifischer Faktoren der untersuchten Sachverhalte (Situationen, Konstellationen). Diese entsprechen definierten Naturgesetzen oder Lebensweisheiten, die in Form von prägnanten Aussagen (als Logos-Relationen) ausdrückbar und dadurch kommunikativ mitteilbar sind. Der sprachbegabte, selbstbezüglich denkende Mensch kann sinnlose und sinnvolle Fragen zu Gegenständen seiner Begriffswelt stellen. So genannte "letzte" Fragen zu bisher Unerklärlichem, die (noch) nicht mit wissenschaftlicher Begründung beantwortet werden können, sind Gegenstand hypothetischer Deutungen und religiöser Behauptungen. Bisher unerforschte Phänomene als unerklärliche Erscheinungen können vom Menschen mit seinen schematischen Vorstellungen nur vage oder modellhaft erkannt und nur subjektiv gedeutet werden. Wir erkennen und deuten sogar Unerklärliches, - mit modellhaften Vorstellungen. Die bisher unerklärlichen Naturvorgänge können von Menschen fantasiegemäß gedeutet und fiktiv beschrieben werden (Imagination, relativer Wissensstand). Diese sind nicht richtig verstehbar, solange das dafür erfordeliche Wissen fehlt (mangelhafte Einsicht). Schon früh erfanden fantasievolle Menschen für das Unerklärliche fiktive Begründungen, - auch mindestens einen Verursacher, den sie als Gott verehrten oder aus Angst fürchteten. Wer über fiktive Aussagen nachdenkt, kann davon nur wenig glauben. Wer kritisch nachdenkt, findet Zweifelhaftes. Die Unterscheidung von Fakten und Fiktionen ist nur mit wissenschaftlicher Skepsis durch kritisches Denken möglich, das schwerer fällt als blinder Glaube. Glaube mit Überzeugung nur das, was Du selbst kritisch geprüft hast! Wer sich vor mühsamer Wahrheitssuche scheut, dem fällt Glauben leichter als Denken. Glauben ist kein Wissen und betrifft mental Angenommenes als unbewiesene Behauptung (Postulat, Axiom), die unwiderlegt auch Hoffnung vermitteln kann. Mangelhaftes Wissen und geringes Denkvermögen sind Gründe für Unverstand und falsche Meinungen, auch für Aberglaube und Fanatismus. Fantasievolle Geschichten und irrationale Fiktionen sind irreal "ersponnene" Dichtungen oder "unwahre" Behauptungen, die mit nachprüfbaren Tatsachen (Fakten) nicht übereinstimmen. Traditioneller Glaube an mindestens einen Gott (auch Teufel, Engel und Heilige), an Wunder und göttliche Kreationen zwecks "anthropozentrischer" Gestaltung von Universum und Leben verlangt von Menschen Glaubensbekenntnisse, die nicht wissenschaftlich begründbar sind. Wer an die Unsterblichkeit seiner Seele glaubt, nimmt sich selbst zu wichtig und ist an seiner Angst vor dem Tod selbst schuld. Gläubige Menschen lassen sich stark verwundern von (für sie) Unvorhersehbarem oder Unerklärlichem, z. B. ein unerwartetes Phänomen oder zufälliges Zusammentreffen. Ein vermeintlicher Zufall wird kausal bestimmt durch mindestens ein situationsbedingtes Ereignis, das mit unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit vorkommen kann. Beeindruckende Zufälle festigen ideologischen Wunderglauben. Wir glauben zu wissen, wenn wir vermutete Vorstellungen für wahr halten. An Unwahres können wir glauben, aber Wahres können wir wissen. Unser begrenztes Wissen ist unvollständig und nur relativ wahr ohne Gewissheit. Die relative Wahrheit über Prinzipien der Wirklichkeit ist kognitiv bestimmbar entsprechend theoretischer und praktischer Einsicht in wesentliche Zusammenhänge der wahren Wirklichkeit. Gemäß dem 'Unschärfeprinzip der relativen Wahrheit' gelten logische (Vor-)Urteile, die in Form von Aussagesätzen mitteilbar und kritisch überprüfbar sind, als 'relativ wahr' aufgrund von bisher bewährten Regeln und bestimmten Ausnahmen für Sonderfälle, aber nur so lange diese Regeln nicht verändert werden (durch Lernen oder Umlernen). Wissen ist ein Führwahrhalten von bisher bewährten (begründeten) Kenntnissen, die theoretisch oder praktisch nutzbar sind, besonders für Urteile und (Vor-)Aussagen. »Von etwas wissen« heißt über erworbene Kenntnisse verfügen, die als begriffliche Beziehungen situationsbedingt erfasst worden sind. Die Wissenschaft ermöglicht im Unterschied zur Religion eine relative Wahrheitsfindung durch systematische Prüfung theoretischer Argumente zur Begründung von Behauptungen (d. h. Urteilsäußerungen mit Wahrheitsanspruch) aufgrund gewonnener Erkenntnisse von natürlichen Zusammenhängen (d. h. kognitiv erfasster Beziehungen). Albert Einsteins Credo: "Wir glauben, dass die Wissenschaft der Menschheit am besten dient, wenn sie sich von aller Beeinflussung durch irgendwelche Dogmen freihält und sich das Recht vorbehält, alle Thesen einschließlich ihrer eigenen anzuzweifeln." [Deklaration der 3. Pugwash-Konferenz, Kitzbühel 1958] Der unkritische "blinde" Glaube an dogmatische Theorien steht im Widerspruch zu rationalen Kritiken und wissenschaftlichen Theorien, die empirisch überprüfbar sind und als 'relativ wahr' gelten. Theorien, die auch in Übereinstimmung mit neueren Erkenntnissen wirklich zutreffen oder bestätigt werden, haben sich 'bisher bewährt', aber ohne Gewissheit für ihre künftige Nutzung. Der namhafte Soziobiologie E. O. Wilson schrieb: "Blinder Glaube, wie leidenschaftlich er auch ausgedrückt sein mag, genügt nicht mehr. Die Wissenschaft ihrerseits wird nicht aufhören, jede einzelne Prämisse über die Conditio humana zu überprüfen, und mit der Zeit wird es ihr gelingen, die Urschichten aller moralischen und religiösen Gefühle freizulegen."
Der "forschende" Mensch strebt nach Erkenntnis, vor allem zum Lösen von erkannten Problemen seines (Über-)Lebens. Er erwirbt Kenntnisse von seiner Umwelt und versucht, entdeckte Zusammenhänge mit erfassten Beziehungen zu erklären. Seine theoretischen Erkenntnisse beim Lernen durch Einsicht in prinzipielle Sinn-Zusammenhänge sind hypothetisch und ungewiss.
Erst nach ihrer empirischen Bewährung (Erprobung an der Realität) kann mit diesen Erkenntnissen das Erfahrungswissen erweitert oder vervollkommnet werden.
Lernen durch Einsicht führt zur Theorie. - Erst Lernen aus eigener Erfahrung wird zur Praxis einer Verhaltensänderung.
Kennzeichnend für mangelhafte Einsicht aufgrund fehlender Kenntnisse (z. B. bei der unerfahrenen Jugend) sind unkontrolliert übernommene "irreale" Vorstellungen (falsche Annahmen) für "unrichtige" (irrige) Einschätzungen oder "unklare" (verschwommene) Ansichten. Ideale Illusionen und Fiktionen beeindrucken nicht nur Jugendliche, dagegen sind realistische Ansichten und Aufklärungen oft unerfreulich oder wirken belastend als unerwünschte Seinserfahrung. Durch induktives Lernen (empirische Verallgemeinerung) situationsbedingt erworbene Kenntnisse werden als "bisher bewährtes" Teilwissen mit angenommener Allgemeingültigkeit (ungewisse Regelmäßigkeit) genutzt und solange empirisch erprobt, bis sie falsifiziert werden, z. B. aufgrund veränderter Umweltbedingungen (vgl. Variabilität komplexer Systeme). Mögliche Wissenskorrekturen durch Umlernen und Weiterlernen führen zur schrittweisen Verbesserung des ausbildbaren Erfahrungswissens (relative Wahrheit ohne Gewissheit). Das philosophische Induktionsproblem (nach David Hume) betrifft Zweifel an der Allgemeingültigkeit von induktiv erlernten (d. h. erfahrungsgemäß verallgemeinerten) (Er-)Kenntnissen für wissenschaftlich definierte 'Naturgesetze', die mit formal-logischen Regeln (zunächst ohne Ausnahmebedingungen) sprachlich ausgedrückt werden können. Auf angenommenen Gesetzmäßígkeiten basierende hypothetische Theorien dienen zur modellhaften Beschreibung von "kognitiv" erfassten Zusammenhängen von untersuchten Sachverhalten der Wirklichkeit.
Die Wahrheit einer (Vor-)Aussage wird sich nur dann praktisch erweisen, wenn ihre Behauptung mit beobachtbaren (messbaren) Tatsachen begründet werden kann.
Der Wahrheitsgehalt einer Aussage wird entscheidend dadurch bestimmt, ob sie logisch widerspruchsfrei (konsistent) im Vergleich mit Erfahrungswissen ist.
Die wissenschaftliche Wahrheitsfindung erfordert eine kritische Analyse der begrifflich-abstrakten Modellvorstellungen des deklarativen Wissens aufgrund von "kennen gelernten" Zusammenhängen untersuchter Sachverhalte.
Die Aufgabe einer wissenschaftlichen Wahrheitsfindung geht aus von "geglaubten" Axiomen und "hypothetischen" Theorien, die auch philosophische Fragen betreffen. Dazu findet man folgende Zitate von Karl R. Popper in dem Buch "Alles Leben ist Problemlösen", Piper, München, Zürich, 1994.
2. Zitate-Auswahl - aus dem Essay Für Popper ist Wahrheit zwar prinzipiell erreichbar, aber niemals beweisbar. Eine wahre Theorie ist möglich, aber hinsichtlich ihrer Gewissheit (d. h. Gültigkeit für die Zukunft) unbewiesen, - besonders aufgrund von unsicherem Wissen über veränderliche Umweltbedingungen.
Denkgewohnheiten und Vorurteile basieren auf pragmatischem Teilwissen, das als 'bisher bewährt' solange gilt, bis es durch neue Erfahrungen und Erkenntnisse korrigiert oder verbessert werden kann. Die wissenschaftliche Erforschung natürlicher Gesetzmäßigkeiten wird ermöglicht durch realitätsnah erworbene Kenntnisse (als prinzipielle Erkenntnisse) von kognitiv erfassten Beziehungen wesentlicher Zusammenhänge, insbesondere durch kenntnisspezifisch ausgebildete Begriffsstrukturen für adäquate Modellvorstellungen des situationsbedingt modifizierbaren Erfahrungswissens (vgl. bedingte Implikationen des deklarativen Wissens). Ein 'Erkenntnisfortschritt' bei der Lernentwicklung (durch kritische Überprüfung hypothetischer Regeln oder Theorien) erfolgt dann, wenn mit Hilfe von neuen erworbenen Kenntnissen, d. h. neuen bedingten Relationen, vorhandene bedingte Verknüpfungen der lernfähigen Gedächtnisstruktur erfahrungsgemäß korrigiert oder ersetzt (d. h. induktiv verbessert bzw. umgelernt) werden. Wer beim induktiven Lernen aus beobachteten Einzelfällen angenommene Regelmäßigkeiten verallgemeinert und mit situationsbedingt erworbenen Kenntnissen (bedingten Relationen) von erfassten Beziehungen begründet, kann erlernte (Verhaltens-)Regeln versuchsweise nutzen, auch wenn er keine Gewissheit für seine theoretischen oder praktischen Kenntnisse hat. Geglaubt werden kann eine postulierte Gewissheit für 'bisher bewährte' Kenntnisse von erfassten Beziehungen der untersuchten Wirklichkeit, - aber nur solange diese empirisch konsolidiert werden und dadurch trotz Kritik bestehen bleiben. Ein Glaube an die postulierte Gewissheit von geprüftem Wissen ist nur dann praktikabel, wenn alle verfügbaren Quellen zur Wahrheitsfindung kritisch ausgeschöpft worden sind. Humanistische Lebenserfahrung und aufklärende Wissenschaft sind realitätsnäher als jeder dogmatische Glaube an fiktive Behauptungen, die unüberprüft als wahr akzeptiert werden sollen gemäß tradierten Religionen oder politischen Ideologien.
Die modellhaften Theorien aufgrund von begrifflichen Abstraktionen müssen auf ihren Wahrheitsgehalt wissenschaftlich und empirisch überprüfbar sein, was für Glaubenssätze von Religionen nicht gewährleistet werden kann. Eine dogmatische Ablehnung vernünftiger Argumente für Zweifel an Glaubenssätzen geschieht ohne empirische Überprüfung und sachkundige Kritik. Von "fanatischen" (meist kirchlich organisierten) Religionsvertretern werden Andersdenkende bekämpft (auch kriegerisch) wegen ihrer "atheistischen" oder "ketzerischen" Ansichten. Auf wissenschaftlichen Grunderkenntnissen für naturalistische Aussagen, die experimentell überprüfbar sind und irrationalen Überzeugungen widersprechen, basieren logisch begründete Zweifel an religiösen Behauptungen (vgl. Axiome als 'göttliche Offenbarungen') und an dualistischen Auffassungen von Geist und Materie (vgl. Metaphysik und Mystik).
Heute wird ein "humaner" wissenschaftlich-technischer Fortschritt allgemein gefordert, wobei bestimmbare Grenzen des Wissens über die Natur zu akzeptieren sind. Als problematisch gilt die Eingeschränktheit jedes weiterführenden Wissens, das zur Beurteilung von neu verfügbaren Entscheidungsmöglichkeiten erforderlich ist. Bisher Unerforschtes ist zu respektieren als Unerklärliches, - aber nicht als theologisch mystifiziertes 'Gotteswerk'. Die Erforschung von Operationsprinzipien des Lebendigen (vgl. kognitive Systeme) in der natürlichen Welt des Werdens und Vergehens gelingt dem Menschen nur mit modellhafter Annäherung an die Wirklichkeit gemäß seinen begrifflich entwickelbaren Vorstellungen, die eingeschränkt ermöglicht werden durch die evolutionär prädisponierte Lernfähigkeit seiner individuell ausbildbaren Gehirnstruktur (d. h. im Rahmen der strukturellen Lerndisposition des Gehirns). Unser nutzbares Weltbild und aktuelles Menschenbild entsprechen dem jeweiligen Wissensstand aufgrund unserer kognitiv-logischen Modellbildung. Durch neue Erkenntnisse können Denkmodelle geändert und verbessert werden gemäß dem näherungsweise erreichbaren Ziel einer wissenschaftlichen Wahrheitsfindung.
Hinweis: Der Herausgeber der Zitate übernimmt keine Gewähr für ihre Vollständigkeit und Richtigkeit. Ende Teil 4 » TOP | zum Teil 1 | zum Teil 2 | zum Teil 3 | HOME | www.liss-kompendium.de
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